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"San-Luca-Vendetta": Blutige Mafia-Rache in Duisburg

zuletzt aktualisiert: 15.08.2007 - 17:34

Duisburg (RPO). Die sechs erschossenen Italiener in Duisburg sind Opfer eines Mafia-Kriegs geworden. Das italienische Innenministerium hat am Mittwoch die Mafia-Kontakte der Männer bestätigt. Die Bluttat sei die Folge eines Streits zwischen zwei kalabrischen Familien, sagte Innenminister Giuliano Amato am Mittwoch im italienischen Fernsehen.

Die Spur führe zur Ndrangheta, der kalabrischen Mafia. Es sei zu befürchten, dass die Morde in Duisburg weitere Gewalt nach sich zögen. Der Rachefeldzug der beiden Familien ist nach seinen Angaben auch unter dem Namen "Die Vendetta von San Luca" bekannt. San Luca ist ein kalabrisches Dorf.

Der für Ermittlungen gegen die Mafia zuständige Staatsanwalt Pietro Grasso bezeichnete es in dem TV-Interview als "absolute Neuigkeit", dass sich eine solche Gewalttat im Ausland abspiele. Die Opfer seien offenbar nach Duisburg gelockt worden, weil die Täter sich den Folgen ihrer Rache entziehen wollten. Duisburger Streifenbeamte hatten die sechs Italiener am frühen Mittwochmorgen in zwei Fahrzeugen nahe dem Duisburger Hauptbahnhof gefunden. Fünf Männer waren bereits tot, das sechste Opfer starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Täter hatten die Männer durch Kopfschüsse getötet.

Giulio Amato sagte in Rom, eines der Duisburger Opfer sei der Drahtzieher einer Fehde, die bereits im Jahr 1991 in San Luca begann und schon vor den Duisburger Ereignissen neun Todesopfer forderte. Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung auf italienische Ermittlerkreise berichtete, gehörten die Opfer dem Pelle-Romeo-Clan an, die Täter werden im Strangio-Nirta-Clan vermutet. Eine Sprecherin von Interpol in der italienischen Hauptstadt erklärte, Ermittler der internationalen Polizeibehörde in Rom seien nach Duisburg gereist. Die Polizei in Reggio Calabria erklärte, Beamte dort arbeiteten ebenfalls an dem Fall.

Der Vize-Chef der Polizei der italienischen Provinzhauptstadt Region Calabria, Luigi de Sena, sagte dem Blatt zufolge, es sei das erste Mal, dass es im Ausland zu solch einer offenen Austragung eines Konflikts zwischen konkurrierenden Mafia-Clans gekommen sei. Die 'Ndrangheta sei in Deutschland sehr stark, habe ihre Streitigkeiten aber bislang fernab der Öffentlichkeit ausgetragen, um möglichst unauffällig zu bleiben. Laut Duisburger Polizei gab es in der Stadt bisher keine Mafia-Aktivitäten.

Täter schossen wahllos auf Opfer

Die getöteten Männer standen in Beziehung zu dem Duisburger Lokal "da Bruno", vor dem die Morde sich ereigneten, sagte der Leiter der Mordkommission, Heinz Sprenger, am Nachmittag. Offenbar hätten ihnen die Täter nach dem Verlassen des Lokals aufgelauert und gewartet bis sie in ihre Autos eingestiegen seien. Die Opfer seien dann regelrecht niedergemäht worden. "Es ist wahllos in die im Wagen sitzenden Menschen hineingeschossen worden. Die Opfer weisen eine Vielzahl von Schussverletzungen auf", sagte Sprenger.

Das jüngste Opfer war Francesco G. (16 Jahre). Er ist vermutlich der Neffe eines weiteren Opfers, dem 38-jährigen Sebastiano S., der Geschäftsführer des Restaurants "da Bruno" war. Als Namen der weiteren Opfer gab die Polizei Tomaso-Franceso V. (18) aus Mülheim an, der in dem Lokal eine Lehre machte, sowie die Brüder Francesco P. (21) und Marco P. (19), die als Aushilfen im "da Bruno" arbeiteten. Beim sechsten Opfer handelt es sich nach Polizeiangaben um Marco M. (25).

Alle Opfer kamen aus Kalabrien, aus der Region San Luca, berichtete der Einsatzleiter der Duisburger Polizei, Ronald Bäumler. Einer der Getöteten sei wegen Geldfälschung der Polizei bekannt, sagte Bäumler. Er wollte aber keinen Schluss auf einen Mafiamord ziehen. Man ermittle in alle Richtungen, beispielsweise wegen einer Beziehungstat. Die Obduktion der Leichen werde "noch Tage dauern", sagte der Leiter der Mordkommission, Sprenger. 

Schüsse fielen nach Geburtstagsfeier

Die sechs Männer sollen am Dienstagabend im "da Bruno" gemeinsam den Geburtstag eines der Opfer gefeiert haben. Vor dem Silperpalais in der Nähe des Duisburger Hauptbahnhofs waren sie in der Nacht zum Mittwoch gegen zwei Uhr durch zahlreiche Schüsse getötet worden. Fünf Leichen wurden in zwei Fahrzeugen gefunden, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Ein sechster Mann erlag im Notarztwagen seinen Schussverletzungen.

Nach Angaben Sprengers hatte eine Zeugin, die gegen 2.30 Uhr die Schüsse gehört hatte, die Polizei alarmiert. Eine erste Auswertung einer in der Nähe des Tatortes installierten Überwachungskamera habe ergeben, dass zwei Männer vom Tatortbereich "von der Mülheimer Straße aus kommend in Richtung Ludgeriplatz davongelaufen" seien.

Die Ermittler lösten unmittelbar nach der Tat eine Großfahndung aus. Die Polizei konzentriert sich auf die zwei bislang unbekannten Männer. Am Tatort wurden zahlreiche Geschosshülsen gefunden. Die Opfer selbst sollen unbewaffnet gewesen sein. Die Polizei sucht nach weiteren Zeugen.


 
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