Rückblick auf das Winterchaos: Daisy zieht ab
zuletzt aktualisiert: 11.01.2010 - 13:29Düsseldorf (RPO). Dörfer abgeschnitten, dreieinhalb Meter hohe Schneewehen, Autos festgefahren auf den Straßen, Risse in den Deichen, Überflutungen in den Städten - Winter-Tief "Daisy" hat in Norddeutschland am Wochenende für heilloses Chaos gesorgt. Erst am Montagmittag beruhigte sich die Lage allmählich. Unser Ticker-Text dokumentiert die dramatischen Ereignisse der vergangenen Stunden.
15.00 Uhr: Entwarnung in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern: Alle Bundes- und Landstraßen sind wieder passierbar. Die Schüler müssen am Dienstag wieder zur Schule gehen.
12.52 Uhr: Auf der Ostseeinsel Fehmarn sind wieder 40 der 42 Ortschaften erreichbar. In Mecklenburg-Vorpommern bleiben Bahnstrecken und der öffentliche Personennahverkehr in den Küstenkreisen teils vollständig eingestellt.
11.56 Uhr: In Polen sind nach heftigen Schneefällen zahlreiche Züge ausgefallen. Mehrere Stromleitungen seien unter der Last von Eis und Schnee gerissen, zudem seien die Gleise tief verschneit, sagte eine Sprecherin der polnischen Eisenbahn. Die größten Probleme gebe es in Schlesien, aber auch in Warschau seien zahlreiche Züge verspätet. In Polen fielen im Laufe des Wochenendes rund 30 Zentimeter Schnee.
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11.02 Uhr: Nach dem Schneesturm an der Ostseeküste hat sich die Situation auf der Ostseeinsel Fehmarn entspannt. "Wir haben aber immer noch keine Normalität", sagte Fehmarns Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt.
10.50 Uhr: Das Sturmtief "Daisy" hat die Bauarbeiten in ganz Deutschland nahezu zum Erliegen gebracht. "Wir haben im Moment Stillstand", sagte der Sprecher des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Heiko Stiepelmann, am Montag zu Reuters. "Es kann wegen Frost und Schnee kaum gearbeitet werden."
10.00 Uhr: Einige Gemeinden auf der Ostseeinsel Fehmarn sind och immer nicht erreichbar, sagte ein Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion in Lübeck am Montagmorgen. "Man kämpft sich so langsam durch die Schneemassen." Gegenwärtig habe in dem Gebiet leider wieder leichter Schneefall eingesetzt.
9.08 Uhr: Die Lage am Frankfurter Flughafen hat sich nach einem schwierigen Wochenende weitgehend entspannt. Derzeit gebe es lediglich neun Flugausfälle und Verspätungen von einigen Minuten, sagte Flughafensprecher Jürgen Harrer.
9.07 Uhr: Das harte Winterwochenende hat allein in Nordrhein-Westfalen für fast 1500 Verkehrsunfälle gesorgt. Wie das Landesamt für zentrale polizeiliche Dienste in Duisburg mitteilte, waren es von Freitagnachmittag, 17 Uhr, bis Montagfrüh, 5 Uhr genau 1482 witterungsbedingte Unfälle. Dabei gab es zwei Tote, 25 Schwer- und 111 Leichtverletzte. Der Sachschaden wurde auf etwa 4,1 Millionen Euro geschätzt.
8.55 Uhr: Die Lage auf den Straßen im ganzen Bundesgebiet mit Ausnahme des äußersten Westens sei angespannt, sagte eine ADAC-Sprecherin am Montagmorgen im ZDF-"Morgenmagazin". Auf den Autobahnen habe es für die Uhrzeit ungewöhnlich viele Unfälle gegeben.
8.05 Uhr: Einzelne Streckenabschnitte der Küstenautobahn 20 waren im Bereich Vorpommern weiterhin blockiert und mussten noch von den meterhohen Schneeverwehungen geräumt werden. Nebenstraßen waren auch weiterhin schwer befahrbar. Die Schwerpunkte der Behinderungen lagen in den Landkreisen Nordwestmecklenburg mit der Region Boltenhagen sowie Ostvorpommern.
7.43 Uhr: Zur Lage auf der Ostseeinsel Fehmarn hieß es von den Behörden im Kreis Ostholstein, einige Dörfer seien noch von der Außenwelt abgeschnitten. Ob sie im Laufe des Tages wieder erreichbar seien, lasse sich noch nicht abschätzen.
