Im maroden Atommülllager Asse nahe Wolfenbüttel in Niedersachsen ist erneut radioaktive Lauge entdeckt worden. Die Schachtanlage gerät unter anderem wegen ihrer zunehmenden Instabilität immer wieder in die Schlagzeilen. Im Folgenden geben wir einen kleinen Überblick über das Atommüllager und die mit ihm verbundenen Probleme.
Was ist die Asse?
Bei der Asse handelt es sich um ein ehemaliges, rund hundert Jahre altes Kali- und Salzbergwerk. Von einst insgesamt drei angelegten Schachtanlagen ist nur Asse II noch nicht vollständig "abgesoffen" und bis heute zugänglich. Dort wurde von 1908 bis 1964 Salz abgebaut, wobei größtenteils nicht wieder verfüllte unterirdische Abbaukammern entstanden.
Welche Abfälle lagern dort?
Von 1967 bis 1978 wurden rund 45.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle in insgesamt 125.787 Fässern in Asse II eingelagert. Ihre Strahlung geht laut Bundesumweltministerium (BMU) zu 71 Prozent auf Akw-Brennelemente zurück. 2009 wurde bekannt, dass in dem ehemaligen Bergwerk zudem auch arsenhaltige Pflanzenschutzmittel lagern.
Wer ist für das Atommülllager zuständig?
Seit Jahresbeginn obliegt dem BMU die Aufsicht über das Atommülllager. Betreiber ist das dem Ministerium unterstellte Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Dem vorherigen Betreiber, dem Münchner Helmholtz Zentrum, wurde nach Versäumnissen etwa in puncto Strahlenschutz die Verantwortung entzogen. Zugleich wurde die bis dahin offiziell als "Forschungsbergwerk" deklarierte Asse zum Atomendlager erklärt und damit dem strengeren Atomrecht unterworfen.
Die Probleme I
Die unterirdischen Abbaukammern reichen bis an den äußersten Rand der Salzschicht und sind zudem teils nur wenige Meter voneinander entfernt - beides zusammen verursacht laut BfS heute das größte Problem in der Asse. So werden die Kammern durch die natürliche Bewegung des Berges instabil; teilweise sind Zwischendecken bereits eingebrochen.
Die Probleme II
Zudem gefährden sogenannte Zutrittswässer die Stabilität: Durch das Zusammendrücken der Kammern sind Klüfte entstanden, durch die täglich zwölf Kubikmeter Wasser in die Asse eindringen. Diese Salzlösung wird aufgefangen und in das stillgelegte Bergwerk Mariaglück im Kreis Celle transportiert.
Die Probleme III
An einer anderen Stelle der Schachtanlage hat sich zudem ein sogenannter "Sumpf" aus radioaktiv kontaminierter Salzlauge gebildet. An einigen Stellen verursachten auch Unfälle während der Ein- oder bei der Umlagerung von Atommüll-Fässern im Jahr 1980 eine Kontamination. Die radioaktiv verseuchte Salzlauge bleibt unter Tage und wird gesondert überwacht.
Wie soll es weitergehen?
Die Asse soll geschlossen werden, da die Standsicherheit der Schachtanlage nur noch bis 2020 gewährleistet ist. Bis zum Jahresende will das BfS zwischen drei Schließungsoptionen entscheiden. Geprüft werden eine komplette Verfüllung der Hohlräume, die interne Umlagerung oder eine Rückholung der Atomabfälle. Die Kosten der Stilllegung schätzt das BMU auf bis zu vier Milliarden Euro.