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Brand mit sechs Toten in Traunstein
Angeklagter entschuldigt sich zu Prozessbeginn

Fotos: Sechs Tote bei Feuer in Eventhotel
Fotos: Sechs Tote bei Feuer in Eventhotel FOTO: dpa, htf
Traunstein . Knapp acht Monate nach einem verheerenden Feuer mit sechs Toten in einem Gästehaus in Bayern hat vor dem Landgericht Traunstein der Prozess gegen einen Eventmanager begonnen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47 Jahre alten Mann fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor. Neben den sechs Toten hatten noch zwanzig weitere Menschen zum Teil schwere Verletzungen erlitten.

Der Brand traf eine Baufirma aus Niederbayern, die ihren Mitarbeitern zum 50-jährigen Bestehen ein Abenteuerwochenende mit Übernachtung spendiert hatte. In der Brandnacht am 23. Mai befanden sich insgesamt 54 Menschen in dem betroffenen historischen Gebäude im oberbayerischen Schneizelreuth, darunter 47 Mitarbeiter dieser Firma.

Jennifer Doppelhofer hat viele Fragen. Die 31-Jährige ist zum Landgericht Traunstein gefahren, weil sie wissen will, warum ihr Mann Lars in der Nacht zum 23. Mai 2015 sterben musste - erstickt im Flammeninferno von Schneizlreuth, einem der schlimmsten Brände in der bayerischen Nachkriegsgeschichte. "Ich frage mich, wie das alles passieren konnte", sagt die Mutter von zwei Kindern im Alter von drei und neun Jahren, die sie nun alleine erziehen muss. "Ich hoffe, dass ans Tageslicht kommt, wer weggeschaut hat."

Schon zu Beginn des Prozesses um die Brandkatastrophe mit sechs Toten und 20 Verletzten zeichnet sich am Montag ab, dass Behörden womöglich tatsächlich wegschauten. "Ich bin schon der Meinung, dass die Behörden genau Bescheid wussten, dass ich im Pfarrerbauernhof Gäste übernachten ließ", sagt der Angeklagte - und das auch nach dem Jahr 2009.

Damals hatte er dem Landratsamt in Bad Reichenhall schriftlich mitgeteilt, dass er künftig keine Gäste mehr in dem Gebäude übernachten lassen werde. Doch er hielt sich nicht daran. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor, weil Brandschutzauflagen nicht erfüllt waren.

Die Gutachter halten fahrlässige Brandstiftung etwa durch eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe für wahrscheinlich, können aber auch nicht ausschließen, dass jemand den Brand legte. Auf die Frage von Verteidiger Frank Starke, ob er vorsätzliche Brandstiftung ausschließen könne, antwortet der ermittelnde Kripobeamte vor Gericht: "Nein".

"Ich habe Schuld auf mich geladen"

Der Angeklagte beginnt seine gut 20-minütige Erklärung zu Prozessbeginn mit einem Eingeständnis: "Ich empfinde, dass ich Schuld auf mich geladen habe." Er bittet die Hinterbliebenen der Toten und die Verletzten um Entschuldigung. Und er bittet sie ausdrücklich, "die Entschuldigung auch anzunehmen".

Der 47-Jährige ist Wirtssohn, hat selbst Koch gelernt, ging dann aber zur Bundeswehr. Er wurde Ausbilder für Soldaten im Auslandseinsatz und kam als Panzerkommandant in Somalia mit traumatischen Erlebnissen zurück, wie er sagt. Der denkmalgeschützte sogenannte Pfarrerbauernhof wurde sein Rückzugsraum - und sein Traum.

Nach und nach erfüllte er sich dort seinen Wunsch von einer Art Almhütte für Gäste von Abenteuerurlauben. "Alles sollte so einfach wie möglich sein." Im Dachgeschoss schliefen Dutzende Gäste auf einem Matratzenlager. Um Baugenehmigungen scherte sich der introvertiert wirkende Geschäftsmann wenig. Der Berg- und Skiführer hatte lediglich eine gaststättenrechtliche Genehmigung, jedoch keine Erlaubnis zur Beherbergung von Gästen.

Der Betrieb floriert, das zählt für den geschiedenen Vater von drei Söhnen, alles andere betrachtet er als Nebensache. Als er der Großen Strafkammer schildert, dass sich sein Lebenstraum mehr und mehr erfüllte und ihm bei diesen Worten zugleich bewusst wird, dass das verheerende Feuer auch seine Lebensgrundlage zerstörte, stockt seine Stimme.

Bei dem Brand starben sechs Männer im Alter zwischen 30 und 42 Jahren. Sie waren Mitarbeiter einer Baufirma im niederbayerischen Arnstorf. Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens hatte das Unternehmen seinen Mitarbeitern ein Eventwochenende in den Alpen samt Übernachtung auf dem Bauernhof aus dem Jahr 1541 spendiert. Das Abenteuer endete im Inferno.

Jennifer Doppelhofer will den Prozess bis zum Ende als Nebenklägerin verfolgen. Denn sie sucht die Antwort auf die Frage: "Warum ließ der Angeklagte Leute dort übernachten, obwohl er es nicht gedurft hätte?" Anfang Februar will das Gericht sein Urteil verkünden.

(felt/dpa/AFP)
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