Nach Räumung in Berlin: Demonstranten verletzen Polizisten
zuletzt aktualisiert: 03.02.2011 - 13:23Berlin (RPO). Im Zuge der Räumung eines Hauses im Berliner Stadtbezirk Friedrichshain ist es am Mittwoch zu Zusammenstößen zwischen Polizei und autonomer Szene gekommen. Bei der Räumung seien am Mittwoch sechs Männer und drei Frauen in dem Haus in der Liebigstraße festgenommen worden, teilte eine Polizeisprecherin mit. Am Abend demonstrierten in Friedrichshain mehr als 1000 Menschen gegen die Räumung, es kam erneut zu Festnahmen.
Zusätzlich zu den neun Festnahmen in dem besetzten Haus seien im Zuge der Räumung 23 Demonstranten in Gewahrsam genommen worden, erklärte die Polizeisprecherin. Die Hausbesetzer stünden unter dem Verdacht der gefährlichen Körperverletzung und des Widerstands gegen die Staatsgewalt. "Die Beamten wurden bei ihrem Gang durchs Haus mit einer unbekannten Flüssigkeit besprüht", sagte die Sprecherin.
Bereits kurz nach acht Uhr am Mittwochmorgen hatte sich die Polizei Einlass in das Haus in dem Szene-Kiez verschafft. Laut einem Sprecher hatte ein Gerichtsvollzieher sie um Amtshilfe bei der Vollstreckung eines Räumungsbeschlusses gebeten. Mehrere hundert Personen aus der Hausbesetzer-Szene beobachteten die Räumung.
Rund 400 Menschen hielten am Vormittag eine spontane Demonstration auf einer Hauptverkehrsstraße in der Nähe des Hauses ab. Nach Flaschen- und Steinwürfen kam es zu Prügeleien mit der Polizei. Deren Sprecherin teilte mit, dass fünf Polizisten verletzt worden seien, einer davon schwer. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, nannte das Verhalten der Demonstranten "brutal" und "menschenverachtend".
Am Abend nahmen in Friedrichshain mehr als 1000 Menschen an einer Demonstration gegen die Räumung teil, wie ein Polizeisprecher sagte. Nachdem der Anmelder der Kundgebung die Demonstration vorzeitig für beendet erklärt habe, habe die Polizei die verbliebenen Versammlungsteilnehmer zunächst begleitet.
Diese hätten mit gezielten Würfen von Pyrotechnik und Flaschen mehrere Polizisten verletzt. Es habe zahlreiche Festnahmen gegeben, sagte der Sprecher.
Genaue Angaben zur Zahl der Verletzten und der Festnahmen konnte er nicht machen. Der Protestzug löste sich später auf, die Demonstranten zogen in kleineren Gruppen durch das Viertel.
Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch hat indessen am Donnerstag das Ausmaß der Gewalt nach der Räumung eines linksautonomen Wohn- und Kulturprojekts in der Liebigstraße 14 kritisiert. Die "Quantität der Gewalt" bei den Protesten sei "auffällig hoch" gewesen, sagte Glietsch in der Berlin.
Nach einer kurzfristig angemeldeten Demonstration am Mittwochabend seien mehrere Gruppen von 20 bis 200 Personen in "blinder Zerstörungswut und unberechenbar" durch Friedrichshain gezogen. 82 Personen seien festgenommen worden, davon 65 Männer und 17 Frauen.
Laut Glietsch sind 61 Polizisten verletzt worden. Die Einsatzstärke der Polizei von 2.500 Mann nannte der Polizeichef "verhältnismäßig". Es sei ein großer Erfolg der Beamten, dass die Gewalt von Friedrichshain nicht auf andere Stadtteile übergegriffen habe. Gegen die Räumung waren am Mittwochabend auch in Hamburg und Göttingen Linksautonome auf die Straße gegangen.
Das Haus in der Liebigstraße 14 gilt als eine der letzten Wohnstätten der Hausbesetzer-Szene in Berlin. Die Besetzer erklärten, dort ein Wohnprojekt zu unterhalten. Die anstehende Räumung hatte bereits am Wochenende zu Krawallen in Friedrichshain geführt.
Aus der autonomen Szene hatte es Ankündigungen gegeben, bei einer Räumung den Sitz des Berliner Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), das sogenannte Rote Rathaus, zu stürmen, ebenso eine Senatsverwaltung. Wegen der erwarteten Ausweitungen der Proteste hatte die Polizei nach eigenen Angaben insgesamt mindestens 2500 Kräfte im Einsatz.
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