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Ehrenmord-Prozess: Bruder war Leben der Schwester "egal"

zuletzt aktualisiert: 07.04.2006 - 12:02

Berlin (rpo). Der Prozess um den "Ehrenmord" an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü steht kurz vor dem Abschluss. Der Staatsanwalt hat für den jüngsten Angeklagten eine Jugendstrafe von neun Jahren und acht Monaten angeklägt. Seine älteren Brüder sollen lebenslänglich in Haft.

Für den Prozess sind elf Verhandlungstage angesetzt.  Foto: RPO
Für den Prozess sind elf Verhandlungstage angesetzt. Foto: RPO

Der Anwalt des jüngsten Angeklagten beantragte eine "harte Strafe" für seinen Mandanten. Einen konkreten Strafantrag stellte er nicht. Der Verteidiger sprach sich für eine Jugendstrafe wegen Mordes aus, die jedoch aus erzieherischen Gründen unter der Höchststrafe von zehn Jahren liegen sollte. In dem Prozess sind drei Brüder der Getöteten im Alter von 20 bis 26 Jahren wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt.

Der Staatsanwalt hatte für den 20-Jährigen eine Jugendstrafe von neun Jahren und acht Monaten beantragt. Für die mitangeklagten Brüder forderte er wegen Mittäterschaft bei dem Mord an der 23-jährigen Hatun Sürücü lebenslange Haft. Deren Verteidiger hatten dagegen auf Freisprüche aus Mangel an Beweisen plädiert.

Hatun Sürücü war am 7. Februar vorigen Jahres an einer Bushaltestelle in Berlin Tempelhof durch drei Kopfschüsse getötet worden. Der damals 18-jährige Angeklagte hatte die Tötung seiner Schwester gestanden und erklärt, die Tat allein begangen zu haben. Er gab an, den westlichen Lebensstil der geschiedenen jungen Mutter als "Kränkung der Familienehre" empfunden zu haben.

Urteil am Donnerstag

In seinem Schlusswort betonte der 20-Jährige erneut, dass er die Tat bedaure und wünschte, sie wäre nie passiert. Die mitangeklagten Brüder beteuerten vor Gericht erneut ihre Unschuld. Der 25-Jährige, der den Mord beobachtet haben soll, hob hervor, dass er die Tat nicht billige, auch wenn ihm das Leben seiner Schwester "egal" gewesen sei.

Sein ein Jahr älterer Bruder betonte, dass die Meinungen in der Familie zum Lebensstil Hatuns unterschiedlich gewesen sei. Wenn er von den Plänen seines jüngsten Bruders gewusst hätte, hätte er sein "Bestes gegeben, um das zu verhindern". Laut Anklage hatte der 26-Jährige die Waffe beschafft. Das Urteil wird nächsten Donnerstag verkündet.

Quelle: afp2

 
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