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In Kaufhäusern und Einkaufszentren: Chefs nehmen Klofrauen Geld weg

VON SVEN DURGUNLAR - zuletzt aktualisiert: 22.12.2008 - 13:54

Oberhausen (RP). Münzteller vor den Toiletten laden dazu ein, den Reinigungskräften in Kaufhäusern und Einkaufszentren Trinkgeld zu hinterlassen. Doch häufig sehen die Putzkräfte nichts von dem Geld – selbst das Zählen der Münzen ist einigen verboten.

Winzig ist die Videokamera im Vorraum der Toilette, die hoch oben an der Wand in einer Ecke angebracht ist, wo kein Kunde jemals hinsehen würde. Gerichtet ist die Kameralinse auf den Münzteller, den die Reinigungskraft im Oberhausener Centro vor sich stehen hat. Ob sie das Geld behalten dürfe? „Nein, die Münzen muss ich abgeben. Mehr darf ich nicht sagen.“

Jeder braucht sie einmal, die Reinigungskraft, die im Kaufhaus und im Einkaufszentrum die Toiletten sauber hält. Wer zufrieden mit der Sauberkeit ist, hinterlässt ein Trinkgeld. Ein kleines Dankeschön für einen Job, den viele als undankbar empfinden. Womit der Toilettenbesucher jedoch nicht rechnet: Das Geld dürfen die Putzkräfte oftmals nicht behalten. Die gesammelten Münzen gehen an das Kaufhaus oder an die Reinigungsfirma. Im Centro Oberhausen werden die Reinigungskräfte vor der Toilette sogar videoüberwacht – und mit ihnen auch die Kunden, die das Geld auf den Teller legen. Das Centro-Management verweist auf das beauftragte Reinigungsunternehmen, das sich auf Nachfrage unserer Zeitung dazu aber nicht äußern will.

Dass das Trinkgeld den Reinigungskräften zuweilen wieder abgenommen wird, ist auch dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks bekannt. „Der Kunde nimmt zu Recht an, dass das Geld für das Servicepersonal bestimmt ist. Ihnen sollte das Geld auch zustehen“, sagt Christine Sudhop, stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesinnungsverbandes.

8,50 Euro beträgt der Stundenlohn einer Toilettenaufsicht im Kaufhaus „Sevens“ an der Düsseldorfer Königsallee. Das gesammelte zusätzliche Trinkgeld landet nach Aussage einer Reinigungsfrau am Tagesende jedoch nicht in ihrem Geldbeutel. Sie müsse die Münzen der Toilettengäste in einem Plastikbeutel abgeben. Wie viel Geld auf diese Weise täglich zusammenkommt, könne sie nicht sagen: „Sie wollen nicht, dass ich es zähle.“ Täglich dürfe sie nur drei Stunden als Toilettenaufsicht arbeiten, dann müsse sie wieder andere Räume putzen. Die beauftragte Reinigungsfirma dementierte, dass ihre Angestellten ihr Trinkgeld vom Tellerchen vor den Toiletten nicht behalten dürfen.

Zu einem strikten Trinkgeld-Verbot für ihre Mitarbeiter bekennt sich die Reinigungsfirma Uniserve aus Wiesbaden. Die Angestellten, die in den „Düsseldorf Arkaden“ die Toiletten reinigen, hätten sich vertraglich verpflichtet, kein Trinkgeld anzunehmen, heißt es aus der Uniserve-Geschäftsführung. Vor den Toiletten in den Düsseldorf Arkaden steht auf einem Schild über dem Münzteller: „Wir empfehlen als Dankeschön einen Betrag von 50 Cent.“ Doch die Reinigungskraft sieht von dem Geld nichts: Während die Putzkraft vom Reinigungsunternehmen bezahlt wird, gibt ihr Kollege die gesammelten Münzen an die Kaufhaus-Verwaltung weiter. Sollten die Reinigungskräfte dennoch Trinkgeld von Toilettenbenutzern entgegennehmen, wäre dies ein fristloser Kündigungsgrund, so das Reinigungsunternehmen. Alle Mitarbeiter würden nach Tariflohn bezahlt, auch Feiertagszuschläge würden ausgezahlt. Trinkgeld jedoch sei tabu. „Die Reinigungskräfte behalten das Trinkgeld nicht“, bestätigt Centermanager Jochen Czub.

Bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit ermitteln die Beamten ganzjährig in der Reinigungsbranche wegen Schwarzarbeit und Beschäftigung unter Tariflohn. „Es gibt bundesweit immer wieder solche Fälle“, sagt Edgar Zimmermann, Leiter der Kontrolleinheit Schwarzarbeit bei der Zollfahndung Düsseldorf. Tatsächlich seien Reinigungsunternehmen im Visier der Zollfahnder unter anderem wegen Mindestlohn-Verstößen: Mitarbeitern werde das Trinkgeld auf das Gehalt angerechnet, letztendlich also wieder abgenommen.

Viele der Reinigungskräfte für Kaufhaus-Toiletten kommen aus dem Ausland und sprechen nur mangelhaft Deutsch. „Ausländer sind leichter für Schwarzarbeit auszunutzen, weil sie nur schwer neue Arbeit finden“, sagt Edgar Zimmermann. Denn dass die Beschäftigten sich wegen der Arbeitsbedingungen beschweren, komme sehr selten vor. „Das Leben hier ist viel besser als in Ghana, auch wenn ich sieben Tage pro Woche putzen muss“, sagt eine Reinigungsfrau. Und gibt das Trinkgeld in den kleinen Plastikbeutel.

Quelle: RP

 
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