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A320 mit Hagelschaden
"Pilot hat offensichtlich eine falsche Entscheidung getroffen"

Fotos: Patent für Flugzeugsitze sieht sehr ungemütlich aus
Fotos: Patent für Flugzeugsitze sieht sehr ungemütlich aus FOTO: COURTESY OF ZODIAC AEROSPACE
Denver. Mit zerborstenen Frontscheiben und einem demolierten Rumpf ist ein Airbus A320 in Denver notgelandet, nachdem er zuvor in einen Hagelschauer geflogen war. Das Gewitter hätte er besser umfliegen sollen, sagt Markus Wahl von der Pilotenvereinigung Cockpit. Von Christian Breuer

Das ganze Ausmaß der Zerstörung wurde vielen Passagieren wohl erst bewusst, als sie Delta-Airlines-Flug 1889 verlassen hatten und den Airbus A320 von außen sehen konnten. Die Scheiben zerborsten, der Rumpf zerbeult – trotz der Schäden war dem Piloten eine sichere Landung in Denver gelungen

Nach Ansicht von Markus Wahl, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, hätte der Pilot, der nun von vielen Passagieren als Held gefeiert wird, gar nicht erst in das Gewitter  einfliegen dürfen. "Es gibt eine einfache Faustregel, die auch für große Passagierflugzeuge  gilt: möglichst weit von Gewittern weg bleiben!"  In einem Gewitter, in dem es zu solchen Hagelschäden wie bei dem A320 kommen kann, "hat ein Flugzeug nichts zu suchen", sagt Wahl.

Letztlich sei es immer die Entscheidung des Piloten, ob er in ein Gewitter fliegt oder nicht. Dessen Aufgabe sei es, für die Sicherheit zu sorgen. Und da habe der Pilot des Delta-Airlines-Fluges "offensichtlich die falsche Entscheidung getroffen".

In der Wirklichkeit sei die Entscheidungsfreiheit eben oft anders als in der Theorie, erklärt Wahl. "Dann sagt der Lotse dem Piloten, dass er das Gewitter durchfliegen soll. Dem zu widersprechen ist dann ein großer Schritt", sagt der Sprecher der Pilotenvereinigung. Einerseits, weil es eine mentale Hürde sei, dem Lotsen zu widersprechen, aber auch weil es ein Sicherheitsproblem sein könne. "Es kann ja sein, dass auf der Ausweichroute gerade eine andere Maschine unterwegs ist", sagt Wahl.

Die Intensität einer solchen Gewitterzelle könne man übrigens schon vor dem Einfliegen erkennen, erklärt Wahl. Einerseits rein von der äußeren Erscheinung, aber auch durch die Daten des Wetterradars, das die meisten modernen Maschinen an Bord haben und das meist zuverlässige Daten liefere.  Allerdings könne es auch Situationen geben, in denen ein so schweres Gewitter nicht abzusehen sei.

"Da können vorher andere Maschinen unbeschädigt durchgeflogen zu sein, und dann ist man der erste Pilot, den es trifft." Und immerhin habe der Pilot mit der sicheren Landung eine gute Leistung vollbracht. "Man trainiert zwar, ohne Sicht zu landen, aber bei so einem Vorfall landet man sich mit einem höheren Adrenalinspiegel."

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