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Schweinegrippe Impfung Panorama 090725
  Foto: AP, AP
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Schweinegrippe: "Der Beginn einer riesigen Welle"

VON AP-KORRESPONDENTIN MIRJAM MOHR - zuletzt aktualisiert: 25.07.2009 - 21:23

Frankfurt/Main (RPO). Die Schweinegrippe verbreitet sich rasend schnell - und das Schlimmste steht uns erst noch bevor. Ein Virologe warnt vor einer "riesigen Welle". Trotzdem sei man in Deutschland sehr gut aufgestellt. Auch die Entwicklungs eines Impfstoffs macht Fortschritte. Unterdessen streiten sich die Bundesländer um die Kosten für den Schutz der Bevölkerung.  

"Es ist der Beginn einer riesigen Welle", sagte der Virologe Alexander Kekulé. Die Zahl der Infektionen im Inland werde in den nächsten Wochen dramatisch zunehmen:  Zum Glück verliefen die meisten Erkrankungen derzeit relativ milde. "Ich glaube auch nicht, dass sich das deutlich ändern wird", erklärte er in der "Passauer Neuen Presse".   

Trotz der dramatisch beschleunigten Ausbreitung der Schweinegrippe rechnet der Kekulé nicht mit der Entstehung eines "Killervirus". "Die befürchtete tödliche Hochzeit zwischen Vogel- und Schweinegrippe-Erreger wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben", sagte der Experte. Er kritisierte aber, dass zu Beginn der Epidemie wertvolle Zeit nicht genutzt worden sei. Unterdessen laufen die Vorbereitungen für Impfungen ab Oktober.

In Deutschland sei man "inzwischen sehr gut aufgestellt", sagte Kekulé. "Zu Beginn der Pandemie wurde allerdings zu wenig Wert darauf gelegt, das Einschleppen des Erregers nach Deutschland zu verzögern. Mit schärferen Vorkehrungen hätte man sich wertvolle Zeit erkaufen können." Auch sei der Impfstoff relativ spät bestellt worden.

Für die Zulassung des Impfstoffs suchen Ärzte an deutschen Kliniken Testkandidaten. "Die Zulassungsstudien sollen ab September an mehreren hundert Personen durchgeführt werden, darunter auch an Kindern", sagte die Sprecherin des Impfstoff-Herstellers Glaxo Smith Kline (GSK), Daria Munsel, dem "Focus". Die Auswahl der Versuchspersonen nähmen ausschließlich die Ärzte an den Studienzentren vor. Dem Magazin zufolge wurden für die Vorabzulassung des Impfstoff-Prototyps nur Erwachsene getestet. "Der Pandemie-Impfstoff könnte bei Kindern möglicherweise mehr Nebenwirkungen verursachen als der saisonale Grippeimpfstoff", zitiert das Magazin Kekulé.

Französischer Experte kritisiert Medienhype

Unterdessen hat sich der Pariser Medizin-Professor und Abgeordnete Bernard Debré hat sich in scharfer Form vom aktuellen Umgang mit der Schweinegrippe-Gefährdung distanziert. Der Virus-Typ A (H1N1) sei "nicht gefährlich", die Schweinegrippe "etwas weniger gefährlich" als die typische saisonale Grippe, die jedes Jahr zu erwarten sei, sagte Debré der Zeitung "Journal du Dimanche". "Deshalb muss man jetzt mal einen Punkt machen", forderte der Mediziner, der zugleich für die Regierungspartei UMP im Pariser Abgeordnetenhaus sitzt.

"Das ist und bleibt ein Grippchen!", sagte Debré, nicht vergleichbar etwa mit dem Ebola-Fieber. Im übrigen hätten die staatlichen Stellen bereits damit begonnen, die Vorsichtsmaßnahmen herunterzuschrauben. Die mutmaßlichen Schweinegrippe-Kranken würden mit simplen Schmerztabletten behandelt. Die auch in den Regierungen weit verbreitete Furcht vor einer großen Schweinegrippen-Epidemie führt Debré auf das "Gestikulieren" der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zurück. Die täglichen Kommuniqués der WHO hätten zu einer "Über-Mediatisierung" geführt. Er halte es jedoch für "überflüssig, die Bevölkerung verrückt zu machen".

Fünf Polizisten in München erkrankt

Am Freitag hatten die Bundesländer 50 Millionen Dosen Impfstoff bestellt, der im Herbst bereit stehen soll. Der "Spiegel" berichtete, die Bedingungen der geplanten Impfaktion seien völlig unklar. So sei unklar, wie chronisch Kranke über ihren Anspruch auf Impfung informiert werden könnten, sei nicht geklärt, wie die Kosten für die Impfaktion sowie Lagerung und Transport der Impfstoffe verteilt würden und wer die Bürger informiere.

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums verwies darauf, dass derzeit eine Verordnung auf den Weg gebracht werde, auf deren Grundlage Länder und Kassen über die Verteilung der Kosten und das Prozedere verhandeln sollten. Es sei zudem auch geregelt, dass die nötigen Daten über chronisch Kranke genutzt werden dürften.

Die Bundesländer bestehen darauf, an den Kosten nicht beteiligt zu werden. "Wir werden sicherstellen, dass nichts an den Ländern hängenbleibt", sagte der Staatssekretär im thüringischen Gesundheitsministerium, Falk Oesterheld (CDU), der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Es ist nicht einzusehen, dass im Fall einer Epidemie der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird."

Krankenkassen zahlen Impfung

Die Bundesregierung versicherte hingegen, dass die Krankenkassen für den Kauf des Impfstoffs und seine Verabreichung aufkommen würden. "Eine Impfung wird pro Person rund 30 Euro kosten die Krankenkassen werden diese Kosten übernehmen", sagte der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder (SPD). Auch von den privaten Kassen und den Beihilfen für die Beamten habe man die Zusage erhalten, dass sie die Kosten übernähmen.

Unterdessen bestätigte eine Sprecherin der Münchner Polizei, dass dort fünf Polizisten an Schweingerippe erkrankt sind. Das Landesinnenministerium betonte, dass die bayerischen Polizisten auf die Schweinegrippe vorbereitet seien.

Großbritannien: Schweinegrippe-Tote sollen in Katakomben

Falls die Schweinegrippe sich in Großbritannien weiter ausweitet und eine große Anzahl an Todesopfern fordert, könnte im Südwesten Englands vorübergehend eine unterirdische Grabstätte als Leichenhalle benutzt werden. Wie ein Sprecher der Stadt Exeter am Samstag mitteilte, könnten die Katakomben aus dem 19. Jahrhundert eines alten Friedhofes genutzt werden. Die Grabstätten sind normalerweise eine Touristenattraktion.

Großbritannien ist das am stärksten von der Schweinegrippe betroffene Land Europas, bislang starben dort 31 Menschen an dem Virus. Nach Schätzungen der Gesundheitsbehörden wurden in der vergangenen Woche in England rund 100.000 neue Infektionen registriert.

Quelle: AP/AFP

 
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