Terrorverdächtiger auf Abschussliste: CIA wollte offenbar in Deutschland morden
zuletzt aktualisiert: 04.01.2010 - 18:22Berlin (RPO). Der US-Geheimdienst CIA hat offenbar nach einem Magazinbericht die Ermordung eines Terrorverdächtigen in Deutschland geplant, weil dieser zu den Unterstützern des Islamisten-Netzwerks Al Qaida gehört haben soll.
Das US-Magazin "Vanity Fair" berichtete in seiner Internet-Ausgabe, der Deutsch-Syrer Mamoun Darkazanli sei mit Hilfe der umstrittenen Sicherheitsfirma Blackwater über Wochen an seinem Wohnort Hamburg observiert worden. Dies sei im Rahmen des vom früheren US-Präsidenten George W. Bush gestarteten Programms zum Auffinden von Al Qaida-Mitgliedern geschehen. Diese sollten gefangen genommen oder getötet werden.
Ein Sprecher der Bundesregierung sagte am Montag, von dem Vorgang habe man keine Kenntnis. Nach dem Bericht wurde schließlich der Plan aufgegeben, Darkazanli zu töten. Die Observierung sei dann beendet worden. Das Magazin bezog sich bei seinem Bericht auf eine Quelle "nah am Programm" zum Aufspüren mutmaßlicher Al-Qaida-Mitglieder.
Die Grünen haben ein parlamentarisches Nachspiel angekündigt. Der Abgeordnete Hans-Christian Ströbele sagte am Montag, er werde im Parlamentarischen Kontrollgremium für die Geheimdienste einen Bericht der Bundesregierung anfordern. Es sei Aufgabe des Verfassungsschutzes, sich um die geheimdienstlichen Tätigkeiten fremder Mächte in Deutschland zu kümmern. "Es kann nicht sein, dass die nichts gewusst haben", sagte Ströbele dem "Hamburger Abendblatt" nach einem Vorabbericht.
Darkazanli war ein Bekannter der Hamburger Todespiloten, die die Anschläge vom 11. September 2001 begingen und dabei rund 3000 Menschen in den USA töteten. Der Deutsch-Syrer bestritt allerdings stets Vorwürfe, Al-Qaida unterstützt zu haben. Nach fast fünf Jahren stellte die deutsche Staatsanwaltschaft 2006 die Ermittlungen wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der Geldwäsche, die sich in erster Linie auf den Zeitraum von 1993 bis 2001 bezogen, ein.
Auch in Spanien gesucht
Zwischendurch wollte auch Spanien Darkazanli vor Gericht stellen. Der Deutsch-Syrer landete aufgrund eines von Spanien erwirkten Europäischen Haftbefehls im Oktober 2004 in einem deutschen Gefängnis. Die spanischen Behörden warfen ihm vor, als eine Schlüsselfigur der europäischen Al-Qaida die Extremisten ab 1997 in Spanien, Deutschland und Großbritannien logistisch und finanziell unterstützt zu haben.
Unter anderem soll Darkazanli am Kauf eines Schiffs für Al-Qaida-Chef Osama bin Laden beteiligt gewesen sein und es auch verwaltet haben. Darkazanli war nach Einschätzung der spanischen Ermittler der ständige Ansprechpartner und Assistent Bin Ladens in Deutschland. Weil das Bundesverfassungsgericht das Gesetz zum Europäischen Haftbefehl kippte, wurde er jedoch nicht an Spanien ausgeliefert. Darkazanli kam im Juli 2005 frei.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







