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  Foto: AFP, AFP
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Deutschland ist auf Pandemie vorbereitet: Bundeswehr-Offizier bei Ausbildungsreise infiziert

zuletzt aktualisiert: 12.06.2009 - 13:41

Genf (RPO). Deutschland ist auf die Schweinegrippe-Pandemie seit Jahren vorbereitet. Krankenhäusern, Ländern und Kommunen liegt ein Notfallplan vor, es gebe  ausreichende Vorräte an Medikamenten. Der Impfstoff soll demnächst produziert werden, er stünde in drei Monaten zur Verfügung.

Die Zahl der Erkrankten in Deutschland hat drastisch zugenommen: Mindestens 46 Schüler infizierten sich an einer japanischen Schule in Düsseldorf, acht Schülerinnen an der Kölner Irmgardis-Schule. Städtisches Gesundheitsamt, Schulleitung und Vertreter des Robert-Koch-Instituts kamen demnach überein, dass die Schule bis einschließlich kommenden Mittwoch geschlossen bleibt.

Am Freitag wurde bekannt, dass auch ein Lehrgangsteilnehmer der Führungsakademie der Bundeswehr erkrankt ist. Dies sei durch den ärztlichen Dienst der Bundeswehr bestätigt worden, sagte eine Sprecherin der Führungsakademie am Freitag in Hamburg auf Anfrage der Presseagentur ddp. Der 36-jährige Offizier befinde sich derzeit zu Hause in seiner niedersächsischen Heimatstadt in ärztlicher Betreuung. Bei ihm zeigt sich wie in den bisher meisten Fällen ein milder Krankheitsverlauf. Der Mann habe sich vermutlich während einer Ausbildungsreise in die USA infiziert, sagte die Sprecherin. Bei den weiteren Reiseteilnehmern wurden den Angaben zufolge bisher keine Grippesymptome festgestellt. Sie werden vom Sanitätsdienst der Bundeswehr ärztlich begleitet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Schweinegrippe am Donnerstag zur Pandemie erklärt. "Die Welt ist nun in der Frühphase der ersten Grippe-Pandemie des 21. Jahrhunderts", sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Donnerstag in Genf. "Das Virus ist nun unaufhaltsam." Dennoch erwarte die WHO nicht einen plötzlichen und dramatischen Anstieg der Anzahl schwerer und tödlicher Infektionen. Die von dem Schweinegrippevirus ausgehende Gefahr bezeichnete Chan als "moderat". Mehr zur WHO-Entscheidung lesen Sie hier.

Nationaler Pandemieplan steht

Die neue Einstufung komme nicht unerwartet, sagt Jörg Hacker, Präsident des  Robert-Koch-Institut. „Auf eine solche Situation hat sich Deutschland seit Jahren vorbereitet“ unterstreicht er. Das Institut verwies darauf, das in Deutschland jährlich 8.000 bis 11.000 Menschen an Grippe sterben. Der von Bund und Ländern getragene Nationale Pandemieplan enthält Maßnahmen, Aufgaben und Handlungsempfehlungen und erläutert die wissenschaftlichen Zusammenhänge der Pandemieplanung. Auch Empfehlungen für persönliche Hygienemaßnahmen wie Händewaschen sind Bestandteil des Plans.

Die Bundesländer haben landesspezifische Pläne, auch Kommunen und Kliniken haben Pandemiepläne. Mit dem Ausrufen der Phase 6 gibt es keinen Automatismus bei den Aktivitäten, informiert das Robert Koch-Institut. Die bereits etablierten Maßnahmen und Krisenreaktionsstrukturen werden fortgeführt, bei Bedarf intensiviert und an neue Situationen angepasst. Erkrankte können mit modernen antiviralen Medikamenten behandelt werden. Die Bundesländer haben für den Fall eines erhöhten Bedarfs entsprechende Vorräte angelegt, so das Institut. 

Laut Bundesgesundheitsministerium sind hierzulande keine neuen Maßnahmen gegen die Schweinegrippe nötig. Faktisch ändere sich in Deutschland mit der Ausrufung der höchsten WHO-Alarmstufe sechs bei der gegenwärtigen Lage nichts, erklärte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Donnerstagabend in Berlin. Die Behörden in Deutschland müssten "keine neuen Maßnahmen ergreifen". Derzeit seien in Deutschland 108 Menschen erkrankt, fügte sie hinzu. Es müsse mit weiteren Fällen gerechnet werden. Die Krankheitsverläufe in Deutschland seien bisher aber "milde".

In Deutschland haben sich Impfstoffhersteller verpflichtet, eine frühestmögliche Bereitstellung eines Impfstoffes zu gewährleisten. Die Vorarbeiten für eine Produktion eines Impfstoffs laufen. Nach Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts, des Bundesamts für Sera und Impfstoffe, würden voraussichtlich drei Monate nach Produktionsbeginn die ersten Impfstoffdosen vorliegen. Weitere Infos zur Pandemiestufe 6 finden Sie hier.

Japanische Schule: 46 Kinder krank

Die WHO rief ihre Mitglieder auf, keine Grenzen zu schließen und den Welthandel nicht zu unterbrechen. Die Behörde stehe in engem Kontakt mit den Herstellern von Grippemedikamenten. Die Entscheidung, die Alarmstufe 6 auszurufen, fiel nach einer Dringlichkeitssitzung von UN-Gesundheitsexperten in Genf. Aus den USA, Europa, Australien und Südamerika waren zuvor steigende Infektionszahlen gemeldet worden. Bis Mitte September erwartet die WHO einen Impfstoff gegen das Virus A H1 N1.

