Schweres Erdbeben erschüttert Christchurch: "Der dunkelste Tag Neuseelands"
zuletzt aktualisiert: 22.02.2011 - 15:47Christchurch (RPO). Es war schon das zweite schwere Erdbeben in der neuseeländischen Metropole Christchurch binnen fünf Monaten. Doch obwohl der Erdstoß, der am Dienstag kurz vor 13 Uhr Ortszeit mit einer Stärke von 6,3 losschlug, schwächer war als der im September mit einer Stärke 7,1, sind die Zerstörungen diesmal viel größer und haben diesmal bisher 65 Menschenleben gefordert.
Ministerpräsident John Key ringt beim Besuch in Christchurch um Fassung: "Es bietet sich ein Bild äußerster Zerstörung. Es könnte durchaus sein, dass wir Zeuge des dunkelsten Tages Neuseelands sind."
Viele Bürgersteige und Fahrbahnen in der 350.000 Einwohner zählenden Stadt sind aufgerissen. Tausende benommener, schreiender und weinender Menschen laufen wie betäubt durch die Straße.
Nathanael Boehm stand in der Nähe einer Straßenbahnlinie, als der Erdstoß den Boden zu seinen Füßen erzittern und Gebäudeteile einstürzen ließ. "Es war schrecklich. Menschen wurden von Trümmern verschüttet und mit Tonnen von Beton bedeckt."
Trümmer begraben zwei Busse
Auch Autos und andere Fahrzeuge wurden begraben. Zu den Toten gehören auch die Insassen von zwei Bussen, die von einstürzenden Gebäuden verschüttet wurden.
In den ersten Stunden des Chaos' graben die Menschen noch mit bloßen Händen nach Verschütteten. Später kommt die Feuerwehr mit technischem Gerät und Spürhunden zur Hilfe, die Rettungsmaßnahmen laufen an, Notunterkünfte werden für die Nacht vorbereitet.
Angesichts der Schäden verglich Bürgermeister Bob Parker die Stadt mit einem Kriegsgebiet. "Ich war auf dem Platz vor der Kathedrale und die Fassade fiel einfach um", erzählte der Kamera-Techniker John Gurr. Die Menschen hätten versucht zu fliehen, auch in der Kirche seien Gläubige und Touristen gewesen.
Offiziellen Angaben zufolge ist der komplette ärztliche Stab des Militärs im Einsatz. Die Behörden versetzten die Krankenhäuser des ganzen Landes in Alarmbereitschaft, um Verletzte aufzunehmen. Einige Schwerverletzte konnten in andere Städte gebracht werden, sagte der Chef der Gesundheitsverwaltung von Canterbury, David Meates. Auch einige Hundert Soldaten halfen bei der Suche und der Rettung von Verschütteten. Mit Einbruch der Nacht wurden Notunterkünfte in Schulen und auf einer Pferderennbahn aufgebaut.
Verschüttete ruft ihre Kinder an
Einigen der Verschütteten gelingt es, mit ihren Handys Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. "Ich habe meine Kinder angerufen, um mich zu verabschieden", berichtet Ann Voss. Die Mutter hat sich in einem eingestürzten Büro unter ihren Schreibtisch geflüchtet und wird vom Sender TV3 interviewt. "Es war absolut schrecklich. Meine Tochter hat geweint, und ich habe geweint, weil ich wirklich gedacht habe, das war's nun. Man will ihnen doch sagen, dass man sie liebt."
Die eingeschlossene Frau berichtet weiter, sie könne andere Überlebende in dem Gebäude hören. Sie habe nach ihnen gerufen und Klopfzeichen gegeben. "Ich gebe nicht auf", sagt sie weiter. "Ich werde wach bleiben. Die sollten jetzt aber besser kommen und mich rausholen."
Austauschschüler eingeschlossen
Dutzende Menschen sind noch in eingestürzten Gebäuden eingeschlossen. Unter ihnen war auch eine Gruppe Austauschschüler aus Japan, wie der Direktor der Sprachschule in Toyama in Westjapan, Hisao Yoshida, erklärte. Elf von ihnen konnten nach mehreren Stunden gerettet werden, ein Mitglied der Gruppe saß am Abend noch unter den Trümmern fest. Über das Schicksal von elf weiteren war zunächst nichts bekannt.
Die 21 Schüler und zwei Lehrer hätten gerade in der Cafeteria der Schule gesessen, als die Erde bebte, sagte Yoshida. Einige der Geretteten erlitten Knochenbrüche und weitere Verletzungen. Eine Lehrerin habe ihre Familie in Japan über ihr Mobiltelefon darüber informiert, dass sie und mehrere Schüler unter den Trümmern eingeschlossen seien, erklärte Yoshida.
Bisher 65 Todesopfer zu beklagen
Mindestens 65 Menschen hat das Beben das Leben gekostet, die Zahl könnte aber noch steigen, da nach Behördenangaben noch über 100 Menschen in den Trümmern eingestürzter Gebäude verschüttet sind.
Bei dem Beben am 4. September entstand ein Milliardenschaden an mehreren hundert Gebäuden, und einige Menschen wurden verletzt. Ums Leben kam aber niemand. Diesmal ist das Ausmaß der Zerstörung noch gar nicht abzusehen.
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