Schifffahrt in Köln und Koblenz eingestellt: Das Rhein-Hochwasser steigt weiter
VON N. BERTHOLD, R. MOYA UND P. STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 10.01.2011 - 06:59Düsseldorf (RPO). Das Rhein-Hochwasser bei Koblenz ist auch in der Nacht zum Montag weiter angestiegen. Gegen 3.00 Uhr lag der Pegel bei 7,38 Meter, wie ein Sprecher des Hochwassermeldezentrums in Mainz sagte. Das Deutsche Eck, die Mündung der Mosel in den Rhein, war überflutet. Auch in NRW und anderen Bundesländern stiegen die Pegel.
Der Scheitelpunkt des Hochwassers mit einer Höhe von rund 7,70 Metern werde am Montagnachmittag zwischen 14.00 und 16.00 Uhr erwartet. Den Schätzungen der Behörden zufolge standen zwischen Trier und Koblenz 30 Gemeinden unter Wasser. Die Schifffahrt in Koblenz wurde eingestellt. An der Mosel wurde bereits am nachmittag Entspannung gemeldet, die Pegel fielen und die Aufräumarbeiten haben begonnen.
In anderen Bundesländern gingen die Wasserstände der Flüsse durch Tauwetter und Regen ebenfalls weiter nach oben. Betroffen waren unter anderem Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Bayern.
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In Nordrhein-Westfalen wird der Höhepunkt der Flutwelle zu Wochenbeginn erwartet. Aufgrund der nachlassenden Regenfälle stieg der Wasserstand allerdings nicht mehr so rasch wie an den Vortagen. Der Rhein-Pegel bei Köln erreichte am Sonntagnachmittag die Schwelle von 8,30 Meter, ab der die Schifffahrt aus Sicherheitsgründen eingestellt werden muss. An der Ruhr mussten Straßen gesperrt werden.
Scheitel am Montagmittag erwartet
Koblenz erwartet das größte Hochwasser seit zehn Jahren. Die Anwohner erwarten den Scheitelpunkt der Flut für Montagmittag bei 7,70 Metern. Etwa 5000 Bewohner wären dann nach Schätzungen der Feuerwehr vom Hochwasser betroffen. In der Nacht zu Montag kletterte der Pegel auf 7,38 Meter. Nach Angaben der Feuerwehr waren in den betroffenen Stadtteilen Stege aufgebaut, bereits am Sonntag überflutete das Wasser erste Straßen und Keller. Im Koblenzer Stadtteil Neuendorf steht das Wasser etwa 60 Zentimeter hoch.
Am berühmten Deutschen Eck, dem Zusammenfluss von Rhein und Mosel, schwappte das Wasser über die Ufer. Die Lage sei dennoch entspannt, sagte ein Polizeisprecher. Wegen Überflutungen sind auch weite Teile der Bundesstraße 42 zwischen Koblenz und Bonn gesperrt. Nach Angaben der Feuerwehr ist das Gelände der Bundesgartenschau (BUGA ), die im April eröffnen soll, nicht gefährdet, da dieses mit rund 3000 Sandsäcken gesichert worden sei. "Wir haben vorsorglich damit begonnen, vier Ausstellungspavillons zurückzubauen", berichtet eine Buga-Sprecherin.
Situation an der Mosel kritisch
Im weiteren Verlauf der Mosel standen zwischen Trier und Koblenz offiziellen Schätzungen zufolge etwa 30 Gemeinden unter Wasser. Dort entspannte sich am Abend die Lage, die Wasserstände sinken, wenn auch nur leicht. Das Wasser falle kontinuierlich entlang des Flusses. In Trier werde in der Nacht vermutlich die Acht-Meter-Marke wieder unterschritten, teilte das Hochwasserlagezentrum mit. Grundsätzlich sei das Mosel-Hochwasser nichts Besonderes, unterstrich ein Sprecher: "Von einer Jahrhundertflut kann keine Rede sein", sagte er der Nachrichtenagentur dapd.
