Ermordete Revoluzionärin: Charité-Mediziner bereit zur Herausgabe der Luxemburg-Leiche
zuletzt aktualisiert: 30.05.2009 - 17:37Berlin (RPO). Der Leiter der Rechtsmedizin der Berliner Charité, Michael Tsokos, will den mutmaßlichen Leichnam von Rosa Luxemburg herausgeben, wenn sich der Verdacht bestätigt. "Mir gehört der Korpus nicht", sagte Tsokos. "Ich bin sofort bereit, ihn herauszugeben, wenn rechtmäßige Ansprüche darauf bestehen."
Tsokos räumte gegenüber dem "Tagesspiegel" ein, dies sei auch für ihn ein bislang "einmaliger Fall". Die Situation der möglichen Luxemburg-Leiche nannte er "juristisch ungeklärt", gegenwärtig sei sie Objekt wissenschaftlicher Forschung. Die ältesten Funde von Leichenüberresten, mit denen er im Institut sonst zu tun habe, stammten aus dem Zweiten Weltkrieg. Darum kümmere sich die Kriegsgräberfürsorge.
Er rechne nicht mit behördlichen Anfragen, ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren zu dem Fall gebe es nicht, sagte er. Sollten die Behörden aber weitere Nachforschungen unterstützen, sei dies willkommen. Er selbst sei mit seinen Untersuchungen nicht mehr weitergekommen, weil DNA-Vergleichsmaterial fehle. "Offenbar hat Rosa Luxemburg so viele Briefe geschrieben, dass sie ihre Briefmarken immer nur mit Wasser befeuchtet und nie angeleckt hat", sagte er.
Rosa Luxemburg und der Arbeiterführer Karl Liebknecht waren am 15. Januar 1919 ermordet worden. Am Freitag hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vorab berichtet, dass sich Luxemburgs Leichnam möglicherweise seit vielen Jahrzehnten im Fundus der Rechtsmedizin an der Charité befinde. Tsokos vermute, dass es sich bei einer Wasserleiche ohne Kopf, Hände und Füße um die sterblichen Überreste der Arbeiterführerin handle. Die Tote weise "verblüffende Ähnlichkeiten mit der realen Rosa Luxemburg" auf, sagte Tsokos.
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