Pharmakonzern zahlt noch einmal: Contergan-Opfer erhalten weitere 50 Millionen Euro
zuletzt aktualisiert: 08.05.2008 - 16:27Allmendingen/Berlin (RPO). Die Contergan-Geschädigten erhalten mehr Geld: Der Aachener Pharmakonzern Grünenthal hat erklärt, er werde weitere 50 Millionen Euro in die Stiftung einzahlen. Es handelt sich um eine einmalige Zahlung.
Contergan-Opfer und Politiker haben die angekündigte 50-Millionen-Spende des Pharmaunternehmes Grünenthal für die Conterganstiftung nachdrücklich begrüßt. Der Bundesverband Contergangeschädigter mit Sitz in Allmendingen sprach am Donnerstag von einem "historischen Ereignis". Auch die Koalitionsfraktionen und die FDP äußerten sich in Berlin anerkennend zum Schritt der Firma, die Contergan vor gut 50 Jahren auf den Markt gebracht hatte. Grünenthal-Geschäftsführer Sebastian Wirtz zeigte sich derweil sehr erfreut, "dass das jahrzehntelange, für beide Seiten belastende Schweigen ein Ende hat".
Die Vorsitzende des Bundesverbands Contergangeschädigter, Margit Hudelmaier, erklärte in einer im Internet veröffentlichten Mitteilung, grundsätzlich sehe der Verband "den Beitrag der Firma Grünenthal als weiteren Schritt zur Verbesserung unserer Lebenssituation". Zur weiteren Umsetzung des Forderungskatalogs der Contergan-Opfer stehe der Verband mit Regierung und Parlamentariern "weiterhin in einem engen, sachlichen, konstruktiven Dialog".
Grünenthal will die 50 Millionen Euro freiwillig in mehreren Schritten in die Conterganstiftung einzahlen, um mit einem eigenen Beitrag die Situation der noch rund 2800 in Deutschland lebenden Contergan-Opfer dauerhaft zu verbessern. Mit den Geldern soll demnach einmal pro Jahr ein zusätzlicher, persönlicher Betrag an die Contergan-Geschädigten fließen. "Die Gespräche hierzu mit den Regierungsfraktionen und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind auf sehr gutem Wege", teilte das Unternehmen in Aachen mit. Die Bundesregierung hatte ihrerseits kürzlich eine Verdoppelung der Renten von bisher monatlich maximal 545 Euro auf den Weg gebracht.
Unionsfraktions-Vizechefin Ilse Falk (CDU) und die SPD-Vizefraktionsvorsitzende Christel Humme verwiesen in Berlin darauf, dass nach mehreren Gesprächen zwischen dem Bundesverband Contergangeschädigter, Grünenthal, der Regierung und den Koalitionsfraktionen eine "spürbare Verbesserung der Lebenssituation der Betroffenen" erreicht worden sei. Die von Grünenthal angebotene Millionenzahlung bedeute "nun eine weitere finanzielle Besserstellung der Contergan-Opfer". Falk und Humme kündigten an, ihre Fraktionen würden sich dafür einsetzen, dass die finanziellen Mittel den Geschädigten direkt zur Verfügung gestellt werden und die ersten Gelder möglichst bald fließen.
Auch die FDP-Familienexpertin Ina Lenke sprach mit Blick auf die Spende der Pharmafirma von einem "ermutigenden Zeichen für die Betroffenen". Es sei "ein ist wirklich gutes Zeichen", dass sich Grünenthal auf diese Weise trotz jahrzehntelanger Auseinandersetzungen mit den Contergangeschädigten zu seiner Verantwortung bekenne.
Die Grünenthal GmbH hatte in den Jahren 1957 bis 1961 das damals rezeptfreie Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan vertrieben. Dessen Wirkstoff Thalidomid führte bei bis zu 12.000 Kindern, davon allein rund 5000 in Deutschland, zu dauerhaften Schädigungen, darunter schwerwiegenden Fehlbildungen an den Gliedmaßen.
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