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120 Festnahmen in der Lausitz
Braunkohlegegner blockieren Kraftwerk Schwarze Pumpe

Braunkohlegegner blockieren Kraftwerk Schwarze Pumpe
Einige der Aktivisten blockierten auch die Gleise. FOTO: dpa, pzi
Cottbus. Umweltaktivisten haben im Süden Brandenburgs 24 Stunden lang ein Braunkohlekraftwerk blockiert. Damit bringen sie den Energieriesen Vattenfall in Bedrängnis.

Der Erfolg steht für die Braunkohlegegner in den Himmel geschrieben. Nur aus einem der beiden Kühltürme des Braunkohle-Kraftwerks Schwarze Pumpe im Süden Brandenburgs steigt am Pfingstsonntag noch Dampf auf. Der Betreiber Vattenfall hat die Leistung des von allen Seiten blockierten Kraftwerks vorsichtshalber gedrosselt.

Denn auf den Gleisen für die Kohlezüge sitzen hunderte Aktivisten, der Nachschub ist abgeschnitten. Bevor dem Kohlemeiler jedoch völlig die Puste ausgehen kann, erklären die Aktivisten des Bündnisses "Ende Gelände" am Sonntagnachmittag die Besetzung für beendet.

"Die Symbolik des totalen Abschaltens wäre auch noch schön gewesen, aber unsere politischen Ziele haben wir auch so erreicht", sagt der Aktivist Tadzio Müller der Deutschen Presse-Agentur. Man habe 24 Stunden lang das Kraftwerk isoliert und 48 Stunden lang den Tagebau und die Kohleverladestation blockiert. Das Bündnis "Ende Gelände" zählte 3500 Teilnehmer.

Die Lausitz ist zu Pfingsten einer von mehreren Schauplätzen der weltweiten Aktionsreihe "#breakfree2016", die sich gegen die Nutzung fossiler Rohstoffe wie Kohle und Öl richtet. So blockieren 10 000 Kilometer entfernt Umweltschützer zeitgleich das größte Kohlekraftwerk Brasiliens. "Diese Bewegung wird den Kohleausstieg durchsetzen", sagt eine "Ende Gelände"-Sprecherin siegessicher.

Bei der Brandenburger Landesregierung ist man weniger begeistert. Für Wirtschaftsminister Albrecht Gerber sind die Aktivisten "aus ganz Europa anreisende Rechtsbrecher". Der Minister spricht von "illegalen Aktionen in Form einer anmaßenden Form von Selbstjustiz".

Vom Erfolg wie berauscht

Vom Erfolg ihrer Aktion sind die Aktivisten wie berauscht. Sie haben mit einer heftigeren Reaktion von Vattenfall und der Polizei gerechnet - so wie bei den den gewalttätigen Auseinandersetzungen im vergangenen August im Rheinland. In der Lausitz dagegen bleibt es weitgehend friedlich - bis auf einen Zwischenfall am Samstagabend, als einige Hundert Aktivisten Teile des Zauns des Kraftwerks niederreißen.

In der Region stößt die Aktion bei vielen Menschen nicht gerade auf Gegenliebe, zu viele Existenzen hängen an der Kohle. Am Samstagabend formiert sich eine spontane Gegendemonstration mit laut Polizei bis zu 2000 Demonstranten. Umweltaktivisten geben an, aus der Demonstration heraus mit Feuerwerkskörpern beschossen und beschimpft worden zu sein. Der Polizei lägen jedoch noch keine Anzeigen dazu vor, sagte eine Sprecherin. Ein Journalist der "taz" gibt auf Twitter an, sein Fahrzeug sei von "kahlen, grölenden Männern" angegriffen worden.

Doch auch positives Feedback habe es gegeben, sagt Aktivist Müller.
In Gesprächen hätten sich einzelne Vattenfall-Mitarbeiter auch "sauer" auf den Konzern gezeigt. "So, wie Vattenfall die Grube am Samstag im Stich gelassen hat, genauso verlassen sie auch die Lausitz", sagt Müller.

(dpa)
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