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Rätsel um Tod von Autor Saint-Exupéry gelöst
Der letzte Flug des "kleinen Prinzen"

Wer ist Antoine de Saint-Exupéry?
Wer ist Antoine de Saint-Exupéry? FOTO: AP
Paris (RP). Der Bruder von Ivan Rebroff will im Zweiten Weltkrieg den Autor des Romans "Der kleine Prinz" abgeschossen haben. Antoine de Saint-Exupéry starb 1944. Nach 64 Jahren bricht Ex-Luftwaffenpilot Horst Rippert nun sein Schweigen. Von Sarah Dickmann und Karin Finkenzeller

Er verschwand am 31. Juli 1944 unter mysteriösen Umständen bei einer Mission für die Alliierten. Antoine de Saint-Exupéry, Pilot und Autor des Buches "Der kleine Prinz", ist vor fast 64 Jahren mit seinem Flugzeug ins Mittelmeer gestürzt. Die genauen Umstände wurden nie geklärt. Nun scheint das Rätsel um das Verschwinden des französischen Schriftstellers gelöst. Der Bruder des im Februar gestorbenen Sängers Ivan Rebroff, Horst Rippert, gab zu, Saint-Exupéry am 31. Juli 1944 in der Nähe der südfranzösischen Stadt Marseille abgeschossen zu haben.

"Sie können aufhören zu suchen. Ich habe Saint-Exupéry abgeschossen", sagte der mittlerweile 88 Jahre alte Horst Rippert zwei französischen Autoren. Der Taucher Luc Vanrell und sein Mitstreiter Lino von Gartzen, der einen Verein für die Suche nach vermissten Flugzeugen gründete, stießen bei ihren Recherchen für ein neues Buch über Antoine de Saint-Exupéry auf Rippert, der im Zweiten Weltkrieg Kampfflieger war.

Das Geschehen am 31. Juli 1944, kurz vor der Invasion der Westalliierten an der Côte d‘Azur, schilderte der ehemalige Pilot der deutschen Luftwaffe folgendermaßen: "Es ist in der Nähe von Toulon passiert. Ich war über der See auf einem Aufklärungsflug." Er habe das französische Hoheitszeichen auf dem Flugzeug gesehen und sei eine Kurve geflogen.

"Ich habe mir gesagt, Junge, wenn du nicht abhaust, dann schieße ich dich ab", sagte der Bruder des deutschen Sängers mit russischem Künstlernamen. "Ich bin tiefer gegangen und habe geschossen, nicht auf den Rumpf, sondern auf die Tragflächen. Ich habe ihn getroffen", erzählte Rippert. "Der Flieger war übel zugerichtet und zerschellte im Meer."

Einige Tage später habe er erfahren, dass in dem Flugzeug Antoine de Saint-Exupéry saß, sagte der ehemalige Pilot. Er sei entsetzt gewesen. "Ich habe gehofft, und ich hoffe immer noch, dass es nicht er war." Er und seine Freunde hätten als Jugendliche die Bücher des Schriftstellers gern gelesen. "Wir haben sie verehrt. Wenn ich es gewusst hätte, ich hätte nicht geschossen. Nicht auf ihn."

Sein langes Schweigen erklärte Horst Rippert mit der Angst um seine berufliche Laufbahn, die ihn unter anderem als Sportjournalist zum ZDF führte. "Können Sie sich vorstellen, was mit meiner Karriere passiert wäre, hätte man gewusst, was ich im Zweiten Weltkrieg gemacht habe?", fragte er die beiden Autoren bei ihrer Recherche. Erst jetzt, 64 Jahre nach den Ereignissen bei Toulon, fand Horst Rippert den Mut zur Wahrheit.

Seit dem Verschwinden des Franzosen 1944 hatte es zahlreiche Spekulationen um den Tod Antoine de Saint-Exupérys gegeben. Sie reichten von technischen Problemen des Flugzeugs über feindliches Feuer, in das der Pilot geraten war, über Selbstmord-Theorien bis zu einem mysteriösen Geheimauftrag zur Befreiung italiensicher Partisanen.

Ein Fischer hatte dann 1998 südöstlich von Marseille in seinem Netz ein Armband von Saint-Exupéry entdeckt, im Jahr 2000 fanden Taucher auf dem Meeresgrund unweit der Insel Ile de Frioul das Wrack einer Kampfmaschine des Typs Lockheed Lightning P-38. Sie wurde zweifelsfrei als diejenige des Schriftstellers identifiziert, und so erhärteten sich die Vermutungen, dass er abgeschossen worden war.

Das Buch von Luc Vanrell und Lino von Gartzen erscheint in Frankreich am kommenden Donnerstag.

 
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