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Auftritt bei "Stern TV"
Bürgermeister von Clausnitz: "Kannte viele Gesicher nicht"

Clausnitz-Bürgermeister bei Stern TV: "Kannte viele Gesicher nicht"
Ein Ortsschild der Gemeinde. Der Bürgermeister macht sich auch Sorgen um den Ruf des Ortes. FOTO: dpa, fpt
Clausnitz/Köln. Ein pöbelnder Mob stellt sich einem Flüchtlingsbus in den Weg, bei "Stern TV" spricht der Bürgermeister der Gemeinde Clausnitz von Menschen, die nur mal gucken wollten, wer da so kommt. Ein Helfer hat die Lage ganz anders erlebt. Von Ludwig Krause

Clausnitz hat über Nacht unrühmliche Bekanntheit erlangt. Eine skandierende Menge versperrt Flüchtlingen in einem Bus den Weg. Rentner Wolfram Fischer (67) war als Dolmetscher mit an Bord. "Ich habe nie Hass, Abneigung, Hetze oder so etwas erlebt. Und dann bin ich in meinem eigenen Land und muss in solch hasserfüllte Gesichter gucken", sagte er bei "Stern TV".

Vor dem Bus habe ein dicht gedrängter Pulk von Menschen gestanden, überwiegend Männer. Fischer habe gesehen, wie Menschen sich mit der Hand über die Kehle fuhren, als wollten sie ein Messer andeuten. "Das geht mir ans Herz", sagte er.

Wie der Bürgermeister die Situation erlebt haben will

Im Einspieler der Sendung zeichnete der Bürgermeister von Clausnitz, Michael Funke, ein Bild, das damit gar nicht zusammenpasst: Nachdem der Bus vorgefahren war, seien die meisten Leute nach Hause gegangen. "Sie wollten sehen: Wer sitzt im Bus? Familien, okay. Dann sind sie wieder nach Hause gegangen."

Ob er sich irgendeinen Vorwurf mache? "Nein", sagt er. Nach Menschen, die einfach mal schauen wollen, sehen die Szenen des Abends, die durch Videos verbreitet wurden, allerdings nicht aus. Als ein Polizist grob einen Jungen packte, weil dieser den Bus nicht verlassen möchte, grölte die Menge.

Es freue ihn aber ganz besonders, dass äußerlich kein bleibender Schaden bei den Flüchtlingen entstanden sei. "Wir haben am Donnerstabend schon mit denen gespielt, hier draußen Schneeballschlacht gemacht", sagte der Bürgermeister.

"Ich bin seelisch angekratzt"

Im Studio erklärte sich Funke noch einmal. "Ich bin seelisch angekratzt. Dass ich das miterlebt habe, belastet mich sehr", sagte er. Seine Sorge gelte auch dem Ruf von Clausnitz – es sei ihm ein großes Anliegen, diesen wieder herzustellen. "Wir müssen den Ruf unserer Region wieder geraderücken."

Anders als die Polizei gehe er davon aus, dass einige aus der pöbelnden Menge nicht aus Clausnitz stammen. "Viele Gesichter, die dort vor dem Bus standen, kannte ich nicht", sagte er.

Warum griff die Polizei nicht ein?

"Die Provokation kam aus der Menschenmenge", sagte Helfer Fischer. Warum die Polizei nicht eingriff, als die Menge erst mit drei Fahrzeugen den Bus blockierte? "Ich habe dann einen Polizisten gefragt, warum sie die Meute nicht wegschicken. Er sagte: 'Das ist ihr gutes Recht'."

Hier geht es zur Sendung.

(lukra)
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