Auch in Deutschland verbreitet sich das Virus immer stärker. Allein an der Japanischen Schule in Düsseldorf sind bis Donnerstagabend 46 Kinder erkrankt, bei 350 wurden vorsorglich Proben genommen.  Auch der Vater des ersten erkrankten Schulkindes und ein Elternpaar wurden positiv getestet, teilte die Stadt mit. Insgesamt gebe es in Düsseldorf 60 Schweinegrippe-Fälle. Die Japanische Schule wurde wegen der Schweinegrippe-Infektionen bereits am Dienstag bis Ende nächster Woche geschlossen.  Weitere Informationen lesen Sie hier.

Zwei Fälle aus Solingen

Zwei weitere Schweinegrippe-Fälle in Nordrhein-Westfalen wurden aus Solingen gemeldet. Dabei handelt es sich um einen Vater und seinen Sohn. Sie waren am Dienstagabend aus Los Angeles gekommen und mit Grippesymptomen am Düsseldorfer Flughafen eingetroffen. Beide wurden sie in die Uniklinik eingewiesen. Weitere Informationen zum Solinger Fall lesen Sie hier.

Krankheit verläuft meist glimpflich

In Köln stieg die Zahl der mit Schweinegrippe infizierten Schülerinnen am Erzbischöflichen Irmgardis-Gymnasium auf acht, wie die Sprecherin der Stadt, Inge Schürmann, sagte. In Baden-Württemberg gab es zwei neue Fälle, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein jeweils einen. In München wurde eine Kindertagesstätte geschlossen, nachdem zwei Kinder positiv getestet worden waren. Am Freitag erkrankte ein weiteres Kind in Bayern. Bestätigt wurde außerdem die Schweinegrippe-Erkrankung eines Soldaten an Bord der Fregatte "Sachsen".

Die Schweinegrippe verläuft nach WHO-Angaben zumeist glimpflich. Beunruhigend war für Experten jedoch, dass unter den Todesopfern viele junge und gesunde Menschen waren – die sonst kaum einer normalen Grippe zum Opfer fallen würden. Zudem hat sich die Verbreitung des Virus' mit dem Beginn des Sommers in der nördlichen Halbkugel entgegen der bei einem normalen Grippevirus kaum verlangsamt.

Erkrankte in Hongkong und Landshut

Nach der Erkrankung von zwölf Schülern in Hongkong haben die Behörden alle Kindergärten und Grundschulen geschlossen. Wie die Kinder sich angesteckt haben, ist derzeit noch unklar. Die Einrichtungen sollen für zwei Wochen geschlossen bleiben. Wie Verwaltungschef Donald Tsang am Donnerstag mitteilte, tritt die Maßnahme am Freitag in Kraft.

Bislang wurden weltweit fast 30.000 Krankheits- und 144 Todesfälle als Folge der Schweinegrippe bestätigt. Eine Karte mit den aktuellen Schweinegrippe-Fällen finden Sie hier.

Unterdessen wurde bei vier weiteren US-Soldaten im Militärhospital Landshut die Schweinegrippeinfektion bestätigt. Zuvor waren bereits zwei Soldaten positiv getestet worden, wie ein Sprecher der US-Armee in Heidelberg mitteilte. Alle wurden mit antiviralen Medikamenten behandelt. Bisher seien in Landshut oder in den jeweiligen Stützpunkten der sechs Soldaten keine weiteren Verdachtsfälle bekannt geworden.

US-Bürgermeister verlässt China

Der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, seine Frau Seletha und ein Mitarbeiter waren am Sonntag von den chinesischen Behörden unter Quarantäne gestellt worden, nachdem ein Mitreisender, der auf dem Flug nach China in ihrer Nähe gesessen hatte, mit Verdacht auf das Schweinegrippe-Virus A (H1N1) erkrankt war. Nach mehrtägiger Quarantäne hat der Bürgermeister China wieder verlassen. Nagin sei abgereist und inzwischen in Australien eingetroffen, sagte sein Sprecher am Donnerstag. Der Bürgermeister habe durch die Quarantäne zwar mehrere Treffen in China verpasst, könne die Anordnung der chinesischen Behörden aber nachvollziehen.

Ursprungsland Mexiko

Ursprungsland der aktuellen Schweinegrippe ist Mexiko. Dort breitete sich das Virus bereits im April rasend aus. Im Laufe der vergangenen Wochen gelangte der Erreger in die unterschiedlichsten Weltregionen. Doch obwohl das Virus inzwischen in 74 Ländern aufritt, zögerte die WHO bislang, die Schweinegrippe als Pandemie einzustufen. Als sie im April die zweithöchste Alarmstufe ausgerufen hatte, handelte sie sich die Kritik von Vertretern betroffener Wirtschaftsbranchen ein, die ihr voreiligen Aktionismus vorwarfen.

Letzte Pandemie war 1968

Die letzte Pandemie, die Hongkong-Grippe von 1968, hat rund eine Million Todesopfer gefordert. An den Folgen einer normalen Grippe sterben weltweit jährlich rund 250.000 bis 500.000 Menschen. Die Schweinegrippe war Ende April zuerst in Mexiko ausgebrochen. Nach WHO-Angaben vom Donnerstag wurden bisher in 74 Staaten 28.744 Erkrankungen registriert, 144 Menschen starben an der Krankheit.

Quelle: AP

 
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