Höchststrafe für 17-Jährigen: Christians Mörder tötete aus "Frust" und "Zufall"
zuletzt aktualisiert: 13.06.2006 - 17:14Berlin (rpo). Christian, sieben Jahre alt, musste sterben, weil der damals 16-jährige Keith M. "persönlichen Frust" fühlte. Es sei bloß ein "Zufall" gewesen, dass ihm da der Junge über den Weg lief. Das Landgericht Berlin sprach von "Heimtücke und Mordlust" und verurteilte Keith M. wurde wegen Mordes zur Höchststrafe von zehn Jahren Jugendhaft.
Am Anfang stand ein weitgehendes Geständnis des heute 17-jährigen M. Er erklärte, den ihm bekannten Christian aus "persönlichem Frust" getötet zu haben. Das Kind sei "durch Zufall" sein Opfer geworden. Das Verbrechen geschah, offenbar unter Alkohol- und Drogeneinfluss, am 27. August vergangenen Jahres im Bezirk Zehlendorf.
Christian wurde von seinem Vater nackt und mit eingeschlagenem Schädel in einem Waldstück des Wohnviertels gefunden. Der Täter hatte ihn in ein Versteck gelockt und sich nach anwaltlicher Darstellung geschlechtlich befriedigt.
Der Vater von Christian hatte die Leiche seines Sohns in der Nähe der elterlichen Wohnung gefunden. Er war auf die Suche gegangen, nachdem der Junge nicht vom Spielen nach Hause gekommen war. Die Eltern waren beim Prozessauftakt anwesend. Der Angeklagte saß zu dem Zeitpunkt bereits seit sechs Monaten in Untersuchungshaft. M. hatte in der polizeilichen Vernehmung angegeben, Christian in der Nähe des Spielplatzes mehrfach auf den Kopf geschlagen zu haben. Anschließend habe er ihn entkleidet und unter einer Plane versteckt. Die Kleidung habe er mitgenommen und weggeworfen.
M. war damals bereits polizeilich als Intensivtäter bekannt und verbüßte zum Zeitpunkt der Tat gerade eine Bewährungsstrafe. Gegen ihn lag ein Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung vor, der jedoch gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden war. Zwei Monate vor dem Mord hatte M. einen 22-jährigen Soldaten an einer Tankstelle mit Tritten und Schlägen gefährlich verletzt. Am 19. August war er Berichten zufolge auch an einer Massenschlägerei in Zehlendorf beteiligt. Acht Tage später traf er auf Christian.
Zu dem Zeitpunkt war M. noch 16 Jahre alt. Auch Mitglied einer als kriminell bekannten Bande Der Vater des Täters ist ein ehemaliger US-Soldat, der in die Staaten zurückkehrte. Die Mutter ist Deutsche. M. war außerdem Mitglied einer als kriminell bekannten Jugendbande und bereits als Intensivtäter bei der Polizei registriert. Die Ermittler waren ihm drei Tage nach der Tat über Hinweise aus der Bevölkerung auf die Spur gekommen. Überführt werden konnte der Täter schließlich über DNA-Spuren, die an der Leiche gefunden wurden. Mit dem Urteil ist auch die gefährliche Körperverletzung des Soldaten abgegolten.
Zwar erkannte das Gericht bei beiden Taten auf verminderte Schuldfähigkeit. Auf Grund der Persönlichkeit erkannte sie jedoch nach Justizangaben auf die Höchststrafe. Sie folgten damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte eine deutlich geringere Strafe gefordert.
M. war zeitweise auch an der Leistikow-Schule in Zehlendorf. Am Tag der Urteilsverkündung fiel die Hauptschule erneut durch eine Prügelei auf, die anfangs als mutmaßliche Messerstecherei die Behörden alarmiert hatte. Auf diese Schule ging auch eine Zeit lang der 16-Jährige, der bei der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs am 26. Mai mehr als 30 Menschen mit einem Messer verletzte. Die Schule soll im Sommer 2007 wegen Schülermangels geschlossen werden.
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