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Braunkohlentagebau im Rheinland: BUND warnt vor Erdrutschen in NRW

zuletzt aktualisiert: 19.07.2009 - 15:47

Düsseldorf/Nachterstedt (RPO). Nach dem verheerenden Erdrutsch von Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) weist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf "ähnliche Risiken" durch den Braunkohlentagebau im Rheinland hin. Die Gefahren seien sogar noch größer als in Ostdeutschland, erklärten die Naturschützer. Nachterstedt ist inzwischen zum Katastrophengebiet erklärt worden.

Nach Beendigung der drei Großtagebaue Garzweiler, Hambach und Inden entstünden gigantische Restlöcher mit noch unabsehbarem Schadenspotenzial, teilte der BUND am Sonntag in Düsseldorf mit. In direkter Nähe der bis zu 250 Meter tiefen und insgesamt mehr als 74 Quadratkilometer großen Restlöcher lebten heute Tausende Menschen.

"Wegen der enormen Dimensionen der rheinischen Braunkohlentagebaue ist die Gefahr von Erdrutschen hier sogar wesentlich größer als in Ostdeutschland", sagte der BUND-Braunkohlexperte Dirk Jansen. "Niemand kann heute guten Gewissens solch katastrophale Ereignisse mit enormem Schadenpotenzial ausschließen", fügte er hinzu.

Nach den Planungen der RWE Power AG verbleiben nach Beendigung der Großtagebaue Garzweiler, Hambach und Inden drei Restlöcher, die über Jahrzehnte hinweg künstlich geflutet werden sollen. Gegen Ende des Jahrhunderts sollen dann drei sogenannte Restseen entstehen. Auch im laufenden Betrieb können Erdrutsche nach Ansicht des Umweltverbandes nicht ausgeschlossen werden.

Nachterstedt zum Katastrophengebiet erklärt

Einen Tag nach dem verheerenden Erdrutsch haben die Behörden den Ort Nachterstedt und die Umgebung zum regionalen Katastrophengebiet erklärt. Das teilte der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), am Sonntag in Nachterstedt mit. Er hatte sich dort beim Krisenstab unter anderem auf einem Rundflug über die Lage informiert.

Nach Angaben Böhmers soll die Bundeswehr bei der Suche nach den vermissten drei Bewohnern des verschütteten Doppelhauses helfen. Bisher kann die Unglücksstelle wegen anhaltender Einsturzgefahr am mehrere hundert Meter breiten Krater nicht betreten werden. Die Chancen, die Vermissten lebend zu finden, seien denkbar gering, hieß es auf einer Pressekonferenz mit Böhmer.

Experten des Landesamts für Geologie und Bergwesen sagten, die Ursache des Erdrutsches sei noch unklar. Es gebe verschiedene Anhaltspunkte für mögliche Erklärungen, darüber wolle man aber nicht spekulieren.

Retter hoffen weiter

Die Helfer hätten die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die drei vermissten Bewohner aus den Schlammmassen im Concordia See lebend zu retten, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag am Unglücksort in Nachterstedt. Der Absturz eines Uferhangs der Gemeinde hatte Samstagfrüh ein Doppelhaus und die Hälfte eines Nachbarhauses in den gefluteten Tagebau gerissen.

Nach Behördenangaben ist die Gefahr von weiteren Erdrutschen hoch. Das Gelände ist weiträumig abgesperrt. Trotzdem hätten sich sogar Familien mit Kindern zu der Abbruchkante vorgewagt und damit in höchste Lebensgefahr begeben, sagte die Sprecherin. Zehn Häuser blieben evakuiert und seien aus Schutz vor Plünderungen versiegelt worden. Die 42 betroffenen Bewohner erlebten eine Welle der Hilfsbereitschaft von der Bevölkerung, bekämen Kleidung und Lebensmittel, hieß es.

Der nach dem verheerenden Erdrutsch in Sachsen-Anhalt gesuchte Sohn einer betroffenen Familie ist unterdessen aufgetaucht. Der junge Mann Anfang 20 habe plötzlich an der Absperrung zum Ort der Katastrophe gestanden, sagte die Bürgermeisterin von Seeland, einem Zusammenschluss der Ortschaften um den betroffenen Tagebausee. Der taubstumme Mann werde nun seelsorgerisch betreut, seine leibliche Mutter sei informiert worden.

Quelle: DDP

 
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