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Staatsanwalt
Brandursache in Titisee-Neustadt war Gasofen
Tote bei Brand in Behinderten-Einrichtung
Tote bei Brand in Behinderten-Einrichtung FOTO: dapd, Winfried Rothermel
Titisee-Neustadt. Ein Gasofen hat die Brandkatastrophe mit 14 Toten in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald verursacht. Es sei unkontrolliert Gas ausgetreten und verpufft, teilte Staatsanwalt Peter Häberle in Titisee-Neustadt am Dienstag mit.

Ausströmendes Gas und eine anschließende Verpuffung haben die tödliche Brandkatastrophe in Titisee-Neustadt verursacht. In der Behindertenwerkstatt habe sich ein Gasofen befunden, der mit einer Gasflasche verbunden war, sagte der Staatsanwalt Peter Häberle. Das Gas habe sich entzündet und zu einer Verpuffung geführt. Warum das Gas austrat, ist weiterhin unklar.

Jetzt wollen die Experten den Zustand der Propangasflasche rekonstruieren. Dies kündigten die Behörden auf einer Pressekonferenz an. Es sei nicht klar, ob das Ventil der Flasche offen gewesen sei. Die Flasche lieferte den Brennstoff für den etwa einen Meter hohen mobilen Gasofen. Zu welchem Zweck dieser Ofen im Raum stand, ob zum Heizen oder zu Probezwecken, sei ebenfalls noch zu ermitteln, so die Staatsanwaltschaft.

Brandschutz war ordnungsgemäß

Der Brandschutz in der Behindertenwerkstatt im Schwarzwald war aus Sicht der Behörden jedoch völlig ausreichend. "Der vorbeugende Brandschutz war absolut ordnungsgemäß", sagte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Der Einsatz der Rettungskräfte sei "vorbildlich gelaufen."

Bei der Katastrophe waren am Montag 14 Menschen ums Leben gekommen. Von den 97 Menschen, die sich aus dem Gebäude retten konnten, schafften dies nach Darstellung der Behörden 86 aus eigener Kraft. Nur elf Menschen mussten von der Feuerwehr aus dem Gebäude geleitet werden. Dies spreche für das Funktionieren des Rettungskonzepts über eine Rampe für Rollstuhlfahrer und eine Stahltreppe, sagte Schäfer.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen kündigte an, alle ihre Sicherheitsstandards auf den Prüfstand zu stellen. Am frühen Abend wollte die Polizei eine Pressekonferenz zu den Ermittlungen geben. Für Samstag ist in der Schwarzwald-Stadt eine Trauerfeier geplant.

Opfer inzwischen identifiziert

Nach eingehender Untersuchung konnten die Opfer identifiziert werden. In der Caritas-Einrichtung waren zehn behinderte Frauen im Alter von 28 bis 68 Jahren, drei Männer im Alter von 45 bis 68 Jahren sowie eine 50-jährige Betreuerin ums Leben gekommen. Neun Menschen wurden verletzt. Möglicherweise gab es eine Explosion in einem Lagerraum der Einrichtung. Behinderte und Mitarbeiter der Werkstatt mussten von der Feuerwehr aus dem qualmenden Gebäude gerettet werden. In der Behindertenwerkstatt arbeiten knapp 130 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen will nun die Sicherheitsvorkehrungen in den Einrichtungen überprüfen. "Wenn so ein Unglück geschehen ist, gilt es alle Standards auf den Prüfstand zu stellen", sagte der Vorstandsvorsitzende Günter Mosen dem epd. Er betonte aber auch, dass es bereits jetzt umfassenden Arbeitsschutz gebe. "Ich glaube, dass unsere Werkstätten alles tun, um die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten." Er könne sich nicht vorstellen, dass die Katastrophe auf Versäumnissen in den Vorkehrungen beruhe.

Sprinkleranlagen gefordert

Die Deutsche Hospiz Stiftung verlangte indes, soziale Einrichtungen innerhalb der nächsten vier Jahre verpflichtend mit selbsttätigen Sprinkleranlagen auszurüsten. Was für deutsche Flughäfen gelte, müsse erst recht für Einrichtungen der Pflege- und Behindertenfürsorge gelten, sagte der Stiftungsvorstand Eugen Brysch der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstagsausgabe). Pflegebedürftige und Behinderte hätten keine Chance, sich selbst zu retten.

Der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD) hält die Forderung der Stiftung indes für verfrüht. Er sei verwundert, wie schnell nach einem Unglück Lösungen präsentiert werden, sagte er dem Radiosender HR Info. "Wir sollten uns anschauen, was ermittelt wird, und dann daraus eventuelle Lehren ziehen, wenn sie denn zu ziehen sind."

Caritas-Präsident Peter Neher sagte einen Tag nach dem Unglück, für konkrete Schlussfolgerungen sei es "wahrscheinlich noch zu früh". Dennoch seien nach solchen Katastrophe alle Einsatzpläne und Nothilfemaßnahmen zu überprüfen.

Die evangelische Diakonie betonte, alle ihre Werkstätten unterlägen den allgemeinen Brandschutzbedingungen und würden von den Brandmeistern vor Ort geprüft. Sprinkleranlagen und Brandschutztüren seien bereits Pflicht, sagte die stellvertretende Pressesprecherin des Diakonischen Werkes Württemberg, Claudia Mann. Auch sie warnte vor voreiligen Schlüssen. Die Werkstätten der Diakonie würden jetzt zunächst abwarten, welche Ergebnisse die Untersuchung ergeben.

Quelle: dpa
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