5.34 Uhr: Wie die Deutsche Bahn mitteilt, sind in Mecklenburg-Vorpommern folgende Strecken für den Zugverkehr gesperrt: Stralsund-Greifswald-Pasewalk, Neubrandenburg-Güstrow und Karlsburg-Züssow (UBB). Betroffen von den Sperrungen sind die Züge des Regionalverkehrs und die InterCity-Linie Stralsund-Greifswald-Berlin, die weiträumig umgeleitet wird.
Montag, 0.12 Uhr: Die deutsche Wirtschaft fürchtet angesichts des anhaltend harten Winters Einbußen in Milliardenhöhe. "Die kalte Witterung kann uns den Einstieg ins Wachstumsjahr 2010 gehörig verhageln", zitierte die "Bild"-Zeitung Volker Treier, den Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).
22.30 Uhr: In Nordostdeutschland hat sich Unwetterlage am späten Sonntagabend entspannt. Man rechne damit, den Katastrophenalarm noch in der Nacht aufheben zu können, sagte ein Sprecher des Katastrophenstabes in der besonders betroffenen Region Ostvorpommern kurz nach 22.30 Uhr.
21.30 Uhr: Tief "Daisy" hält die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern weiter in Atem. "Die Lage ist weiter angespannt, Entwarnung kann nicht gegeben werden", hieß es am Sonntagabend im Landeslagezentrum. Menschenleben seien aktuell aber nicht gefährdet. Für die Nacht warnte der Deutsche Wetterdienst wieder vor Neuschneemengen von mehr als zehn Zentimetern, Böen bis 80 Kilometern pro Stunde und Schneeverwehungen.
19.30 Uhr: Die Unwetterwarnungen gelten unverändert für die gesamte deutsche Küste. Dort ist nach Angaben des Wetterdienstes meteomedia weiterhin mit Sturmböen zu rechnen. Somit bestehe weiterhin die Gefahr von Schneeverwehungen. Schnee wird für Sachsen und Thüringen sowie im südlichen Sachsen-Anhalt und das südliche Brandenburg erwartet. Für das übrige Deutschland wird vor Glättegefahr auf den Straßen gewarnt.
17.18 Uhr: Die Lage in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ist zum Teil chaotisch. Davon profitieren die Schüler in den beiden Bundesländern. Der Krisenstab in Mecklenburg-Vorpommern sagte, dass die Kinder morgen nicht zur Schule müssten. Auch in Schleswig-Holstein fällt der Unterricht in einigen Landkreisen wie beispielsweise in Plön aus. Die aktuelle Lage zum Norden Deutschlands haben wir in diesem Text zusammengefasst.
16.35 Uhr: Der Blick auf die Karte der Unwetterzentrale zeigt, dass die Mitte Deutschlands rund um den Harz am stärksten von neuen Schneefällen betroffen ist. Zwischen 30 und 60 Zentimetern Neuschnee werden erwartet - mit heftigen Verwehungen ist zu rechnen.
16.15 Uhr: Diesmal hat der Düsseldorfer Flughafen die Lage entspannt. Es fallen nur Flüge aus, die in Orte führen, wo es größere Probleme mit dem Schnee gibt. So wird auch nach der 16.15-Uhr-Maschine auch der 18-Uhr-Flieger nicht nach Heathrow abheben. Auch eine weitere Maschine nach Frankfurt muss auf dem Boden bleiben. Mehr zur Lage in Düsseldorf können Sie hier lesen.
15.39 Uhr: Besonders hart trifft der Wintereinbruch Großbritannien und Irland. Die längste Kälteperiode seit drei Jahrzehnten hat das Vereinigte Königreich fest im Griff - und die Meteorologen sagten am Sonntag weitere Niederschläge voraus. Eine Reihe von Sportveranstaltungen in Großbritannien fielen dem Schnee zum Opfer. Allein in der ersten Fußball-Liga mussten sieben Spiele abgesagt werden. In der irischen Hauptstadt Dublin konnten am Samstag vier Stunden lang keine Flugzeuge starten oder landen - betroffen waren mehr als 70 Flüge.
13.34 Uhr: Der Flughafen Genf-Cointrin ist am Sonntagvormittag für rund sechs Stunden geschlossen worden. Mehr als 70 Flüge konnten nicht planmäßig abgewickelt werden; rund 15 Flüge wurden ganz gestrichen, wie Flughafensprecher Bertrand Stämpfli sagte. Auf den Pisten des Flughafens lagen vorübergehend rund zehn Zentimeter Schnee. Letztmals herrschten auf dem Genfer Flughafen vor rund 25 Jahren ähnliche Verhältnisse. Größere Behinderungen von den Flughäfen Zürich und Basel wurden am Sonntag nicht gemeldet.
