Festnahmen in Düsseldorf: Das Terror-Trio hatte mehrere Helfer
zuletzt aktualisiert: 30.04.2011 - 13:36Berlin (RPO). Die Anschlägspläne der drei Terrorverdächtigen aus Düsseldorf und Bochum waren nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden weit gediehen. Sie bereiteten demnach ein Attentat mit einer Splitterbombe vor. Die Verhafteten sollen Teil eines größeren Netzwerks gewesen sein. Der Auftrag kam offenbar von einem hochrangigen Al-Qaida-Mitglied.
Die drei am Freitag festgenommen mutmaßlichen Terroristen sind laut Bundesanwaltschaft von einem hochrangigen Al-Qaida-Mitglied beauftragt worden, in Deutschland Anschläge zu begehen. Die drei Männer seien dringend verdächtig, als Al-Qaida-Mitglieder im Auftrag der Terrorgruppe einen Anschlag in Deutschland geplant zu haben. Ein konkretes Anschlagziel habe es jedoch noch nicht gegeben, sagte Bundesanwalt Rainer Griesbaum. Die drei seien beim Bau eines Sprengsatzes "noch in der Experimentierphase" gewesen.
Der Anschlag Zudem wurde bei der Pressekonferenz bekannt, dass das Trio geplant haben soll, einen Sprengsatz mit Metallsplittern zur Explosion zu bringen. Die Bombe sollte in einer Menschenmenge hochgehen, wie in Telefonaten abgehört wurde. Die Beschuldigten sollen seit Dezember 2010 ein Attentat womöglich im Raum Düsseldorf vorbereitet haben und suchten nach Wegen, Chemikalien für den Bombenbau zu beschaffen. Zuletzt versuchten sie laut Griesbaum in einer Wohnung in Düsseldorf, aus Grillanzündern Hexamin zu gewinnen. Sie planten, Wasserstoffperoxid und Zitronensäure mit Hexamin zu mischen, um so einen "Zünder für eine Bombe" zu erhalten.
Bereits am Freitag war aus Ermittlerkreisen bekannt geworden, dass die Verdächtigen vermutlich einen Anschlag auf das Nahverkehrssystem einer deutschen Großstadt verüben wollten. Innenminister Hans-Peter Friedrich sprach davon, dass durch die Festnahme eine konkrete Terrorgefahr habe gebannt werden können. Medienberichten zufolge wurden größere Mengen Sprengstoff sichergestellt.
Der Auftrag Der Auftrag an die "Düsseldorfer Zelle" für den Anschlag soll im Jahr 2010 erfolgt sein. Quelle: ein hochrangiges Al-Qaida-Mitglied. Die Männer seien Teil eines größeren Netzwerks, sagte der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, am Samstag in Karlsruhe. "Wir gehen derzeit davon aus, das mindestens sieben bis acht Personen zu diesem Netzwerk gehören."
Die Verdächtigen Bei den drei Festgenommenen handelt es sich nach Angaben von Bundesanwalt Rainer Griesbaum um den hauptverdächtigen 29-jährigen Marokkaner Abdeladim El-K., den 31-jährigen Deutsch-Marokkaner Jamil S. sowie den 19-jährigen Deutsch-Iraner Amid C. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Laut Griesbaum gewann El-K. die beiden weiteren Verdächtigen für seine Pläne. Jamil S. sollte für die notwendigen finanziellen Mittel sorgen, Amid C. sollte die von der El-Kaida-Führung geforderte konspirative Kommunikation zwischen den Beschuldigten sicherstellen.
Der mutmaßliche Anführer Gegen den mutmaßlichen Anführer des Trios, den 29 Jahre alten marokkanischen Staatsbürger Abdeladim El-K., erließ der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) am Samstagvormittag Haftbefehl. Der 29-Jährige wird beschuldigt, als Mitglied der ausländischen terroristischen Vereinigung Al Qaida einen Terroranschlag in Deutschland geplant zu haben. Abedeladim El-K. soll eine Ausbildung in einem islamistischen Terrorcamp durchlaufen und sich illegal in Deutschland aufgehalten haben. Über die Haftbefehle gegen die beiden anderen Terrorverdächtigen wird der BGH-Ermittlungsrichter erst im Laufe des Samstags entscheiden, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte.
Die entscheidenden Hinweise Die Verdächtigen waren die sechs Monate lang rund um die Uhr observiert worden. Laut Ziercke wurden die deutschen Behörden durch US-Geheimdienste auf den Hauptbeschuldigten aufmerksam gemacht. El-K. war demnach in einem Ausbildungslager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet und soll dort den Auftrag erhalten haben, in Deutschland eine Zelle zu gründen und Attentate zu begehen.
Den ersten Hinweis auf die drei mutmaßlichen Al-Kaida-Mitglieder habe der marokkanische Geheimdienst geliefert, berichtete das Magazin "Focus". Nach der Ausbildung in einem Lager im afghanischen Grenzgebiet habe sich der Chef der Zelle zunächst nach Marokko abgesetzt, wo er den Behörden aufgefallen und überwacht worden sei. Als er im März nach Deutschland gereist sei, habe Marokko die deutschen Sicherheitsbehörden informiert.
Die Ermittler vermuten dem Magazin zufolge, dass der Hautverdächtige am Hindukusch den Al-Qaida-Planer Junis al-Mauretani getroffen habe, der ihn für Anschläge in Deutschland instruiert habe. Nach dem Anschlag von Marrakesch habe sich der marokkanische Geheimdienst erneut gemeldet und auf eine mögliche Verbindung zu den Drahtziehern des Attentats hingewiesen. Bei der Festnahme habe der Chef der Zelle heftigen Widerstand geleistet. Mit einem Messer sei er auf einen Beamten der Eliteeinheit GSG 9 losgegangen, sei aber rasch überwältigt worden.
Der Zugriff Das BKA hatte die Verdächtigen seit sechs Monaten observiert und nun zugegriffen. Das BKA habe wegen der sich zuspitzenden Gefährdungslage nun zugeschlagen, "bevor was aus dem Ruder läuft", sagte Ziercke. Auslöser war der Bombenanschlag am Donnerstag in Marrakesch, bei dem mindestens 15 Menschen getötet wurden, wie unsere Redaktion berichtete.
Das Bundesinnenministerium wies derweil einen Zeitungsbericht zurück, wonach Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland aus Kostengründen und nicht wegen einer schwindenden Terrorgefanr zurückgefahren worden seien. "Die Behauptung, jüngste Sicherheitsmaßnahmen seien lediglich aus Kostengründen reduziert worden, ist falsch", erklärte das Ministerium am Samstag. Die "Mitteldeutsche Zeitung" (Samstagsausgabe) hatte berichtet, die Maßnahmen seien "sehr personal- und kostenintensiv" gewesen. Die Bewachung sei auf Dauer einfach zu teuer, zitierte die Zeitung aus Koalitionskreisen.
Von Mitte November 2011 bis Februar 2011 war die Zahl der uniformierten Sicherheitskräfte im öffentlichen Raum erhöht worden. Das Ministerium betonte, dass unabhängig von sichtbaren Maßnahmen "mit Hochdruck" allen konkreten Ermittlungsansätzen für eine terroristische Bedrohung nachgegangen werde.
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