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Amoklauf in Winnenden
  Foto: ddp, ddp
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Drama von Winnenden: "Das Motiv hängt mit dem Internet zusammen"

zuletzt aktualisiert: 12.03.2009 - 12:43

Stuttgart (RPO). Am Tag nach dem Amoklauf an einer Realschule in Winnenden weiß man noch nicht viel über den 17-jährigen Täter. Jetzt hat die Polizei erste Erkenntnisse über die Motive des Amokläufers von Winnenden. "Das Motiv hängt mit dem Internet zusammen", sagte Polizeisprecher Klaus Hinderer am Donnerstag in Waiblingen.

Auf den Computern des 17-jährigen Exschülers der Realschule wurde nach seinen Angaben ein Kampfspiel, eine Variante der "Counterstrike"-Spiele, gefunden. Darin sei ein Teil des Motivs für den Amoklauf zu sehen.

Der Sprecher deutete an, dass sich Tim K. möglicherweise rächen wollte, weil er sich an der Schule gemobbt fühlte. Eine zwölfjährige Teilnehmerin des Trauergottesdienstes hatte am Mittwochabend der Nachrichtenagentur AP gesagt, Tim K. habe ihr vor etwa drei Wochen einen Brief gezeigt. "Er schrieb seinen Eltern, dass er leidet und nicht mehr weiter kann", sagte Fabienne B. Mitschüler hätten sich über ihn lustig gemacht, die Lehrer hätten ihn ignoriert.

Im direkten Umfeld stößt die Tat des Amokläufers bei vielen auf Unverständnis. Andere sehen ihr Bild des eigenbrötlerischen Waffennarrs dagegen bestätigt. Eva Sebele, Vorsitzende des TSV Leutenbach, beschreibt den 17-Jährigen als beliebt und sportlich begabt. "Hier ist er als netter und guter Tischtennisspieler in Erinnerung", sagte Sebele dem "Tagesspiegel". Es sei "völlig unverständlich, dass der morgens aus dem Haus geht und Leute erschießt". Tim K. war erfolgreich. 2001 stand er auf der Bezirksrangliste in der Kategorie Schüler B 2 auf Platz 1. 2004 gewann er die Bezirksmeisterschaften der Unter-14-jährigen. 

Auch an der Schule, an der Tim K. am Mittwoch acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen erschossen hatte, finden sich nur wenig Anhaltspunkte für ein Tatmotiv. Kultusminister Helmut Rau (CDU) sagte unter Berufung auf die Schulleiterin, bei Tim habe es sich um einen völlig unauffälligen Schüler gehandelt. Er habe seinen Schulabschluss gemacht und dann eine Ausbildung angefangen. "Er ist nie auffällig gewesen“, so Rau. Eine ehemalige Mitschülerin sagt hingegen unter Tränen: "Tim war schon immer sehr verschlossen. An den ist niemand rangekommen. Er hat immer nur so Ballerspiele gespielt."

Jugendliche aus der Nachbarschaft zeichnen dagegen das Bild einen kauzigen Waffennarrs. Der 19-jährige Thomas, der seinen richtigen Namen lieber nicht nennen will, hat als Kind häufiger mit Tim K. gespielt. In den vergangenen Jahren habe er dann wenig mit ihm zu tun gehabt, sagt Thomas. Tim K. sei "ziemlich eigen" geworden. Ein ganzes Arsenal von Luftdruckwaffen habe der in seinem Zimmer gelagert.

Der 17-jährige Manuel aus Winnenden und aus dem Umfeld des Täters sagt: "Freunde von mir haben mit dem Tim gepokert. Der war völlig normal, kein bisschen auffällig. Die Familie ist ziemlich wohlhabend und ansonsten völlig normal. Dass die Waffen hatten, war bekannt. Aber es ist unfassbar, dass der Tim so etwas getan hat. Ich habe es noch gar nicht richtig begriffen."

Mario H. war mit Tim in der Abschlussklasse an der Albertville-Realschule. "Er war eher ein Zurückhaltender, er hat wenig Freunde gehabt", sagt er dem Radiosender Antenne Bayern. "Er hat immer mit Geld um sich geworfen, um Freunde zu bekommen."Schon als Achtjähriger habe Tim K. Ego-Shooter- und andere Computerspiele gespielt, die erst ab 16 Jahren zugelassen seien.  Ich hatte jedesmal das Gefühl, dass er von seinen Eltern alles erlaubt bekommt."

Der 19-jährige Michael V., der mit dem Amokläufer Tischtennis spielte, fügt hinzu: "Er hatte Tausende Horrorvideos zu Hause."  Er beschreibt den Täter als unauffälligen Typ mit Brille und kleinem Bart, der in letzter Zeit deutlich Gewicht zugenommen hatte. Er sei ein verschlossener Einzelgänger gewesen. Beim gemeinsamen Anschauen von Horrorvideos habe Tim ihn immer auf die besonders brutalen Stellen aufmerksam gemacht, sagt Michael V. Er bezeichnete Tim K. zudem als Angeber, der mit Geldsummen geprahlt habe, die ihm sein Vater gegeben habe.

Das Haus der Familie in Leutenbach war von der Polizei bereits am Mittwochmorgen durchsucht. Der Bürgermeister des Ortes, Jürgen Kiesl, kennt die Familie nur "oberflächlich", beschreibt sie aber als sehr "freundlich". Der Vater besitzt als Mitglied im Schützenverein legal 16 oder 17 Schusswaffen. Die Tatwaffe, eine Neun-Millimeter-Beretta, hatte Tim K. offenbar aus dem Schlafzimmer seines Vaters entwendet, teilte Innenminister Heribert Rech (CDU) am Mittwochabend mit.

Im Zimmer des 17-Jährigen seien mehrere Softair-Waffen gefunden worden, sagte Polizeisprecher Nikolaus Brenner am Donnerstag. In der Schule sind nach dem Amoklauf 60 leere Hülsen gefunden worden. Insgesamt sei eine dreistellige Zahl von Munition im Spiel gewesen. Für die Ermittler ein Hinweis, dass Tim K. möglicherweise noch viel mehr Menschen töten wollte.  

Im Haus der Eltern seien mehrere Computer beschlagnahmt worden, sagte Brenner. Gefunden habe man meherere gewaltverherrlichende Computer-Spiele, in denen geschossen werde. Es sei bislang kein Abschiedsbrief gefunden worden und auch keine Nachricht des Täters. Nähere Hinweise zum Motiv wolle man auf einer für 12.00 Uhr angesetzten Pressekonferenz veröffentlichen.

Alle Berichte über den Amoklauf in Winnenden im Special


 
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