In den besonders stark betroffenen Städten Zell und Cochem begannen am Sonntagnachmittag die Aufräumarbeiten. In Zell hatte die Mosel bereits am Samstag die Höhe von 8,70 Metern überschritten. Das Wasser lief über den aufgebauten Hochwasserschutz. Seit Samstagmorgen lief die Altstadt voll. Bilder zeigen Anwohner, die in den Gassen bis zum Unterleib im Wasser stehen. Bis jetzt sind schon 60 Prozent der Altstadt überflutet, meldet das Mainzer Innenministerium. Das Wasser steht dort 1,50 Meter hoch. Zahlreiche Uferstraßen entlang des Flusses wurden nach Polizeiangaben gesperrt, die Schifffahrt eingestellt.
In Cochem an der Mittelmosel wurden am Sonntagmittag 7,88 Meter erreicht. Um 21 Uhr zeigte der Wasserstand mit 7,83 Metern wieder fallende Tendenz. Am Morgen wird sich die Lage den Schätzungen zufolge wieder entspannt haben. Die am Moselufer gelegene Bundesstraße 49 ist seit Samstag bereits überflutet. An einer Tankstelle wurden vorsorglich die Zapfsäulen abmontiert und die Tanks versiegelt. In einer Bank wurde sogar der Geldautomat abmontiert. Um den Bürger in Ufernähe ein Vorwärtskommen zu sichern, baute die Feuerwehr Stege auf.
Die Lage am Rhein
Die Pegel am Rhein steigen langsam, aber unaufhaltsam. Köln und Düsseldorf erwarten in der Nacht zu Dienstag Wasserstände von bis zu neun Metern. Alle Maßnahmen- und Alarmpläne sind vorbereitet. Hubtore sind bereits geschlossen worden, um die Wohngebiete am Rhein zu schützen. Hinzu kommen Notfall-Absperrungen, der Bau von Stegen sowie der Aufbau mobiler Wände.
In Köln lag der Pegel am Sonntagabend bei über 8,57 Metern. Damit hat der Rheinpegel die Hochwassermarke zwei von 8,30 Metern deutlich überschritten. Die Schifffahrt wurde am Nachmittag von der Wasserschutzpolizei aus Sicherheitsgründen eingestellt, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei unserer Redaktion. In Rodenkirchen werden Schutzwände aufgebaut. Fuß- und Radwege am Ufer stehen bereits unter Wasser.
Nach Angaben der Stadtentwässerungsbetriebe Köln steigt der Rhein am Kölner Pegel weiter zwischen vier und sechs Zentimeter pro Stunde. Bis Montag könnte der Pegel sogar die Neun-Meter-Marke erreichen. Der Höchststand wird am Dienstag erwartet. Kritisch wird die Lage ab 10,70 Meter. Bei einem solchen Wasserstand werden Teile von Köln-Porz überflutet. Der Anstieg des Wassers hat sich demnach deutlich verlangsamt. Noch am Samstag stieg die Wassermarke um bis zu 20 Zentimeter pro Stunde.
In Leverkusen begannen die Behörden bereits am Samstag damit, die Hochwasserschutztore zu schließen. Die Wiesenstraße entlang des Rheins ist gesperrt. Erstmals kommt dort die neue Hochwasserschutzwand zum Einsatz. Sie bietet Schutz bis zu einer Höhe von 9,80 Meter. Auf die Mauer können aber noch zusätzliche Elemente aufgesetzt werden, die einen Hochwasserschutz bis 11,30 Meter möglich machen.
Wupper überflutet Gleise
Die über die Ufer getretene Wupper behinderte am Sonntag massiv den Zugverkehr in Wuppertal. Gleise seien vom Hochwasser überflutet worden, sagte ein Bahnsprecher am Sonntag in Düsseldorf. Deshalb musste seit etwa 8.30 Uhr auf unabsehbare Zeit der Fernverkehr über das Ruhrgebiet umgeleitet werden. Auch im Nahverkehr kam es zu massiven Einschränkungen. Innerhalb der Stadt fährt aber noch die Schwebebahn. Am Abend vermeldete die Einsatzkräfte indes wieder sinkende Pegel.
Sperrungen in Düsseldorf
Die Landeshauptstadt rechnet mit einem weiteren Anstieg des Wasserstands in den kommenden Tagen. Am Sonntagnachmittag lag der Wasserstand bei 7,62 Meter. Für den Abend rechnen die Behörden mit bis zu 7,90 Metern, die höchsten Werte erreicht der Wasserstand den Schätzungen nach am Dienstag. Bereits seit Samstag ist der Ortsweg in Urdenbach wegen Hochwassers abgeriegelt.
