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Nikolaus Schneider Panorama ddp 2010
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Nikolaus Schneider zum Karfreitag: Das Kreuz ist ein Symbol für die Liebe Gottes

VON PRÄSES NIKOLAUS SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 01.04.2010 - 16:52

Düsseldorf (RP). Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, greift in seiner Predigt zu Karfreitag die aktuelle Debatte über das Kreuz an öffentlichen Orten auf: Der Kreuzestod Jesu ist das Kennzeichen der Liebe Gottes zu den Menschen. Unter dem Kreuz sind die Menschen Gott nah.

Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hat sich bei Missbrauchsopfern der Kirche entschuldigt.  Foto: ddp
Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hat sich bei Missbrauchsopfern der Kirche entschuldigt. Foto: ddp

Gott lässt sich nicht vertreiben – auch wenn in Gerichtssälen die Kreuze abgehängt werden. Das Symbol für die Liebe Gottes zu den Menschen wird dort entfernt, wo die Menschen dieses Hoffnungszeichen vielleicht besonders nötig brauchen. Das wird viele verstören und manchen auch wütend machen. Ihnen sei zum Trost gesagt: Gott lässt sich nicht vertreiben. Nirgendwo. Auch nicht aus dem Gerichtssaal, wo Menschen – Richter und Rechtsuchende, Gerechte und Ungerechte – auf ihn, auf Gottes Gnade und Liebe vielleicht mehr als irgendwo anders angewiesen sind.

Das Kreuz erinnert an den Tod Jesu. Dieser Tod ist die Konsequenz seines Lebens im Hören auf Gottes Wort, die Folge seiner Verkündigung und das Ergebnis seines Eintretens für die Menschen. Im Leben, Leiden und Sterben Jesu ereignet sich Gottes Geschichte: Die Geschichte Gottes mit seinem Sohn Jesus, aber auch die Geschichte Gottes mit den Menschen. Gott ist unsere Welt nicht gleichgültig. Nein: Weil er diese Welt und uns liebt, deshalb hat er sich – in seinem Sohn – ganz dieser Welt ausgeliefert; deshalb hat er mit und unter uns Menschen in dieser Welt gelebt und gelitten – bis zum Tod.

Das Sterben Jesu am Kreuz wird nach biblischem Verständnis gedeutet als Opfer und als Stellvertretung für uns. Sie erinnern sich vielleicht an die Worte bei der Einsetzung des Abendmahls: "Dies ist mein Leib, der für Euch gegeben wird zur Vergebung der Sünden". Aber was heißt das? Es heißt nicht, dass ein Mensch – Jesus – geopfert werden musste, damit eine abweisende Gottheit besänftigt und umgestimmt wird. Im Gegenteil! Im Leiden und Sterben Jesu wird deutlich, dass Gott – in der Gestalt seines Sohnes Jesus – für den Menschen eintritt, und zwar selbst dort, wo Leben zerstört und verwirkt ist.

Mit dem Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi geht Gott selbst an den Ort äußerster Lebensfeindschaft, an die Stätte von Lebenszerstörung, Lieblosigkeit und Gottlosigkeit. Hier schafft er Leben neu.  Menschen, die in solche Geschehnisse der Gottesferne verstrickt werden, erfahren dadurch: Auch sie können in ihrer Lebenszerstörung, ihrer Lieblosigkeit und ihrer Selbstbezogenheit absterben. Vor allem aber: Sie können damit zugleich neu werden.

Das ereignet sich durch Stellvertretung und Vergebung. Dafür steht das Kreuz. Es ist das Symbol für die Liebe Gottes zu den Menschen. Und darin liegt der Sinn dieses Symbols für uns Christinnen und Christen. Daran erinnern wir uns in diesen Tagen, wenn wir miteinander Karfreitag und Ostern begehen. Gott hat das Leiden seines Sohnes mitgetragen – bis in den Tod. Und er hat selbst – in Jesus – die ganze menschliche Hilflosigkeit, die Einsamkeit, die Abgründe menschlichen Elends im Wortsinn: "am eigenen Leib" erfahren.

Die Freunde und Freundinnen, die ihn damals umgaben, sind bis auf wenige Frauen geflohen. Jesus, der sie mit seiner Botschaft vom unmittelbar bevorstehenden Anbruch des Gottesreiches aus all ihren Lebensbezügen herausgelockt hatte, für den sie alles aufgegeben hatten, dieser Jesus schien elend, ohnmächtig und schmachvoll gescheitert.

Und dann kommt unerwartet und unvorstellbar die Wandlung: Die Freundinnen zuerst und dann auch die Freunde begegnen Jesus. Er lebt – aber er lebt neu, ist vollständig anders. Das bringt für sie selbst die Chance, ja die überwältigende Einladung, neu zu leben, ihre Beziehung zum gestorbenen und auferstandenen Gott neu zu gestalten.

Das ist für mich das Faszinierende an dieser Geschichte: Im Leben des Menschen Jesus hat Gott sich für immer mit der Geschichte der Liebe, mit ihrer Macht und mit ihrer Ohnmacht, verbunden. Es ist wie mit einer Wippe: Gott macht sich schwer, geht zu Boden, während auf der anderen Seite der Mensch sich plötzlich "oben" wiederfindet.

Dazu ist Gott bereit. So gewaltig ist seine Liebe, so ernst meint er es mit seinem Ja zum Menschen, dass er den verlorenen Menschen rettet und sich dabei selbst nicht verschont. Das alles sagt und verheißt uns das Kreuz. Es ist ein Symbol der Befreiung durch Gott. Und vielleicht hat auch das Abhängen der Kreuze in Gerichtssälen darin ein Gutes. Wir Christenmenschen werden wieder daran erinnert, wofür das Kreuz steht: Für die Geschichte des liebenden Gottes mit dem Menschen. Für das Wissen, dass Gott sich in Jesus offenbart hat, um den Menschen aus allen Verstrickungen dieses Lebens zu befreien.

Beten und helfen wir, dass alle Menschen dieses Hoffnungswissen treu und tröstend begleitet – selbst wenn sie sich einmal im Gerichtssaal einfinden müssen und kein Kreuz an der säkular-staatlichen Wand sie an den Trost und die Hilfe des Kreuzes Jesu erinnern kann.

Quelle: RP

 
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