Auf eigenen Beinen: Davu ist unser Patenkind
VON BÄRBEL KLEINELSEN - zuletzt aktualisiert: 15.03.2006 - 13:10Krefeld (RP). Seit einer Woche steht der Nashorn-Nachwuchs im Krefelder Zoo nun auf eigenen Beinen. Jeden Tag legt er ein Kilo zu. Wie es weitergeht mit dem Baby-Bullen, erfahren die Leser unserer Zeitung vor allen anderen.
Ein Druck auf den grünen Knopf. Die schweren Stahltore gleiten zur Seite. Sie müssen für einen Dinosaurier gemacht sein. Tatsächlich aber schaut ein kleiner, grauer Kerl mit Riesenohren neugierig um die Ecke. Es ist Davu, das Spitzmaulnashörnchen aus dem Krefelder Zoo. Passend zum Karneval hat das Kerlchen - ein wahrer Rheinländer eben - eine rote Nase. Die wird es auch Aschermittwoch behalten. Denn da, wo mal ein Horn sein soll, ist jetzt noch ein dicker rosa Fleck.
Wie das Horn wächst und mit ihm das Nashorn-Baby, erfahren unsere Leser vor allen anderen. Denn unsere Zeitung hat eine Patenschaft für Davu übernommen. An dieser Stelle informieren wir regelmäßig über die Fortschritte des Tierkindes, das heute schon 40 Kilo wiegt. Zudem sind viele Aktionen geplant, darunter Besuche bei Davu, bei denen unsere Leser exklusive Einblicke in und Informationen über Leben, Hege und Pflege des Nashörnchens erhalten - und natürlich auch Davus Mutter Nane kennenlernen.
Die Rhino-Dame beeindruckt mächtig. Eine Tonne bringt sie auf die Waage. Der im Vergleich zum Körper recht kleine Kopf ist immer noch so groß wie der ganze Davu. Kaum zu glauben, dass dieser mütterliche Koloss auf bis zu 50 Stundenkilometer beschleunigen kann.
Glücklicherweise ist Nane die Ruhe selbst. Behutsam liebkost sie ihr Riesenbaby, das sich täglich gut ein Kilo Gewicht antrinkt. Alle zwei Stunden geht es an die Milchbar. Danach legt sich der Baby-Bulle hin und macht ein Nickerchen. Doch Davu geht auch schon auf Entdeckungstour, freilich noch in Mutters Nähe.
Sein Temperament scheint Davu von Papa Usoni geerbt zu haben. Der ist sportlich und durchtrainiert - und mit seinen 900 Kilo für einen zwölfjährigen Bullen schlank. Und wie sein Spitzname „der Steiger“ schon verrät, übersteigt er gerne die Absperrung, die ihn von seiner Nane trennen. „Er würde aber auch versuchen, über den Graben und die Absperrung zu den Besuchern zu klettern“, erklärt Zoo-Chef Wolfgang Dreßen. Deshalb sichert ein Elektrozaun Usonis Box. So in Schach gehalten, liegt er in seinem Stall. Die Ohren kreisen wie ein Radar, der Schwanz ist hochgestellt. Davus Vater entgeht nichts.
Mutter Nane hingegen stört auch die Hektik in der Nachbarbox nicht. Genauso wenig wie die Besucher, die verzückt vor der Anlage stehen und ununterbrochen knipsen. „Es ist toll, wie ruhig sich die meisten Gäste verhalten. Wichtig ist auch, dass nicht geblitzt wird. Mutter und Sohn sollten so wenig wie möglich gestört werden“, sagt Dreßen.
Aus ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus erreichen den Zoo Gratulationen. Der Zuspruch ist noch stärker als jener, den der Zoo bekam, als sich bei den Krefelder Sumatra-Tigern oder den Schneeleoparden der Nachwuchs einstellte. „Kinder schreiben uns Briefe, eine Familie hat uns ein Bild gemalt, es kommen haufenweise Mails. Es ist unglaublich“, meint Zoodirektor Dreßen.
Davu, der Mini-Megastar, ist trotz des ganzen Rummels quietschvergnügt. Munter hüpft er durch die beiden Boxen. Macht sogar Bocksprünge. „Wie eine junge Antilope“, sagt Dreßen und schmunzelt.
Noch kann der kleine Dickhäuter das. Geradezu grazil wirkt er neben seiner Mega-Mama. Statt vier Stempel, hat das Fliegengewicht noch dünne Beinchen. Auch sein Körper ist nicht klotzig, sondern schlank.
Davu scheint tatsächlich nach seinem Vater zu kommen. 900 Kilo gilt es zu erreichen - noch ein weiter, spannender Weg für das 40 Kilo-Leichtgewicht.
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