Eine Woche nach der Festnahme: Bundeswehr lässt mutmaßliche Piraten vor Somalia frei
zuletzt aktualisiert: 15.09.2009 - 10:22Berlin/Potsdam (RPO). Vor einer Woche hatte die Bundeswehr vier mutmaßliche Seeräuber festgenommen. Ein fünfter Mann kam ums Leben. Nun sind die Verdächtigen wieder auf freiem Fuß. Dies teilte die Bundeswehr am Dienstag mit.
Die Besatzung der Fregatte "Brandenburg" hatte die Verdächtigen vergangene Woche festgenommen, die kenianischen Behörden sollten die Strafverfolgung aufnehmen. Der Bundeswehrverband sah in dem Vorfall seine Forderung bestätigt, endlich einen Internationalen Seegerichtshof einzurichten.
Die Bundeswehr hatte darauf verwiesen, dass die Freilassung der mutmaßlichen Piraten in Absprache mit der EU erfolgt sei. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Seeräuber in Kenia tatsächlich verurteilt würden, hieß es.
Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Oberst Ulrich Kirsch, äußerte sein Unverständnis. Dieser neuerliche Rückzug trage nicht dazu bei, das Vertrauen in den Anti-Piraten-Einsatz zu stärken, sagte Kirsch der Nachrichtenagentur ddp in Berlin. Nicht einmal beim Angriff auf ein deutsches Kriegsschiff sei den Piraten "ein Zeichen gesetzt" worden. Daher werde dringend ein Internationales Gericht gebraucht, um die Seeräuber nach internationalem Recht aburteilen zu können.
Die Bundeswehr ist an der EU-Mission "Atalanta" zur Bekämpfung der Piraterie am Horn von Afrika mit bis zu 1400 Soldaten beteiligt. Deutschland ist damit der größte Truppensteller. Bei dem Einsatz vor einer Woche war ein fünfter mutmaßlicher Pirat tödlich verletzt worden. Sein Leichnam soll nun mit Unterstützung des Roten Kreuzes nach Somalia gebracht werden.
Der Parlamentarische Verteidigungs-Staatssekretär Thomas Kossendey (CDU) verteidigte indes den Einsatz. Alle Schiffe des Welternährungsprogramms seien sicher angekommen, sagte er auf dem "Handelsblatt"-Sicherheitsforum in Berlin. Alle Schiffe, die sich bei der EU-Mission "Atalanta" angemeldet und eine Schiffspassage nutzten, hätten "ohne erfolgreichen Angriff" die Strecken passiert.
Nordkoreanische Seeleute haben derweil vor Somalia einen Angriff von Piraten abgewehrt. Der Frachter trieb nach Angaben der Internationalen Seefahrtbehörde (IMB) mit Sitz in Kuala Lumpur am 5. September wegen Wartungsarbeiten am Motor antriebslos in der Nähe von Mogadischu, als sich zehn Piraten in Schnellbooten näherten. Die Mannschaft habe daraufhin sofort den Motor gestartet, das Schiff in Bewegung gesetzt und die IMB informiert.
Die Piraten hätten das nordkoreanische Schiff mit Granaten und aus Maschinengewehren beschossen, die Seeleute hätten selbst gebaute Molotow-Cocktails auf die Piraten geschleudert, erklärte IMB-Sprecher Noel Choong am Dienstag. Das Schiff sei schließlich entkommen. Ein Seemann sei verletzt und der Frachter beschädigt worden.
Damit wurden in diesem Jahr vor Somalia und im Golf von Aden 156 Überfälle auf Schiffe registriert. 32 Schiffe wurden entführt, fünf befinden sich nach Angaben von Choong mit 102 Besatzungsmitgliedern noch in der Gewalt von Piraten.
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