Besserung ab Montag: Deutschland ächzt unter "Daisy"
zuletzt aktualisiert: 09.01.2010 - 18:57Berlin (RPO). Tief "Daisy" hat Deutschland fest im Griff: Die dicke Schneeschicht und teilweise meterhohe Verwehungen sorgten vielerorts für erheblichen Behinderungen im Straßen- und Luftverkehr. Viele Flüge fielen aus, es ereigneten sich hunderte Unfälle. Am Montag soll der Schnee-Spuk zumindest im Westen vorüber sein.
Bei den meisten witterungsbedingten Unfällen blieb es bei Blechschäden. In Nordrhein-Westfalen meldete die Landesleitstelle der Polizei rund 120 Unfälle bis zum Mittag. Sie sprach dennoch von "einem ziemlich ruhigen Tag", da offenbar viele Verkehrsteilnehmer auf nicht unbedingt notwendige Autofahrten verzichtet hatten. Bei Übach-Palenberg starb ein 38-jähriger Mann, als ein Auto auf schneebedeckter Straße in den Gegenverkehr rutschte.
Vor allem auf Nebenstraßen der Insel Rügen brach der Verkehr zeitweise immer wieder zusammen. Der Winterdienst wurde auch durch Fahrzeuge behindert, die im Schnee festgefahren seien, sagte ein Polizeisprecher. Mehrfach hätten Fahrer ihre feststeckenden Autos verlassen und so die Räumtechnik blockiert. Auch die Polizei, deren Einsatzfahrzeuge in Mecklenburg-Vorpommern nur mit Allwetterreifen ausgerüstet sind, habe Probleme, schnell zu Unfallorten zu gelangen. Polizeiwagen mit Heckantrieb seien vorsorglich gleich in den Depots geblieben, sagte der Sprecher.
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Besonders kompliziert war die Lage am Kap Arkona. Bei Orkanspitzen der Windstärke 11 häuften sich immer wieder binnen einer halben Stunde in den Niederungen der Nebenwege meterhohe Verwehungen an, sagte Putgartens Bürgermeister Ernst Heinemann. Für die Einheimischen sei die Situation aber nicht ungewöhnlich. Erst wenn der benachbarte Bodden und die Ostsee zufrieren und zusätzlicher, auf das Eis gefallener Schnee ans Kap geweht werde, könne es dramatisch werden. "Wir hoffen aber, dass wir ab Sonntag wieder alle Wege freihaben und Urlauber wie gewohnt anreisen können."
Familie aus Schneewehe geborgen
Wie NDR 1 Radio MV berichtete, steckte auf einer Nebenstraße bei Dassow am Morgen eine Familie in einer Schneewehe fest. Erst nach vier Stunden konnte sie mit ihrem Auto befreit werden.
Teilweise dramatisch gestaltete sich die Verkehrslage auf Usedom und in den Landkreisen Uecker-Randow und Ostvorpommern. Dort seien die meisten Haupt- und Nebenstraßen kaum noch befahrbar, sagte ein Polizeisprecher. Viele Autos seien in Verwehungen stecken geblieben. Die Polizei riet daher, auf Fahrten mit dem Wagen in diesem Landesteil zu verzichten.
Stark beeinträchtigt wurde auch der Flugverkehr. Auf fast allen Flughäfen kam es zu Verspätungen. Am Frankfurter Flughafen fielen bereits am Morgen mehr als 200 Flüge aus.
Flugzeug rutscht von Starbahn
Auf dem Flughafen Nürnberg kam am Freitagabend ein Passagierflugzeug der Air Berlin mit 133 Passagieren auf dem Weg zur Startbahn von der Rollbahn ab und landete im Schnee. Die Passagiere, die nach Dortmund fliegen wollten, konnten die Maschine über normale Treppen verlassen.
Zwischen den Anschlussstellen Müllheim und dem Autobahndreieck Neuenburg auf der A 5 hatten sich an der Grenze zu Frankreich zwischenzeitlich mindestens 400 Lastwagen zweispurig auf rund fünf Kilometern gestaut. Nachdem das Lkw-Verbot wieder aufgehoben worden war, löste sich der Stau Angaben der Polizei zufolge zügig auf. Bereits am Samstagmittag meldete das Lagezentrum im baden-württembergischen Innenministerium wieder weitgehend freie Fahrt in diesem Bereich.
Im Zugverkehr gab die Deutsche Bahn am Abend mehrere Streckensperrungen in Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Auf den Strecken Züssow-Stralsund-Barth, Sanitz-Tessin und Bergen-Lauterbach könnten keine Züge mehr fahren, sagte ein Bahn-Sprecherin. Wie lang die Sperrungen dauern werden, sei noch nicht klar. Stundenlange Verspätungen gab es auf der Regionalbahnverbindung zwischen Berlin und Cottbus sowie zwischen Berlin und Hannover beziehungsweise Hamburg. Für Auskünfte schaltete die Bahn die Hotline 08000-996633. Viele Züge hatten Verspätung.
"Daisy" zieht weiter
Am Montag zieht das Tief "Daisy" endgültig nach Osten, und die Schneefälle klingen ab, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Samstag in Offenbach mitteilte. Am Sonntag ist es noch "hochwinterlich". Vor allem im Osten gibt es noch einmal einige Zentimeter Schneezuwachs. Ansonsten schneit es zwar verbreitet, vielfach aber "nur noch mit leichter Intensität".
In den nördlichen Mittelgebirgslagen sowie zur Küste hin ist weiterhin mit Schneeverwehungen zu rechnen. Die Temperaturen bewegen sich um den Gefrierpunkt an der Küste und zwischen minus drei bis minus sieben Grad in der Mitte und im Süden Deutschlands. Richtung Norden weht ein kräftiger Nordostwind mit stürmischen Böen, an der Küste gibt es Sturmböen.
In der Nacht zum Montag gibt es zeitweise Schnee, im Osten schneit es noch längere Zeit. Besonders zur Küste hin entsteht die Gefahr von Schneeverwehungen. Im Westen und ganz im Süden fällt wahrscheinlich kaum noch Schnee. Die Werte sollen um minus vier Grad im Norden und minus sechs bis minus zehn Grad im Süden und Osten liegen, bei Aufklaren auch darunter. In Küstennähe ist noch mit stürmischen Böen zu rechnen.
Am Montag fällt noch zeitweise Schnee, die Intensität ist laut DWD aber meist gering. Zuweilen können die Wolken auflockern. Im Norden und Westen sind die Chancen auf Sonne am größten. Die Temperaturen erreichen zwischen minus acht und minus zwei Grad und an der Küste die Gefrierpunktnähe.
Der Dienstag präsentiert sich wechselnd bewölkt, im Norden und Osten auch zeitweise heiter. Insbesondere im Westen, Süden sowie an der Küste ist noch etwas Schnee möglich.
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