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Höchstwerte in Süddeutschland: Deutsches Leitungswasser mit Uran belastet

zuletzt aktualisiert: 04.08.2008 - 21:38

München (RPO). Uran ist den meisten Menschen nur in Verbindung mit Atomkraft bekannt. Nur die Wenigsten wissen: Das hochgiftige Metall ist auch im Trinkwasser enthalten. Die dazugehörigen Grenzwerte werden in Deutschland vielfach überschritten.

Bevor das Wasser aus der Leitung kommt, hat es schon einen langen Weg zurückgelegt.  Foto: ddp
Bevor das Wasser aus der Leitung kommt, hat es schon einen langen Weg zurückgelegt. Foto: ddp

Leitungswasser ist manchen Regionen Deutschlands teils deutlich stärker mit dem giftigen Schwermetall Uran belastet als bisher bekannt. Die Verbraucherrechtsorganisation Foodwatch hat eine Erhebung durchgeführt, in der 8.000 amtliche Einzeldaten aus den Bundesländern gesammelt wurden: Demzufolge liegen 150 von den Behörden gemeldete Trinkwassermesswerte über dem Richtwert des Umweltbundesamtes von 10 Mikrogramm Uran pro Liter Trinkwasser, berichtet das ARD-Magazin "Report München" vorab.

In manchen Gemeinden wird sogar der Maßnahme(höchst)wert von 20 Mikrogramm pro Liter überschritten. Rund 800 Messwerte liegen der Erhebung zufolge über 2 Mikrogramm Uran pro Liter; dies ist bei Mineralwasser im Handel der gesetzliche Grenzwert für Säuglinge: Nur wenn die Wasser den Grenzwert von 2 Mikrogramm nicht überschreiten, dürfen sie mit der Aussage "für Säuglingsnahrung geeignet" deklariert werden.

"Schon sehr geringe Konzentrationen an Uran haben eine schädigende Wirkung auf lebenswichtige Vorgänge in der Niere", sagte der Toxikologe Hermann Kruse von der Universität Kiel. Die gesundheitliche Gefahr von Uran im Trinkwasser liege dabei nicht in seiner vernachlässigbaren Radioaktivität, sondern vor allem in der chemisch-toxischen Wirkung bei anhaltender Einnahme.

Nordrhein-Westfalen mit guten Werten

Foodwatch liegen aus Nordrhein-Westfalen lediglich 27 Einzeldaten aus 15 Wasserwerken in 14 0rten bzw. Gemeinden vor. Die Daten über die Belastung mit Radionukliden stammen ebenso wie die niedersächsischen Werte aus einer Untersuchung des Bundesamtes für Strahlenschutz und wurden von foodwatch in Urankonzentration umgerechnet. Nach Auskunft des zuständigen Nordrhein-Westfälischen Ministeriums für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz liegen dem Ministerium angeblich keine weiteren Werte vor.

Von den übermittelten 27 Einzelwerten liegen 23 Werte im Bereich bis einschließlich 2 Mikrogramm Uran pro Liter. Vier Werte liegen über 2 Mikrogramm, wobei der höchste Wert mit 5,3 Mikrogramm in Nideggen im Kreis Düren gemessen wurde. Über die tatsächliche Belastung des Trinkwassers in Nordrhein-Westfalen mit Uran lassen sich auf Grund der wenigen übermittelten Daten kaum weitere Rückschlüsse ziehen.

Höchstwerte in Bayern und Baden-Württemberg

Zitat Foodwatch-Studie: Da die Länder den Urangehalt nicht flächendeckend erheben und veröffentlicht haben, kann die foodwatch-Recherche nur ein Überblicksbild liefern. Tendenziell ist die Uranbelastung des Trinkwassers in Süddeutschland höher als im übrigen Bundesgebiet. "Spitzenwerte" von 39 µg/l hat beispielsweise das Gesundheitsamt Haßberge für Maroldsweisach in Bayern gemeldet. Der Landkreis Waiblingen in Baden-Württemberg meldet mehrere Orte mit Werten über 20 µg/l Uran.

Die betroffenen Kommunen gehen höchst unterschiedlich mit der Uran-Belastung um. Die Ostsee-Gemeinde Palmzin der Kommune Semlow in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise habe erst durch die Nachfrage der Redaktion von der hohen Uran-Belastung mit sehr hohen Werten von mehr als 23 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser erfahren.

Das zuständige Gesundheitsamt war zwar schon seit 2006 über die besorgniserregende Messung informiert, hatte aber seither nicht entsprechend reagiert, d.h. "dem Vorgang nicht die angemessene Aufmerksamkeit geschenkt. Dieses wurde inzwischen ausgewertet und wird so in dieser Form nicht wieder vorkommen", so der zuständige Landrat.

Andere Gemeinden versuchen durch Vermischung von Wasser aus belasteten und unbelasteten Quellen oder Schließung einzelner Brunnen den Uran-Gehalt im Trinkwasser abzusenken. In Gemeinden, in denen nach dieser Maßnahme der Richtwert von 10 Mikrogramm pro Liter immer noch überschritten wird, könnten Uran-Filter-Anlagen eingebaut werden. Doch solange der bisherige Richtwert von 10 Mikrogramm noch immer nicht zum gesetzlich verbindlichen Grenzwert erhoben ist, warten betroffene Gemeinden nicht selten ab, weil sie etwa die Kosten einer Filteranlage scheuen. Ohne gesetzlichen Zwang sind die betroffenen Verbraucher auf den guten Willen der örtlichen Rathäuser und Wasserversorger angewiesen, damit entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.

"Es wird empfohlen dies zu tun, verlangen kann man es formal noch nicht, weil es noch keinen Grenzwert in der Trinkwasserverordnung gibt", so Prof. Herrmann Dieter vom Umweltbundesamt. "Das bedeutet aber nicht, dass der Wert von zehn überschritten werden darf, denn §6, Abs. 1 der Trinkwasserverordnung sagt ganz klar, dass Trinkwasser keinerlei Anlass zu gesundheitlicher Besorgnis bieten darf."

Erste Gemeinden wie zum Beispiel Hirscheid bei Bamberg in Bayern haben bereits Filter eingebaut und so die Kontamination mit Uran auf nahezu Null gesenkt. Prof. Dieter: "Das ist auch machbar, weil die Aufbereitungsverfahren existieren. Man kann sie einbauen, sie kosten nicht die Welt."

Selten wissen Verbraucher um die bedenkliche Uranbelastung in kontaminierten Gemeinden, weil den Report-Recherchen zufolge auch die Informationspolitik der Rathäuser und Wasserversorger höchst unterschiedlich ist. Verbraucherschützer Thilo Bode sieht darin eine Verletzung der gesetzlichen Vorsorgepflicht des Staates: "Es ist absolut wichtig und notwendig, dass die Behörden von sich aus die Bürger informieren und zwar verständlich und deutlich, zum Beispiel auf der Wasserrechnung und nicht in irgendeinem Amtsblatt, das niemand liest."

Uran ist ein giftiges Schwermetall, das abhängig von der regionalen Bodenbeschaffenheit vor allem naturgegeben (geogen) im Trinkwasser vorkommt. Daneben kann Uran laut Bundesamt für Risikobewertung auch über mineralischen Phosphatdünger in die Umwelt gelangen.

Quelle: tmn

 
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