13.05 Uhr: Beim Klettern in einem Steinbruch bei Braunlage im Harz ist am Samstag ein Mann aus Braunschweig lebensgefährlich verletzt worden. Der 48-Jährige sei aus einer Höhe von etwa 20 Metern abgestürzt, teilte die Feuerwehr am Sonntag mit. Der Wurmberg-Steinbruch war den Angaben zufolge völlig vereist.
12.38 Uhr: In Schleswig-Holstein seien viele Landstraßen und Nebenstrecken unpassierbar, sagte eine Sprecherin des Lagezentrums der Landespolizei in Kiel. Autobahnen und Bundesstraßen seien aber frei. Derzeit träten die Krisenstäbe zusammen. Ein genauer Überblick fehle noch, ergänzte sie: "Jeder hat zurzeit seine Probleme."
Besonders ernst war die Lage in Ostholstein. Alle Gemeinden auf der Insel Fehmarn seien "mehr oder weniger sich selbst überlassen", teilte die Polizei in Lübeck mit. Gleiches gelte für viele Dörfer im östlichen Schleswig-Holstein. Dort behinderten zeitweise Schneewehen auch auf Bundesstraßen und Autobahnen den Verkehr. Zusätzlich erschwert wurde die Lage auf Fehmarn nach Angaben des Kieler Lagezentrums durch einen Stromausfall. Wie viele Menschen davon betroffen waren, blieb zunächst aber unklar.
Der starke Wind sorgte auch für eine kleinere Sturmflut. Nach Angaben der Lübecker Polizei trat die Ostsee in vielen Badeorten entlang der Küste sowie in der Hansestadt selbst über die Ufer. Bei Dahmeshöved zwischen Lübeck und Fehmarn drohte ein Deich zu brechen. Dort versuchten zahlreiche Menschen "das Schlimmste zu verhindern", wie die Beamten am Morgen mitteilten.
12.20 Uhr: Für den Sonntag sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) auch noch vor allem in der Mitte, im Norden und im Osten Deutschlands noch Schneefälle voraus, die bis zu 15 Zentimeter Neuschnee bringen könnten. Ebenso wurde vor starkem Sturm mit orkanartigen Böen an der Ostsee gewarnt. Erst im Laufe des Montags werde sich die Lage allmählich entspannen.
12.10 Uhr:
11.50 Uhr: Reifenhändlern beschert die Kältewelle mit Schnee und Eis ein gutes Geschäft. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk, Hans-Jürgen Drechsler, schloss im Interview der Branchenzeitung "Automobilwoche" auch Lieferengpässe nicht aus.
11.49 Uhr: In Mecklenburg-Vorpommern hat der erste Landkreis aufgrund des Schneechaos Katastrophenalarm ausgerufen. Betroffen war der Kreis Ostvorpommern, wo der Alarmzustand am Sonntagmorgen erklärt wurde, wie das Lagezentrum im Schweriner Innenministerium mitteilte.
Aus verschiedenen Landesteilen wurden im Laufe der Nacht zum Sonntag örtliche Stromausfälle gemeldet. Über den genauen Umfang und konkret betroffene Orte konnte das Landeslagezentrum zunächst keine Angaben machen. Unter der Telefonnummer 03834-522619 wurde ein Bürgertelefon eingerichtet, bei dem sich die Menschen bei Problemen melden könnten.
Das THW mahnte die Bürger eindringlich, das Auto stehen zu lassen. Auch Landstraßen seien stellenweise nicht befahrbar. Auch die Bahn mahnte, vor Reisenantritt sollten sich die Menschen unter der Nummer 08000-996633 informieren, welche Strecken frei und welche gesperrt sind.
11.06 Uhr: In Mecklenburg-Vorpommern ist nach der Schneekatastrophe am Sonntag ein Krisenstab gebildet worden. Wie es hieß, wurde der Interministerielle Führungsstab im Schweriner Innenministerium einberufen, um überörtliche Hilfe zur Bewältigung der schweren Wetterfolgen in den Landkreisen zu organisieren. Neben dem Chaos auf der Küstenautobahn 20 war auch der Zugverkehr schwer beeinträchtigt. Wegen starker Schneefälle und meterhohen Schneeverwehungen wurden in Mecklenburg-Vorpommern folgende Strecken völlig gesperrt: Sanitz (bei Rostock)-Tessin, Grimmen-Demmin, Bergen auf Rügen-Putbus, Stralsund-Greifswald-Pasewalk, Neubrandenburg-Güstrow, Stralsund-Barth, Wolgast-Züssow und Zinnowitz-Peenemünde. Die Deutsche Bahn war den Angaben zufolge mit allen verfügbaren Winterdienstkräften und schwerer Winterräumtechnik im Einsatz, um die Strecken wieder befahrbar zu machen.
