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Weihnachten
Der Sinn des Schenkens
Weihnachten: Der Sinn des Schenkens
Staunend vor dem Christbaum: Für viele Kinder ist die Bescherung der schönste Moment an Weihnachten. FOTO: ddp
Düsseldorf (RP). Das Schenken – gerade zu Weihnachten – scheint in Verruf gekommen zu sein. Vielen ist ein Unbehagen beim Schenken anzumerken. Aber warum schenken wir eigentlich? Und was hat Schenken für einen Sinn? Wenn man das wüsste, könnte man es vielleicht neu definieren. Schließlich hat das keine Zukunft, was auch keine Herkunft hat. Von Manfred Becker-Huberti

Es mag vielleicht erstaunen, aber das Schenken zu Weihnachten hat keine alte Tradition. In katholischen Gegenden wurde oft noch bis um 1900 zu Weihnachten zwar gefeiert, aber nicht geschenkt. Bei den Katholiken wurde damals – wie heute noch in den Niederlanden – zum Nikolausabend beschert. Erst Martin Luther hat das Schenken zu Weihnachten eingeführt. Der Reformator hat den Schenktermin von Nikolaus auf Weihnachten verlegt, um die Popularität dieses Heiligen zu brechen. Damit musste er auch den "Schenkenden" austauschen. Bei den Protestanten bescherte nun das "Christkind".

Nikolaus warf Gold ins Haus

Die Kinderbescherung am Nikolausabend hatte sich im Mittelalter eingebürgert, als Nikolaus zu einem ungeheuer populären Heiligen wurde. Das Schenken am Fest des heiligen Bischofs ergab Sinn, denn in einer der uralten Legenden des Heiligen aus dem 5./6. Jahrhundert wird berichtet, dass Nikolaus einen Vater und seine drei Töchter, die er nicht standesgemäß verheiraten konnte, dadurch rettete, dass er ihnen nachts unerkannt aus seinem eigenen ererbten Vermögen Gold in ihr Haus warf. So mussten die Frauen nicht für sich und ihren Vater auf sündige Weise Geld auf der Straße verdienen.

Aufgrund dieser Legende bildete sich das Schenken zu Nikolaus als geheimes Schenken aus: Über Nacht kommt Nikolaus ungesehen und füllt Teller, Strümpfe oder Schuhe mit kleinen Geschenken für Kinder. Auch als die Reformation den Schenktermin verlegt und eine neue Schenkfigur eingeführt hatte, blieb ein Phänomen erhalten: das heimliche Schenken und damit die Rückführung des Schenkens auf einen übermächtigen Dritten.

Die besondere Form des Schenkens zu Weihnachten führt zum Sinn des Schenkens. Unsere Vorfahren haben deshalb heimlich zu Nikolaus die Kinder beschenkt, weil sie ihre Geschenke stellvertretend gaben: nämlich in Stellvertretung für den heiligen Nikolaus. Schenken bedeutete für Nikolaus: Menschen schon auf Erden am Reich Gottes teilnehmen zu lassen. Er hielt den Frauen den Weg zum Himmel offen. Das Geschenk des Heiligen war eben nicht das Gold; das war bloß Mittel zum Zweck, dem Erhalt der physischen und der geistigen Freiheit der jungen Frauen.

Gott will uns Gutes

Schenken zu Nikolaus, so vollzieht diese Legende nach, ist ein "Nikolausspiel", in dem die Menschen erfahren: Gott will uns Gutes. Dabei ging es eben nicht um besonders kostbare und möglichst viele Geschenke, sondern um die Symbolik: Ich bin nicht vergessen, ich bin geliebt als Kind Gottes. Süßigkeiten oder Spielzeug am Nikolausfest sollen spielerisch die Gnade Gottes vergegenwärtigen. Am Nikolausabend soll der Himmel die Erde berühren, sollen die Kinder eine Vorahnung der Herrlichkeit des Himmels erlangen.

Das Schenken zu Weihnachten ist losgelöst vom alten Sinn des Schenkens, wenn auch der Form nach noch wie bei Nikolaus geschenkt wird. Durch die Neuanbindung des Schenkens an den Weihnachtstag hat die Verbindung des Schenkens mit der Geburt des Erlösers Jesus Christus einen noch anderen und neuen Sinn erhalten. Schenken zu Weihnachten vergegenwärtigt das eigentliche Weihnachtsgeschenk. Und das ist die Menschwerdung des Gottessohnes, der Beginn der Erlösung, die sich darin zeigt: Gott wird Mensch, eben einer von uns und einer für uns. Weihnachtsgeschenke versinnbildlichen dieses Gottesgeschenk.

Wenn Gott Mensch wird, berührt das Unendliche das Endliche; das Metaphysische nimmt physische Gestalt an. Ein jeder darf sich freuen. Der materielle Wert der Weihnachtsgeschenke ist daneben unerheblich. Nicht in der Quantität liegt der Sinn, sondern in der Qualität des Schenkens. Der Philosoph Josef Pieper hat einmal formuliert: "Liebe ist das Ur-Geschenk. Alles, was uns sonst noch unverdient gegeben werden mag, wird erst durch sie zum Geschenk."

Quelle: RP
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