Schießerei in Rüsselsheim: Bluttat war Höhepunkt einer Fehde
zuletzt aktualisiert: 13.08.2008 - 15:50Wiesbaden (RPO). Die Bluttat von Rüsselsheim mit drei Toten war nach ersten Erkenntnissen der Polizei offenbar der Höhepunkt einer Fehde. Hintergrund ist demnach ein Streit zwischen einzelnen Mitgliedern zweier türkischer Gruppen.
Nach der Schießerei in einem Rüsselsheimer Eiscafé mit drei Toten hat die Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Bei ihnen handelt es sich um einen 49-jährigen und einen 28-jährigen Türken, wie die Ermittler am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden.
Der bewaffnete Überfall war offenbar der Höhepunkt einer privaten Fehde. Hintergrund könnte ein Streit zwischen einzelnen Mitgliedern zweier türkischer Gruppen sein, sagte der Leiter der Sonderkommission beim Landeskriminalamt, Stefan Müller.
Laut Polizei griffen am Dienstagabend gegen 20.00 Uhr vier bis fünf Männer eine Gruppe von drei bis vier Personen an, die an einem Tisch vor einer Eisdiele saßen. Bei der Auseinandersetzung kamen Schusswaffen und Messer zum Einsatz. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei wurden dabei ein 26-jähriger Angreifer aus Wiesbaden und ein 29-jähriger Cafégast aus Raunheim tödlich verletzt. Auch eine unbeteiligte 55-Jährige, die vor dem benachbarten Restaurant saß, erlitt tödliche Verletzungen.
Hintergrund könnte Streit vor Disco gewesen sein
Der ebenfalls an der Auseinandersetzung beteiligte 31 Jahre alte Bruder des getöteten Angreifers überlebte schwer verletzt und befindet sich laut Polizei nach einer Notoperation nicht mehr in Lebensgefahr. Er soll am (morgigen) Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Alle Männer seien einschlägig polizeilich bekannt, teilten die Ermittler mit. Die Auseinandersetzung habe offenbar am vergangenen Wochenende vor einer Discothek in Mainz begonnen und habe möglicherweise mit gekränkter Ehre zu tun. Nach diesem Konflikt wurde den Ermittlern zufolge auch Strafanzeige gestellt. Warum das Eiscafé in Rüsselsheim zum Tatort wurde, liege noch im Dunkeln.
Die Tatbeteiligung der beiden Festgenommenen müsse noch geprüft werden, erklärten die Ermittler. Es spricht laut Polizei einiges dafür, dass sie zur fraglichen Zeit am Tatort waren. Darüber hinaus gehen die Beamten davon aus, dass noch vier bis fünf möglicherweise Tatbeteiligte flüchtig sind. "Wir haben die Fahndung intensiviert", betonte Müller.
Das "Darmstädter Echo" berichtete in seiner Online-Ausgabe, Geldforderungen in Zusammenhang mit einem Wettbüro spielten eine Rolle. Bei den beiden Festgenommenen handele es sich nicht um die mutmaßlichen Täter, sondern um Menschen aus deren Umfeld. Zu diesen Einzelheiten äußerten sich die Ermittler allerdings nicht und verwiesen auf die noch laufenden Untersuchungen.
Keine Hinweise auf frühere Verbrechen in Rüsselsheim
Nach Müllers Worten ist die Ursache für die Bluttat möglicherweise im "Verhalten und den Gewohnheiten des Kulturkreises" der betroffenen Personen zu suchen. Den Ermittlern zufolge gibt es aber keine Hinweise zu früheren Auseinandersetzungen in Rüsselsheim in den vergangenen Jahren. Auch Bandenkriminalität scheide nach den bisherigen Erkenntnissen aus. Vor knapp vier Jahren wurde in Rüsselsheim ein 38-jähriger Türke erschossen, nachdem er mit dem Inhaber eines Wettbüros in Streit geraten war.
Bei den weiteren Ermittlungen setzt die Polizei auch auf die Hilfe der Bevölkerung und sucht dringend nach Zeugen, die sich unter der Telefonnummer 01805-665110 melden können. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt setzte für sachdienliche Hinweise eine Belohnung von 10.000 Euro aus.
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