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"Vorbereitung auf das Leben"
Tafel in Dachau gibt kein Essen mehr an Flüchtlinge aus

Fotos: #ZufluchtNRW: So leben Flüchtlinge in unserer Region
Fotos: #ZufluchtNRW: So leben Flüchtlinge in unserer Region FOTO: RPO, Laura Sandgathe
Düsseldorf. Die Tafel in Dachau soll kein Essen mehr an Flüchtlinge ausgeben. Entschieden hat das der CSU-Politiker Bernhard Seidenath. Mit dem Beschluss will er Asylbewerbern helfen, denn diese  sollen "lernen, mit ihrem Geld umzugehen".  Von Karoline Hatt

Tausende Flüchtlinge strömen derzeit nach Deutschland. Menschen, die alles zurückgelassen haben. Menschen, die zumeist völlig erschöpft und auf Hilfe angewiesen sind. Während an vielen Orten in Deutschland Freiwillige bereitwillig helfen, schränkt der Kreisvorsitzende des Roten Kreuzes Dachau die Hilfe an einer sensiblen Stelle ein. Er hat entschieden: Bei der Tafel der oberbayerischen Kreisstadt bekommen Flüchtlinge nichts zu essen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Bernhard Seidenath ist als Kreisvorsitzender des Bayerischen Roten Kreuzes für die Tafel zuständig. Die Asylbewerber bekommen Geld für Lebensmittel. Sie sollten in Deutschland lernen, wie man mit Geld umgeht. "Es geht mir um die Vorbereitung der Asylbewerber auf ein Leben auf eigenen Füßen", begründet er seine Entscheidung gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

Hintergrund: So läuft das Asylverfahren ab FOTO: dpa, ua fpt

Helfer werden für ihr Engagement beleidigt

Die Tafeln in Deutschland versorgen rund 150.000 Flüchtlinge. Doch für ihr Engagement werden Helfer neuerdings sogar beleidigt, sagt der Vorsitzende der Tafel. Einige Stimmen fordern Essen nur für Deutsche. Die Helfer für die Tafeln in Deutschland werden wegen ihres Engagements für Flüchtlinge verbal angegriffen. "Uns schlägt zunehmend Wut entgegen. Wir werden beschimpft und beleidigt dafür, dass wir uns für bedürftige Menschen einsetzen", sagte Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes der Tafeln, gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Flüchtlinge: Das sagen ehrenamtliche Helfer FOTO: RP

Flüchtlinge seien ebenso bedürftige Menschen wie auch arme Rentner oder Familien, entgegnete Brühl. Es dürfe nicht sein, dass die Armen gegeneinander ausgespielt würden. "Wir lassen uns nicht von Hasstiraden einschüchtern", kündigte der Verbandsvorsitzende an.

"Jeder Mensch hat die gleichen Rechte"

In Düsseldorf gibt die Tafel Lebensmittel auch an Flüchtlinge aus - und will es auch weiter tun. "Die Tafeln haben unterschiedliche Träger, sind entweder als Verein organisiert oder gehören zu Wohlfahrtsverbänden", verdeutlicht Andrea Schmitz von der Düsseldorfer Diakonie. "Jede Tafel kann selbst entscheiden, wen sie als bedürftig einstuft". Die Situation in den Ausgabestellen hat sich in der letzten Zeit verändert: "Natürlich kommen mittlerweile mehr Menschen zu uns, aber man darf auf keinen Fall zwischen den Menschen unterscheiden", sagt die Diakonie-Mitarbeiterin. "Alle Menschen haben ein Recht auf Hilfe und wir tun unser Bestes und ich glaube, dass uns das hier in Düsseldorf auch gelingt".

Andrea Schmitz findet es schwierig, die Situation in Dachau zu beurteilen: "Wenn man nur über die Medien hört, was passiert sein soll, ist es sehr schwer zu bewerten. Ich kenne die Situation nicht. Fest steht, dass es schwieriger geworden ist, allen Menschen, die zu uns kommen, gerecht zu werden". 

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