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Vor 30 Jahren: Deutschland im Würgegriff der RAF

zuletzt aktualisiert: 18.10.2007 - 07:38

Düsseldorf (RPO). Vor 30 Jahren erlebte die Bundesrepublik Deutschland den Höhepunkt der schwersten Krise in der deutschen Nachkriegsgeschichte: Ein RAF-Kommando tötete den damaligen Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer. Kurz danach begangen die im Stammheimer Hochsicherheitstrakt einsitzenden RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe Selbstmord. Die Ereignisse des „Deutschen Herbstes“ sind nach den umstrittenen Äußerungen des begnadigten Terroristen Rolf Clemens Wagner so aktuell und brisant wie damals.

Mit der Ermordung Schleyers nach mehr als sechs Wochen in der Gewalt der RAF endete der so genannte "Deutsche Herbst". Schleyers Leiche wurde am Abend des 19. Oktober 1977 im französischen Mühlhausen im Kofferraum eines grünen Audi gefunden. Mit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten am 5. September 1977 in Köln hatten die Terroristen versucht, inhaftierte RAF-Mitglieder freizupressen.

Bei der Entführung wurden Schleyer Fahrer und drei Leibwächter erschossen. Die Terroristen verschleppten den damaligen Arbeitgeberpräsidenten und hielten in ihn einer Wohnung fest. Ein Foto Schleyers, das ihn als Gefangener der RAF zeigt, ging um die Welt.

Bundeskanzler Helmut Schmidt ging auf die Forderungen der Entführer nicht ein. Sechs Wochen später, am 18. Oktober, fand man Schleyers Leiche im Kofferraum eines Autos, abgestellt in einem Waldstück bei Mühlhausen. Bei den Tätern soll es sich um Rolf Heißler und Stefan Wisniewski handeln. RAF-Aussteiger Peter-Jürgen Boock hatte die Namen in einem Interview für eine NDR-Fernsehdokumentation genannt.

Laut Boock war Schleyer zwischen dem 18. Oktober mittags und dem 19. Oktober 1977 morgens mit drei Schüssen aus nur einer Waffe ermordet worden. Allerdings hatten unterschiedliche Schusswinkel auf zwei verschiedene Täter hingedeutet.

Mit der Kaperung der Lufthansa-Maschine "Landshut" durch ein palästinensisches Kommando am 13. Oktober hatte die RAF versucht, den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen. Nach einem Irrflug über Zypern, Bahrain und Dubai mussten die Entführer mangels Treibstoff in Aden notlanden. Als der Pilot Jürgen Schumann mit Erlaubnis der Terroristen das Fahrwerk untersuchte, aber erst spät in das Flugzeug zurückkehrte, wurde er an Bord im Mittelgang erschossen.

Nach dem Weiterflug in die somalische Hauptstadt Mogadischu stürmte ein deutsches Kommando der GSG9 die Maschine. Bei der Befreiungsaktion tötete die Spezialeinheit drei der vier Terroristen. Wenige Stunden nach der Befreiung der "Landshut"-Passagiere am 18. Oktober 1977 in Mogadischu begingen drei Mitglieder des harten RAF-Kerns im Gefängnis von Stuttgart-Stammheim Selbstmord: RAF-Gründer Andreas Baader sowie Jan-Carl Raspe benutzten Pistolen, Gudrun Ensslin erhängte sich.

Rechtsanwalt schmuggelte Waffen ins Gefängnis

Die Waffen hatte der RAF-Rechtsanwalt Arndt Müller – angeblich ohne sein Wissen – bereits 1976 in das Hochsicherheitsgefängnis geschmuggelt. Sein Gehilfe Volker Speitel, der sich später der RAF anschloss, hatte einen Aktenordner so ausgehöhlt, dass die Waffen mit abmontierten Griffschalen in den Hohlraum passten. Im Gerichtssaal übernahmen die Häftlinge die Akten und brachten sie in ihre Zellen. Raspe versteckte seine Pistole im Mauerwerk, Baader in seinem Plattenspieler.

Bis heute sind die Begleitumstände der Todesnacht von Stammheim nicht vollständig aufgeklärt. Die RAF und ihre Sympathisanten behaupteten, der Staat habe den Mord in Auftrag gegeben. Es gilt jedoch als unumstritten, dass Baader, Raspe und Ensslin sich selbst töteten. Unklar bleibt die Rolle der Ermittlungsbehörden. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ präsentierte Fakten, denen zufolge die RAF-Häftlinge abgehört worden waren.


 
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