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Gemeinde unterstützt Vorhaben
Flüchtlinge kommen in aktiver katholischer Kirche unter

Stimmen: NRW-Bürgermeister zur Lage in ihrer Stadt
Stimmen: NRW-Bürgermeister zur Lage in ihrer Stadt FOTO: dpa, fg nic
Bremen. Erstmals dient eine aktive katholische Kirche in Deutschland als Notunterkunft für Flüchtlinge. In Sankt Benedikt in Bremen finden etwa 40 Personen in elf mit Holzwänden abgeteilten Zimmern Platz, wie es bei einer Vorstellung der Räumlichkeiten am Donnerstag hieß. Am Donnerstagabend sollen die ersten Flüchtlinge einziehen.

Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) sprach von einem "Riesen-Angebot" der katholischen Kirche. Statt in Turnhallen oder Zelten zu nächtigen, hätten die Flüchtlinge jetzt im Winter ein festes Dach über dem Kopf.

Die Kirche wurde nicht profaniert, sie soll nach der zunächst für ein Jahr vorgesehenen Nutzung als Flüchtlingsheim wieder als Kirche fungieren. Der Altar wurde umbaut, andere sakrale Gegenstände wurden ausgeräumt. Alle Zimmer verfügen über einen Stromanschluss und Licht sowie eine verschließbare Tür. Toiletten und Duschen befinden sich in zwei Containern auf dem Hof.

Die Gemeinde habe das Vorhaben einstimmig unterstützt, sagte Pfarrer Johannes Sczyrba. Die Gottesdienste fänden in den kommenden Monaten im Gemeindesaal statt. Die Geschäftsführerin des Gemeindeverbandes Bremen, Sonja Glasmeyer, betonte, dass kein Muslim gezwungen werde, in einer Kirche zu wohnen. Es sei aber auch ein Anliegen der Gemeinde, den besonderen Charakter des Raumes zu erhalten.

Die erwarteten Flüchtlinge stammen nach den Angaben allesamt aus Syrien. Bei ihnen handle es sich überwiegend um Einzelpersonen mit Ausnahme einer Familie mit einem Kind. Sie ziehen aus einer nahe gelegenen Schulturnhalle um, in der Abtrennungen fehlen und es somit keine Privatsphäre gibt. Die Turnhalle kann laut Stahmann ab kommender Woche wieder von den Schülern genutzt werden.

Träger der Einrichtung ist die Caritas. Ein Wachdienst wird laut Angaben rund um die Uhr im Dienst sein. Das Essen erhalten die Flüchtlinge von einem auf arabisches Essen spezialisierten Caterer.
Der Umbau geschah innerhalb von zwei Wochen durch die Firma A + W aus Sögel, die laut Glasmeyer Langzeitarbeitslose und auch einige Flüchtlinge beschäftigt.

In einigen Tagen sollen auch in die Kirche Sankt Maria der Stiftung Liebenau in Meckenbeuren (Baden-Württemberg) 60 Flüchtlinge einziehen. Dies wäre bundesweit die zweite für Gottesdienste genutzte Kirche, in der Asylbewerber unterkommen. Bislang kamen dafür nur Kirchen infrage, die nicht mehr als Sakralraum genutzt werden, etwa in Eschweiler bei Aachen oder Goch am Niederrhein.

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(KNA)