Experten schließen nicht aus, dass in Düsseldorf ein Pegel von bis zu 9,50 Metern erreicht werden könnte. Als wahrscheinlich gilt am Dienstag ein Höchststand von 8,70 Metern. Kristian Lütz vom Düsseldorfer Stadtentwässerungsbetrieb, wo der Hochwasserschutz angesiedelt ist, sagt, dass die technischen Einrichtungen in den vergangenen Tagen erneut überprüft wurden. Betroffen sind vor allem die Dammbalkenverschlüsse, die an tief gelegenen Durchlässen ab bestimmten Wasserständen eingebaut werden können. Diese gibt es etwa in Hamm, in der Altstadt und auch in Kaiserswerth.
Krefeld schließt das Rheintor
In Krefeld ist man ebenfalls vorbereitet. Bereits am Mittwoch wurde das Rheintor in Uerdingen geschlossen. Bei einem Deichbegehung am Donnerstag sagten Oberbürgermeister Gregor Kathstede und Baudezernent Thomas Visser, dass die 800 Meter Deich in Uerdingen sicher seien. "Trotzdem sind wir natürlich in Sorge", so OB Kathstede. Am Donnerstag wurden zudem letzte Reparaturen des Deiches vorgenommen. Vor allem Kaninchenlöcher wurden von der Stadt verschlossen. "Der Deich ist 13,30 Meter hoch und hat bisher jedem Hochwasser standgehalten", betonte Visser.
Niederrhein in Bereitschaft
Am Duisburger Hafen lag der Pegel am Sonntagmittag bei knapp neun Metern. Bei Wesel und Rees ist der Rheinpegel innerhalb von 24 Stunden um mehr als zwei Meter angestiegen und lag am Sonntagmittag in Wesel bei über 8,20 Metern. Bei 8,01 Meter am Weseler Pegel wird bei Flachglas das Schutztor 2 geschlossen. Die städtischen Betrieb ASG beobachten die Lage. Sand und Säcke liegen bereit. Der Notfallplan ebenfalls: 8,25 Meter: Eyländer Weg in Werrich/Perrich sperren. 9,30: Zufahrt Grav-Insel. 9,90: Retentionsfläche an der Schillwiese beobachten. 10,75: Hafenstraße sperren. 11,65 Meter: Deichtor an der Delogstraße schließen.
In Emmerich betrug der Wasserstand am Sonntagmittag 6,16 Meter. Die Schleusentore in den Deichen im Polder Lohrwardt, an der Haffen'schen Landwehr und an der Löwenberger Landwehr wurden geschlossen. Der Schöpfwerksbetrieb beginnt ohnehin bei einem Emmericher Pegel von 4,30.
Ruhr über die Ufer getreten
An der Ruhr war bereits am Freitag die Hochwassermeldegrenze von 4,04 Meter überschritten worden. Am Sonntagnachmittag stiegen die Pegelstände in Mülheim (4,85 Meter), Hattingen (5,74 Meter) und Wetter (5,90 Meter) weiter - allerdings nicht so stark wie an den Vortagen. Radwege und Straßen entlang des Flusses wurden vielerorts überflutet. Die Feuerwehr in Essen zog in der Nacht zum Sonntag ein geparktes Auto aus dem Wasser, das bis zu den Fenstern versunken war.
Der Ruhrverband bezeichnete die Lage als "ausgeprägte Hochwassersituation". Die Hochwassermeldegrenzen seien flächendeckend überschritten und zeigten noch steigende Tendenzen. Trotz angekündigter Wetterberuhigung sei weiterhin "mit Abflüssen auf hohem Niveau zu rechnen". Um die Flüsse zu entlasten, hatte der Ruhrverband angekündigt, die Talsperren weiterhin Wassermassen aufstauen zu lassen.
In Essen mussten mehrere Straßen gesperrt werden. Wie die Polizei mitteilte, war eine wichtige Straße vom Stadtteil Steele nach Überruhr überschwemmt worden. Die Feuerwehr zog in der Nacht einen Wagen aus dem Wasser, der bis zu den Fenstern versunken war. Menschen wurden nicht verletzt.
