Seit gut einem Monat erschüttert ein Missbrauchsskandal die katholische Kirche in Deutschland. Wir nennen wichtige Stationen der Entwicklung aus den vergangenen Wochen.
Mitte Januar 2010: Der Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, informiert in Briefen rund 500 Schüler der "potenziell betroffenen" Abiturjahrgänge 1975 bis 1983 über mögliche Missbrauchsfälle. Er entschuldigt sich für "ein Wegschauen" im Lehrerkollegium und im Orden und ruft Betroffene auf, sich zu melden.
28. /29. Januar: Mertes räumt auf einer Pressekonferenz sieben bisher bekannte Missbrauchsfälle an der Jesuitenschule zwischen 1975 und 1983 ein. Als Täter werden zwei Patres genannt. Am Tag darauf übernimmt die Berliner Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren vom Landeskriminalamt.
1. Februar: Der Skandal zieht weitere Kreise. Der ranghöchste deutsche Jesuit, Pater Stefan Dartmann, erklärte bei einem Besuch in Berlin, ihm seien bislang 25 Opfer bekannt. Außer den 20 Betroffenen am Canisius-Kolleg seien es drei an der Hamburger St.-Ansgar-Schule und zwei Personen am Jesuitengymnasium in St. Blasien im Schwarzwald.
2. Februar: Der Missbrauchs-Skandal erfasst auch das Bistum Hildesheim. Dort war einer der beiden beschuldigten Ex-Jesuitenpatres von 1982 bis 2003 als Seelsorger tätig. Der damalige Bischof Josef Homeyer räumt ein, dass er "aus heutiger Sicht die Vorwürfe zu wenig ernst genommen und die Tragweite der weiteren Entwicklungen eindeutig unterschätzt" habe. Die deutschen Bischöfe kündigen an, sich auf ihrer Vollversammlung in Freiburg mit dem Missbrauchsskandal bei den Jesuiten zu beschäftigen.
4. Februar: Auch in Bonn gibt es Verdachtsfälle. Der Rektor des dortigen Aloisiuskollegs, Pater Theo Schneider, sagt, die Vorwürfe bezögen sich ausschließlich auf die Vergangenheit und nicht auf aktive Jesuiten und Mitarbeiter.
8. Februar: Papst Benedikt XVI. verurteilt sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester. "Leider haben in verschiedenen Fällen einige ihrer Mitglieder gegen diese Verpflichtung gehandelt und diese Rechte verletzt", sagt er, ohne direkt auf die Berichte aus Deutschland einzugehen.
9. Februar: Der Rektor des Aloisius-Kollegs, Pater Theo Schneider, legt wegen neuen Verdachtsfällen an seinem Gymnasium sein Amt nieder. Schneider halte seinen Rücktritt im Interesse einer lückenlosen Aufklärung für angeraten, hieß es.
12. Februar: Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky warnt davor, die katholische Kirche und ihre Schulen unter Generalverdacht zu stellen. Die Glaubwürdigkeit der vielen engagierten Priester und Pädagogen dürfe nicht wegen der Schuld Einzelner zerstört werden. Zugleich räumt er Defizite in der Aufklärung von Missbrauchsfällen ein.
15. Februar: Nach Angaben der Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue haben sich bei ihr oder beim Canisius-Kolleg inzwischen bundesweit rund 100 Opfer von sexuellem Missbrauch gemeldet.
16. Februar: Der Augsburger katholische Bischof Walter Mixa führt den Missbrauch auch auf die zunehmende Sexualisierung des öffentlichen Lebens zurück, die "abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt". Er verweist darauf, dass der Anteil der Vorkommnisse in kirchlichen Einrichtungen in einem "verschwindend geringen" Promille-Bereich liege.
17. Februar: Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode räumt Fehler der katholischen Kirche ein. Sie sei in der Vergangenheit offenbar zu leichtfertig mit den Tätern umgegangen. Nun komme es darauf an, durch verbesserte Vorbeugung und Kommunikation künftig Missbrauch zu verhindern.