Mord an Neunjähriger: Corinna wurde vergewaltigt
zuletzt aktualisiert: 30.07.2009 - 16:50Leipzig (RPO). Am Mittwochnachmittag gegen 14.30 Uhr machten Feuerwehrleute einen grausigen Fund: In einem Sack, den sie aus dem Mühlgraben in Eilenburg zogen, fanden sie die Leiche der kleinen Corinna. Fast 20 Stunden hatten bis dahin die Familie der Neunjährigen und mehr als 100 Einsatzkräfte nach dem Mädchen gesucht. Vergebens.
Corinna ist einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen, wie der Leipziger Leitende Oberstaatsanwalt Hans Strobl am Donnerstag vor Journalisten sagte. Sie wurde missbraucht und wie Müll entsorgt.
Die Ermittler stehen erst ganz am Anfang. Trotz zahlreicher Zeugenaussagen und Vernehmungen gebe es noch keine heiße Spur von dem Täter, räumt Jürgen Georgie von der Polizeidirektion Westsachsen ein. Nun wird gegen Unbekannt wegen Mordes und Vergewaltigung ermittelt.
Das Gewaltverbrechen an Corinna weckt schreckliche Erinnerungen an den Fall der achtjährigen Michelle aus Leipzig, der vor fast genau einem Jahr bundesweit für Entsetzen sorgte. Das Mädchen war im August 2008 auf dem Heimweg vom Ferienhort verschwunden und drei Tage später tot in einem Wäldchen gefunden worden. Ein halbes Jahr später wurde der mutmaßliche Mörder gefasst, ein heute 19-jähriger Nachbar. Er muss sich ab 17. August unter anderem wegen Mordes und Vergewaltigung vor Gericht verantworten.
Erst im Jahr vor dem Mord an Michelle war der neunjährige Mitja aus Leipzig missbraucht und erdrosselt worden. Videobilder aus der Straßenbahn hatten ihn zuvor mit seinem späteren Mörder gezeigt. Tagelang suchte die Polizei im Februar 2007 nach dem Flüchtigen, der sich schließlich in Selbstmordabsicht vor eine Straßenbahn warf und schwer verletzt wurde. Mitjas Mörder wurde zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.
Ermittler rekonstruieren Tatablauf
Im Mordfall Corinna versuchen die Ermittler nun, den Tatablauf zu rekonstruieren. Klar ist bisher nur, dass das Mädchen mit dem braunen Haarschopf gegen 16 Uhr die Wohnung ihrer Eltern in der Eilenburger Möbiusstraße verließ, um zum Spielen zu gehen.
Als sie gegen 18 Uhr nicht wie vereinbart nach Hause kam, machte sich der Lebensgefährte der Mutter gemeinsam mit den beiden älteren Geschwistern auf die Suche. Corinnas Mutter selbst musste zur Arbeit. Gegen 19.45 Uhr alarmierte die Familie schließlich die Polizei, die mit mehr als 100 Einsatzkräften anrückte. Auch Hubschrauber mit Wärmebildkameras, Spürhunde und Schlauchboote, die die nahegelegene Mulde absuchten, wurden eingesetzt.
Corinnas Familie hoffte bis zuletzt, dass das Mädchen doch noch auftauchen würde. Am Mittwochnachmittag kam dann die traurige Gewissheit, dass das Kind tot ist. Vor der 80 Mann starken Sonderkommission "Corinna" steht nun ein Berg von Fragen. So gibt es bisher weder Hinweise auf den Täter, noch ist klar, wo sich Corinna nach dem Verlassen der Wohnung aufgehalten hat. Auch der Tatort ist noch unbekannt.
Die Ermittler suchten im Stadtgebiet des unweit von Leipzig gelegenen Eilenburg weiter nach Hinweisen im Zusammenhang mit der Tat. So blieben Kleidungsstücke des Mädchens wie hellgrüne Plastik-Schuhe und ein T-Shirt mit Blumenmuster zunächst verschwunden.
Selbst wenn die Ermittler erste Spuren gesichert haben - preisgeben wollten sie am Donnerstag auf der Pressekonferenz nichts. "Wir wollen kein Täterwissen verraten, um die Ermittlungen nicht zu gefährden", sagte Oberstaatsanwalt Strobl und fügt hinzu: "Wir wollen, dass der Täter seiner gerechten Strafe überführt wird."
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