10.55 Uhr: Jetzt gibt es auch eine offizielle Zahl vom Frankfurter Flughafen: Auf dem größten deutschen Flughafen wurden am Sonntag bis 10.40 Uhr insgesamt 61 Flüge gestrichen, davon 33 Landungen und 28 Starts, sagte der Verkehrsdienstleiter der Nachrichtenagentur DAPD. Darunter sind 30 Verbindungen, die bereits am Samstag vorsorglich annulliert wurden. Am Samstag waren rund 230 Flüge in Frankfurt ausgefallen.
10.46 Uhr: Vor Kälte, Eis und Schnee haben Mäuse im Deutschen Bundestag Schutz gesucht. Allerdings beauftragte die Verwaltung laut "Bild"-Zeitung einen Kammerjäger, die Nager in dem Parlamentsgebäude zu bekämpfen, in dem die Ausschüsse tagen. "In den vergangenen Tagen wurden ungefähr ein Dutzend Fallen im Paul-Löbe-Haus durch einen Vertragskammerjäger aufgestellt und es wurden auch einige Mäuse dort gefangen", sagte eine Bundestagssprecherin. Die Ursache für die Mäuseplage liege "vermutlich in der langanhaltenden Frostperiode".
10.34 Uhr: Das Bundesamt für Seeschifffahrt in Rostock hat eine Sturmflutwarnung für die deutsche Ostseeküste ausgegeben. In der Kieler Bucht kann es zu Wasserständen bis 1,3 Meter, in der Lübecker Bucht bis 1,4 Meter und um Rügen zu Wasserständen bis 1,1 Meter über dem mittleren Wasserstand kommen.
10.20 Uhr: Am Flughafen Frankfurt wurden mehrere Flüge gestrichen - unter anderem die 10-Uhr-Flüge nach London-Heathrow und Berlin. Auch der 10.35-Uhr-Flug von Düsseldorf nach Frankfurt wurde annulliert.
9.50 Uhr: Schneechaos in Mecklenburg-Vorpommern: Viele Straßen sind nach den orkanartigen Böen noch immer nicht passierbar. In mehreren Landkreisen seien die Bürgermeister angewiesen worden, ihre Gemeinden abzuriegeln und die Einwohner daran zu hindern, auf die Autobahn zu fahren, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion in Rostock.
9.34 Uhr: Am härtesten traf es die Fahrer, die auf der A20 unterwegs waren. Hunderte Menschen saßen auf der A20 nördlich der Anschlussstelle Süderholz nach Schneeverwehungen fest. Erst in den Morgenstunden gelang es den Rettungskräften, die Fahrzeuge von den Schneemassen zu befreien. Alle Details zu dem Vorfall lesen Sie hier.
4.14 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst meldet, dass uns das Winterwetter hier in Nordrhein-Westfalen in den kommenden Tagen erhalten bleibt. Dank des am Wochenende reichlich gefallenen Schnees bleiben die Temperaturen weiterhin unter dem Gefrierpunkt. Zumindest größere Schneefälle seien zurzeit aber nicht in Sicht. Nachts könnten die Temperaturen besonders am Dienstag und Mittwoch auch unter die Marke von zehn Grad Minus sinken.
1.34 Uhr: Kein Tag ist bisher vergangen, ohne dass es zu Zugausfällen und Verspätungen bei der Bahn gekommen ist. Nun entschuldigt sich die Deutsche Bahn erstmals: "Der Unmut vieler Fahrgäste lässt uns keineswegs kalt", sagte der Vorstand Personenverkehr bei der Deutschen Bahn, Ulrich Homburg, der "Bild am Sonntag". Die Kunden erwarteten "pünktliche Züge und guten Service - und das völlig zu Recht". An diesem Anspruch wolle die Bahn sich messen lassen. "Deswegen möchte ich mich bei allen entschuldigen, die in den letzten Wochen aufgrund von Störungen und Verspätungen Beeinträchtigungen ihrer Reise hatten", sagte Homburg.
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