Zwei Tote durch Hochwasser
Ein Kajakfahrer kam bei Hochwasser in Baden-Württemberg ums Leben. Wie die Pforzheimer Polizei am Sonntag mitteilte, fiel der 50 Jahre alte Mann am Samstag gegen Mittag bei einem Ausflug aus bislang ungeklärter Ursache aus seinem Boot in den Fluss Enz. Wegen des Hochwassers sei es ihm nicht mehr gelungen, zurück zu seinem Einer-Kajak zu kommen. Der Mann konnte zwar geborgen werden, starb jedoch trotz Reanimationsversuchen noch am Ufer.
Ein 57 Jahre alter Mann wurde am Samstag in Nordrhein-Westfalen tot in einem reißendem Bach gefunden. Wie die Polizei mitteilte, war der Mann in Kreuzau (Kreis Düren) von einem Gaststättenbesuch am Freitagabend nicht nach Hause zurückgekehrt. Nachdem die Angehörigen den 57-Jährigen als vermisst gemeldet hatten, wurde der Mann bei einer Suchaktion in einem durch den Ort fließenden Bachlauf tot aufgefunden. Die Todesursache ist unklar.
Der Bach führt nach Polizeiangaben derzeit hochwasserbedingt deutlich mehr Wasser als üblich. Am Rand des Bachs liegen Steine. Möglicherweise ist der Mann im alkoholisierten Zustand dort ausgerutscht und in den den Bach gefallen.
Niedersachsen: Krisenstab tagt
Die Hochwasserlage im niedersächsischen Hann-Münden verschärfte sich am Sonntagabend weiter. Nach Angaben des Krisenstabes hatte die Weser um 17.30 Uhr einen Pegelstand von 6,16 Meter. Für Mitternacht werde ein Wert von mindestens 6,20 Meter erwartet, sagte ein Sprecher. Ihren Höchststand der vergangenen Jahrzehnte hatte der Fluss bei einem Hochwasser im Jahr 1995 mit 6,32 Meter erreicht. Es war zunächst unklar, ob dieser Wert am Montag wieder erreicht wird.
Dem Krisenstab zufolge ist die Lage aber schon jetzt "sehr kritisch". Etliche Straßen im Stadtgebiet seien überflutet oder gesperrt worden. Ein Campingplatz stehe unter Wasser. Auch die Bundesstraße 80 und die Bundesstraße 496 sowie viele Radwege wurden gesperrt.
Auf dem Rathausplatz wurde am Nachmittag eine Ausgabestelle für Sandsäcke eingerichtet. Grund für die zugespitzte Situation ist zufließendes Schmelzwasser in den Oberläufen von Werra und Fulda. Beide Flüsse vereinigen sich in Hann. Münden zur Weser. Hann. Münden im Kreis Göttingen ist die südlichste Stadt Niedersachsens.
Alarm auch in Sachsen-Anhalt
Die Hochwassersituation in Sachsen-Anhalt verschärfte sich am Sonntag weiter. An der Weißen Elster am Pegel Oberthau gilt seit Sonntagmorgen die Alarmstufe 4. Auch an der Saale nahe Camburg-Stöben wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen. Die Lage sei "stellenweise angespannt", erklärten die Behörden. Dort und an vielen weiteren Flüssen sei die Tendenz bis Montag weiter steigend.
Hessen: Lahn-Pegel steigt auf fünf Meter
Die Hochwassersituation in Hessen ist weiter angespannt. Nach den Niederschlägen in der Nacht zum Sonntag stiegen die Pegel an der oberen Lahn und der Dill wieder. Auch Seen und kleinere Bäche sind über ihre Ufer getreten. Nach den ersten Überflutungen am Freitag hatte sich die Situation am Samstag zunächst etwas beruhigt.
Sachsen: Alarmstufe 3
Frühlingshafte Temperaturen haben in ganz Sachsen Flüsse teilweise kräftig anschwellen lassen. Betroffen sind unter anderem die Spree und das Spreegebiet. An der Schwarzen Schöps am Pegel Krobnitz gilt weiterhin die zweithöchste Alarmstufe 3. An zahlreichen weiteren Flüssen gilt Alarmstufe 2. Betroffen ist unter anderem Weiße Elster. Experten zufolge ist die Situation insgesamt aber nicht kritisch und nicht mit dem Hochwasser vom August oder gar dem Jahrhunderthochwasser von 2002 vergleichbar.
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