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#BrauneKarte
Rassistische Karte zeigt Flüchtlingsheime in Deutschland

Braune Karte: Google Maps zeigt Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland
Auf dieser Google Map sind unter dem Titel "Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft" alle Asylheime in Deutschland verzeichnet. FOTO: Screenshot Google
Düsseldorf. "Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft". Unter diesem Titel wurde mithilfe von Google Maps eine Karte angelegt, auf der alle Asylunterkünfte Deutschlands verzeichnet sind. Der Internetkonzern prüft die Löschung, das Netz diskutiert. Von Laura Sandgathe

Mit roten Markierungen werden auf der Karte, die Unbekannte beim Online-Kartendienst Google Maps generiert haben, alle Flüchtlingsheime und Asylunterkünfte in Deutschland angezeigt. Klickt man mit der Maus auf einen der Punkte, erscheint ein Info-Kästchen mit der genauen Adresse und Informationen dazu, ob das Asylheim in Planung ist oder bereits besteht. 

Doch der Info-Kasten bietet in einigen Fällen auch Platz für diffamierende Kommentare. So wird der als Asylheim genutzte ehemalige Gasthof in Reichertshofen  als "Asylkaschemme" bezeichnet. Unbekannte hatten auf den Hof in der Nacht zu Donnerstag einen Brandanschlag verübt, die Polizei ermittelt. 

Der als Asylunterkunft genutzte ehemalige Gasthof in Reichertshofen in Bayern, der in der Nacht zu Donnerstag angezündet wurde, wird auf der Karte als "Asylkaschemme" bezeichnet. FOTO: Screenshot Google

Die Macher der Karte rufen dazu auf, ihnen weitere Standorte zu nennen. Denn nur so könne das Ziel erreicht werden, "möglichst flächendeckend alle Asylheime zu erfassen", heißt es in einem Infokasten oben links in der Karte.

Google sieht bislang keinen Grund dazu, die Karte zu löschen. Zwar haben sie mehrere Nutzer in den vergangenen Tagen als "unangemessenen Inhalt" gemeldet. Doch ob sie entfernt werden müsse oder nicht, will Google erst noch prüfen.  Der "Süddeutschen Zeitung" sagte Pressesprecherin Lena Heuermann : "MyMaps ist eine neutrale Plattform, die man zum Veröffentlichen von geografischen Information nutzen kann. Wir werden selbstverständlich jede Karte entfernen, die gegen unsere Richtlinien verstößt und überprüfen derzeit, ob das hier der Fall ist."

Fotos: Polizei ermittelt nach Brand in Flüchtlingsheim FOTO: dpa, rh jhe

Im Netz wird die Karte unter dem Hashtag #BrauneKarte diskutiert. Viele Nutzer fordern Google auf, die Karte zu löschen und befürchten, dass sie Asyl-Gegnern bei der Planung von möglichen Anschlägen in die Hände spielen könnte.

Immer wieder ist auch der Aufruf zu lesen, die Karte als unangemessen zu markieren. Denn das, so hoffen viele Twitter-Nutzer, könnte dazu führen, dass Google die Karte am Ende doch löscht.

(lsa)
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