Immer mehr Terrorcamp-Teilnehmer: BKA warnt vor Al-Kaida-Anschlägen in Deutschland
zuletzt aktualisiert: 10.08.2008 - 14:39Berlin (RPO). Das Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnet mit wachsender Sorge den Aufenthalt deutscher Islamisten in afghanischen und pakistanischen Terrorcamps. Es seien inzwischen über 50 Islamisten aus der Bundesrepublik in den Lagern gedrillt worden.
Das sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke in einem Interview des Berliner "Tagesspiegels". Ein Teil dieser Personen, allerdings nur eine einstellige Zahl, sei nach Deutschland zurückgekehrt. Die Terrorverdächtigen zählten zu den knapp 100 gefährlichen Personen, die sich nach Kenntnissen des BKA in der Bundesrepublik aufhielten, wurde Ziercke zitiert. Angesichts der Verlautbarungen des Terrornetzwerkes Al Kaida und der Islamischen Dschihad-Union sei das BKA davon überzeugt, dass man beschlossen habe, Anschläge auch in Deutschland zu begehen, sagte Ziercke.
Sorge wegen Hisbollah
Der "Focus" berichtete unterdessen, dass deutsche Behörden vor einer möglichen Mobilisierung der 900 in Deutschland lebenden Hisbollah-Anhänger warnen. Die Miliz verfüge über die Logistik, "großangelegte objekt- und personenbezogene Anschläge durchzuführen", schreibt das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf ein angebliches BKA-Dossier.
Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz warne in einem internen Papier vor Hisbollah-Anhängern in Deutschland. Sie könnten im Falle einer "nahöstlichen Krise jederzeit für terroristische Aktivitäten" eingesetzt werden. Ob es sich dabei um mögliche Anschläge in Deutschland oder im Ausland handele, schrieb das Blatt nicht. Das BKA gab keinen Kommentar zu dem Bericht ab.
Hintergrund des Berichtes ist offenbar ein Verfahren gegen einen israelischen Araber, der in Göttingen Medizin studierte. Der 1979 geborene Mann wurde nach seiner Landung in Tel Aviv am 16. Juli verhaftet. Die israelische Anklage wirft ihm Kontakte mit einem ausländischen Agenten und die Weitergabe von Informationen vor.
Treffen in Deutschland
Nach Angaben des israelischen Geheimdienstes Shin Beth soll der Angeklagte während seines Studiums in Deutschland von einem Hisbollah-Mitglied angesprochen worden sein. Dieses soll ihm 13.000 Euro gegeben haben. Als Gegenleistung habe der Angeklagte unter anderem weitere israelisch-arabische Staatsbürger genannt, die von der Hisbollah kontaktiert werden könnten.
Die Anklage nennt vier Zeugen, darunter vier israelische Geheimdienstagenten, die nur mit Decknamen aufgeführt werden. Der Anwalt des Angeklagten, Amnon Zichroni, sagte, sein Mandant habe Israel keinen Schaden zugefügt. Laut "Focus" wurde der Student bei seinen konspirativen Treffen in Deutschland vom israelischen Geheimdienst beobachtet.
Die Hisbollah ist eine radikale schiitische Organisation im Libanon, die einen fundamentalistischen Staat nach dem Vorbild des Irans schaffen will. Experten zufolge verübte die Gruppe seit 1982 knapp 200 Anschläge, bei denen 800 Menschen ums Leben kamen. Im Libanon ist die Hisbollah an der Regierung beteiligt.
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