Studie: 30.000 Wissenschaftler nötig: Den Hochschulen drohen Personallücken
VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 21.01.2011 - 16:01Berlin (RPO). Bildung ist das Wichtigste für die Zukunft Deutschlands - gern wird dieser Satz von Politikern aller Parteien aus der Ecke geholt. Doch in der Realität hapert es an vielen Ecken. Und das nicht nur an den Schulen, sondern auch an den Universitäten. Nicht nur, dass die Studenten oftmals an der Bologna-Reform verzweifeln. Eine aktuelle Studie ergab nun, dass an den Hochschulen enorme Personallücken drohen.
30.000 Wissenschaftler müssten die Hochschulen bis zum Jahr 2025 einstellen, um den Betreuungsschlüssel von Dozenten und Studenten zu erhalten, geht aus einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung hervor, die im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erstellt wurde. Allein 16.000 müssten demnach Professoren sein.
Es sind Zahlen, die aufhorchen lassen, zumal sich die Bundesregierung im Jahr 2008 auf ihrem Bildungsgipfel zur Aufgabe gemacht hatte, auch die Zahl der Studienanfänger zu erhöhen. Mehr Studenten, aber weniger Dozenten - für die Qualität der Lehre sind das denkbar schlechte Voraussetzungen. Schon seit Jahren quellen die Hörsäle vieler Universitäten über, Studenten sitzen auf Treppen, Seminare sind überfüllt.
Studenten beklagen sich über
Genau diese schlechten Studienbedingungen und vor allem die Kritik an den überfrachteten Bachelor- und Masterstudiengängen hatte im Jahr 2009 die Studenten massenhaft auf die Straße getrieben. Sie machten ihren Unmut über die Belastungen durch die Bologna-Reform Luft.
Die nun vorgestellte Studie bestätigt auch das Ergebnis der Untersuchung "Bachelor-Studierende - Erfahrungen in Studium und Lehre" vom Februar des vergangenen Jahres, die vom Bundesbildungsministerium in Auftrag gegeben wurde. Darin bemängelten die Studenten selbst nicht nur eine zu große Stofffülle und organisatorische Probleme bei den neuen Studiengängen, sondern auch zu wenig Betreuung durch Dozenten im System der Bachelor-Studiengänge.
Genau das könnte sich verschärfen, wenn noch weniger Professoren und Mitarbeiter an den Hochschulen tätig sind. Und die GEW bemängelt besonders, dass es vor allem befristete Arbeitsplätze sind, die an den Universitäten angeboten werden. Schon jetzt liege das Verhältnis von befristeten zu unbefristeten Stellen bei 7:1, vor fünf Jahren habe es noch 5:1 betragen.
GEW spricht von Wettbewerbsnachteil
Andreas Keller, Vorstandsmitglied des GEW, erklärte, dieses System der unbefristeten Stellen "schadet der Kontinuität und damit der Qualität von Forschung und Lehre". Auch enthalte es jungen Wissenschaftlern Berufsperspektiven vor und schade somit den deutschen Hochschulen auch im internationalen Wettbewerb, weil Fachkräfte abwandern zu drohten.
Wenn in den nächsten Jahren die geburtenschwachen Jahrgänge an die Universitäten kommen, dann wird die Situation besser, mag mancher denken. Doch die Studienmacher sehen das ganz anders. Laut der Untersuchung wird auch dann mehr Personal benötigt, wenn die Studentenzahlen zurückgehen - also nach 2020. Denn Experten empfehlen, die Zahl der Studenten pro Dozent zu verringern, um die Qualität an den Hochschulen zu verbessern.
Dass die Gewerkschaft die Studie gerade jetzt herausgab, hat durchaus taktische Gründe. Denn Anfang Februar beginnt die neue Länder-Tarifrunde. Und dort will die GEW die Beschäftigungsbedingungen des Hochschulpersonals thematisieren.
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