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Prozess gegen Sauerland-Gruppe: "Deutschland sucht den Super-Terroristen"

zuletzt aktualisiert: 05.05.2009 - 17:43

Düsseldorf (RPO). "Deutschland sucht den Super-Terroristen": Mit solch erschreckenden Sprüchen und in offenbar bester Laune haben sich die mutmaßlichen Mitglieder der Sauerland-Gruppe unterhalten - während sie Anschläge planten, die möglichst viele Menschen töten sollten. Nach Angaben des BKA planten die Angeklagten unter anderem einen Anschlag auf die US-Militärbasis Ramstein. Am Dienstag wurde der Prozess in Düsseldorf fortgesetzt.

"Mir wär's am liebsten: Ganz Deutschland wegbomben", soll der als Rädelsführer geltende Angeklagte Fritz Gelowicz dabei gesagt haben. Wenn der Anschlag klappe, werde es abgehen, fügte einer der Männer hinzu: "Die Welt wird brennen."

Im Prozess gegen die vier mutmaßlichen Sauerland-Terroristen sagte am Dienstag ein BKA-Ermittler als Zeuge aus und zitierte ausführlich aus abgehörten Gesprächen der Angeklagten in zwei Mietwagen und dem von ihnen zum Bombenbau angemieteten Ferienhaus im Sauerland. Insgesamt hatten die Ermittler rund 30 Stunden Gespräche der Angeklagten belauscht. Dabei sei rund 40 Mal das Wort "Anschlag" auf deutsch und arabisch gefallen, zudem fast 30 mal das Wort "Bombe".

"Da müssen welche sterben"

Wiederholt malten sich die drei in das Ferienhaus eingezogenen Angeklagten Gelowicz, Adem Yilmaz und Daniel Schneider dem Zeugen zufolge die möglichen Reaktionen auf die geplanten Taten aus. Einer habe die symbolische Wirkung des 11. September als Anschlagsdatum betont: "Wenn wir's am 11. kriegen (...) die flippen doppelt aus." Der Angeklagte Yilmaz fügte hinzu: "Da müssen welche sterben." Und: "Wir machen so lange weiter, bis wir sehen, dass das klappt."

Auch über Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble machten sich die Männer lustig, weil dieser sich nach einem erfolgreichen Anschlag den Journalisten stellen müsse. "Der Schäuble, wenn der vor die Presse tritt, das wird so geil." Gelowicz habe Schäuble imitiert und ihm die Worte in den Mund gelegt: "Wir gehen von einem Terror-Anschlag aus."

Yilmaz zitierte der BKA-Ermittler einmal mit den Worten: "Deutschland sucht den Super-Terroristen." Dass sie als solche gesehen werden, schien für die Männer ohnehin nicht in Frage zu stehen. "Wenn die uns kontrollieren, die wissen genau, wir sind Islamisten", soll einer von ihnen dem Zeugen zufolge gesagt haben.

Angeklagte hatten US-Einrichtungen im Visier

Nach den Erkenntnissen der Ermittler hatten die Männer den Luftwaffenstützpunkt Ramstein und andere US-Einrichtungen als Anschlagsziele ins Visier genommen, wie der 30-jährige Kriminaloberkommissar berichtete. "Das Wichtigste sind amerikanische Ziele. Nach denen wird alles ausgerichtet", zitierte er aus den Gesprächen. Der Angeklagte Gelowicz sagte demnach: "Ramstein hört sich gut an." Allerdings sollen er und Yilmaz die Airbase zunächst als zu schwieriges Ziel abgelehnt haben. Schneider habe es dann wieder ins Spiel gebracht: Er habe sich einen Monat dort die Sicherheitsvorkehrungen angeschaut und halte die Tat für möglich.

Die Männer waren der Zeugenaussage zufolge offenbar bereit, sich einer Festnahme notfalls mit Gewalt zu entziehen. "Wenn die uns jetzt festnehmen, wir haben falsche Nummernschilder...", soll Gelowicz einmal gesagt haben. "Wenn die die Nummernschilder finden, ist alles vorbei." Yilmaz habe gesagt: "Dann stech' ich ihm den Hals ab." Weiter hieß es in dem Gespräch: "Wir packen die auch mit hier in den Wald."

Die zum Islam konvertierten Deutschen Gelowicz und Schneider, der in Deutschland geborene Türke Atilla Selek und sein Landsmann Yilmaz müssen sich seit 22. April vor Gericht verantworten. Sie sollen eine deutsche Zelle der Islamischen Dschihad Union (IJU) gegründet haben. Die Anklage lautet auf Mitgliedschaft in einer inländischen und in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags und Verabredung zum Mord. Der 23-jährige Schneider muss sich zudem wegen versuchten Mordes verantworten, weil er bei seiner Festnahme auf einen Polizisten geschossen haben soll.

Quelle: AP

 
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