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Millionenhaftes Schreddern von Küken
Gegenüber Tieren verhalten wir uns mitunter wie Nazis

Christian Schmidt: Gegenüber Tieren verhalten wir uns wie Nazis
FOTO: dpa, sts nic
Meinung | Berlin. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) will in spätestens zwei Jahren das massenhafte Töten männlicher Küken in Deutschland überflüssig machen. Dieser Schritt ist längst überfällig. Was gibt uns bitteschön das Recht, millionenfach Küken zu töten? Von Martin Kessler

Der Mensch betrachtet sich gern als Krone der Schöpfung. Und oft verhält er sich so, als ob er auch Herr der Schöpfung wäre. Gerade im Verhalten zu Tieren kommt das zum Ausdruck. Um gleich klarzustellen: Hier schreibt kein Vegetarier, sondern jemand, der gern Fleisch isst. Allerdings haben auch Tiere ein Recht auf artgerechtes Leben - abseits von Geflügelfarmen, Massentierhaltung und Legebatterien. Längst haben Biologen und Verhaltensforscher herausgefunden, dass Tiere sehr wohl Gefühle haben, Intelligenz besitzen und in etlichen Fällen sogar zielgerichtet handeln können. Das sind alles Fähigkeiten, die wir eigentlich dem Menschen zuschreiben. Da wir aber evolutorisch aus dem Tierreich hervorgegangen sind, dürfte klar sein, dass wir uns von Tieren weniger unterscheiden als wir gemeinhin annehmen. Das erfordert auch eine Verantwortung gegenüber Tieren.

Deutlich zeigt sich das auch beim umstrittenen Schreddern von männlichen Küken. Was gibt uns das Recht, millionenfach Küken zu töten, nur weil sie für die Verwertung in der Lebensmittelkette unnütz sind? Sie legen weder Eier noch ist ihr Fleisch zu gebrauchen. Aber ist dies Grund genug, sie gleich nach dem Schlüpfen zu vernichten? Angesichts der Tötungsmaschine kommt einem unwillkürlich in den Sinn, dass wir uns gegenüber Tieren, die zentraler Bestandteil der Schöpfung sind, mitunter wie Nazis verhalten. Damit ist nicht der Vergleich der Taten gemeint, da sind die Nazis mit der Monstrosität ihres Vernichtungswerks einzigartig. Aber die Haltung, über Leben und Tod zu bestimmen und Tiere nur nach ihrer Nützlichkeit einzuschätzen, ist verwandt. Das gleich gilt natürlich auch für Massentierhaltung und die industrielle Viehwirtschaft, die nur wenig Rücksicht auf die Befindlichkeit der Tiere nimmt.

Der Mensch darf Tiere für seine Nahrung verwenden, wenn er sie artgerecht hält, nicht quält und auf Eigenschaften Rücksicht nimmt, die sie als Lebewesen auszeichnen. Das gebieten der Respekt vor der Schöpfung und der Tierschutz. Im Recht hat das schon Eingang gefunden. Hier werden Tiere nicht mehr als Sachen, sondern als Lebewesen behandelt. In der landwirtschaftlichen Produktion wird nicht ausreichend Rücksicht genommen. Das muss sich ändern.

Im Falle des Schredderns von Küken muss gelten, dass die Bestimmung des Geschlechts schon im Ei vorgenommen wird. Hier hat Landwirtschaftsminister Christian Schmidt Recht. Wenn das im Endeffekt dazu führt, dass Eier etwas teurer werden, muss der Verbraucher das akzeptieren. Immerhin kann er dann Eier und Hühnchen-Fleisch mit ruhigem Gewissen verzehren.

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