29-Jähriger Lkw-Fahrer aus dem Lahn-Dill-Kreis hat gestanden: Der Serien-Frauenmörder - "Er hat immer nett gegrüßt"
zuletzt aktualisiert: 01.09.2006 - 06:13Haiger/Dillenburg (rpo). Drei Frauen starben durch die Hand des 29-jährigen Lkw-Fahrers aus Haiger, eine vierte entkam dem Mörder nur knapp. Gestern wurde er Mann verhaftet. Er soll häufiger Prostituierte aufgesucht haben, heißt es. Die Rede ist von einem "gestörten Sexualleben". Er habe zurückgezogen gelebt, sagen die Nachbarn: "Er hat immer nett gegrüßt."
Eine Frage bleibt am Donnerstag auf der Pressekonferenz der Dillenburger Polizei unbeantwortet: Warum mussten drei Frauen durch die Hand eines 29-jährigen Lkw-Fahrers aus Haiger (Lahn-Dill-Kreis) sterben? Ein viertes Opfer entkam dem Mörder nur knapp. Während auf dem Hof vor der Dienststelle Beamte versuchen, in den vom mutmaßlichen Täter benutzten Zugmaschinen weitere Spuren zu sichern, wird drinnen über das Motiv des Mannes spekuliert.
Von einem "Zusammenhang mit einem gestörten Sexualleben" des Familienvaters spricht der Siegener Staatsanwalt Manfred Lischeck. Alle Opfer seien sexuell missbraucht worden. In Journalistenkreisen kursiert die Information, der Mann habe häufig Kontakt zu Prostituierten gehabt, zu denen auch die beiden Kölner Opfer zählten. Seine Frau habe sich deswegen von ihm getrennt.
Die Frage nach dem Motiv stellen sich auch die Menschen in den Orten, in denen der mutmaßliche Sextäter gelebt hat. "Ich kann das noch überhaupt nicht fassen", sagt ein 14 Jahre alter Nachbarsjunge in Haigerseelbach bei Haiger. Dort steht das Elternhaus des Mannes, in dem auch die Frau und das zwei Jahre alte Kind des 29-Jährigen leben. Am Nachmittag sind dort alle Rollläden heruntergelassen. Offenbar soll keiner Einblick nehmen können.
In den Stunden zuvor hätten bereits Fernsehteams, teilweise sogar mit Hubschrauber, versucht, dem Vorleben des geständigen Täters auf die Spur zu kommen. Ein "lieber, netter Mensch" sei er gewesen, sagt der 14-Jährige. Immer nett gegrüßt habe er. "Der hat im letzten Jahr kaum noch hier gewohnt", erzählt ein anderer Nachbar, der ansonsten betont, eigentlich überhaupt nichts über den mutmaßlichen Serienkiller zu wissen.
Wenige Kilometer von Haigerseelbach entfernt liegt der Haigerer Ortsteil Rodenbach. Eingequetscht zwischen einem kleinen Fachwerkhaus und einer Scheune ist eine weiß getünchte Fassade zu sehen, hinter der sich schreckliche Szenen abgespielt haben müssen: In dieses Haus brachte der Lkw-Fahrer nach Erkenntnissen der Polizei im Oktober 2005 die 31-Jährige Aneta B., bevor er sie schließlich erdrosselte und die Leiche bei Siegen in den Wald legte.
"Relativ anonym" habe der Mann dort gelebt, erzählt Friedhold Jakob, der nur wenige Meter entfernt von dem Gebäude wohnt, vor dem jetzt das rot-weiße Absperrband der Polizei hängt. Die Nachbarn hätten keinen Kontakt zu ihm gehabt. In der 900-Seelen-Gemeinde Rodenbach seien die Verhältnisse "nicht mehr so wie früher", als noch jeder jeden kannte, fügt er mit einem Achselzucken hinzu.
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