Attraktion Religion: Das Feuer des Glaubens ist entfacht
VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 14.04.2006 - 13:49Düsseldorf/Augsburg (RP). Glauben und Religion gewinnen für die Menschen in Deutschland, besonders auch für die jüngeren unter ihnen, an Bedeutung. Nach Angaben der Leiterin des demoskopischen Instituts Allensbach, Renate Köcher, hat die zunehmende Bereitschaft, sich auf Religion und Glauben einzulassen, außerdem nicht zu unterschätzende politische Bedeutung.
Wie die Allensbach-Chefin in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt, sind religiös Gebundene unter 30 Jahren weitaus mehr als Gleichaltrige ohne religiöse Bindungen gewillt, Kinder zu haben, im weitesten Sinne Verantwortung zu übernehmen sowie die eigenen Fähigkeiten zu entfalten: „Eine Stärkung oder Schwächung der Religion verändert die Werte und das Klima einer Gesellschaft.“
Köcher bezeichnet das festgestellte neue Interesse an Kirche und Glaube „angesichts eines jahrzehntelangen Verfalls religiöser Bindungen“ als bemerkenswert. So sei die Überzeugung, dass der christliche Glauben ungebrochen aktuell sei, Anfang 2005 auf 52 Prozent gestiegen; und er habe sich bislang auf diesem Niveau gehalten.
Die für Zusammenleben und Fortbestehen einer Gesellschaft wichtigen Einstellungen zu Hilfsbereitschaft, Gemeinsinn oder Elternschaft sind bei religiös gebundenen jungen Menschen unter 30 erheblich ausgeprägter als bei Nichtreligiösen dieser Altersgruppe: So ist soziale Gerechtigkeit 69 Prozent in der Gruppe der Religiösen und 52 Prozent in der Gruppe der Nichtreligiösen wichtig. Umgekehrt verhält es sich bei der Frage der Wichtigkeit von „Spaß haben, das Leben genießen“. Hier antworten 76 Prozent der Nichtreligiösen und 67 Prozent der Religiösen mit Ja.
Religiöse sind politisch aktiver
Kinder zu haben ist 61 der religiös Gebundenen und 42 Prozent der religiös Gleichgültigen wichtig. Wenn es darum geht, Verantwortung für andere zu übernehmen, lautet das Religiös/Nichtreligiös-Verhältnis 43 zu 26. Schließlich ist eine aktive Teilnahme am politischen Leben den Religiösen ebenfalls wichtiger (14 Prozent) als den Nichtreligiösen (7).
Für Köcher ist noch nicht geklärt, ob eine nachhaltige Belebung der religiösen Kultur erwächst oder ob Kirche und Religion nur vorübergehend Konjunktur haben: „Die Frage ist, ob die Kirchen gerüstet sind, die neue Offenheit der Gesellschaft zu erkennen und aufzunehmen.“ Durch die jahrzehntelange hervorragende Finanzausstattung der Kirchen seien große, umtriebige Apparate entstanden. Die Kirchen wandelten sich zu Dienstleistern, die nur noch eingeschränkt als Glaubensgemeinschaften wahrgenommen würden.
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