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86-Jährige steht nun im Guinnessbuch
Die älteste Turnerin der Welt empfiehlt Bettgymnastik
Die älteste Turnerin der Welt
Die älteste Turnerin der Welt FOTO: dpa, Waltraud Grubitzsch
Halle. Der Barren ist mit weit über 80 noch ihr Lieblingsgerät. Der Terminkalender von Johanna Quaas gleicht dem eines Managers. Pausen gönnt sich die quirlige Frau aus Halle in Sachsen-Anhalt kaum. In der jüngsten Ausgabe des Guinness-Buches der Rekorde steht sie als älteste Wettkampfturnerin der Welt. An Dienstag  wird die dreifache Mutter und zweifache Oma 87 Jahre alt.

Ihr Temperament ist fast nicht zu zügeln. Kaum eine klassische oder auch Trendsportart gibt es, für die sie sich nicht begeistert, erzählt Quaas, als sie gerade vom Hot-Gym-Kurs kommt. Dabei holt sie ihr durchgeschwitztes T-Shirt aus der Sporttasche und wirft es im Bad ihrer gemütlichen Wohnung in die Waschmaschine.

Ganzkörpertraining im 40 Grad warmen Raum - was so manch jungem Menschen allein bei der Vorstellung den Angstschweiß auf die Stirn treibt, meistert die leidenschaftliche Sportlerin locker. "Aroha" heißt eine weitere Leidenschaft der Sportlerin. "Das ist ursprünglich ein australischer Kriegstanz, das ist gut für die Kondition, die brauche ich ja fürs Turnen", sagt die fast 87-Jährige ein paar Tage vor ihrem Geburtstag im Interview. Im gleichen Atemzug vereinbart sie am Telefon einen neuen Termin für "Die sieben Tibeter", um sich bei diesem Kurs auch auf ihre bewusste Atmung konzentrieren zu können.

Auch Faule können Gymnastik machen - im Bett

Bei der Präsentation des neuen Guinness-Buches der Rekorde im September in London sei sie entspannt gewesen, sagt die rüstige Seniorin. Am Barren sich aus dem Schwung in den Handstand zu drücken, war für sie keine Mühe, Rad schlagen am Boden ein Klacks, auf dem Schwebebalken kennt sie bis heute keine Angst.

Mal gar keinen Sport zu machen, das ist für sie ein Unding. Selbst nach einen schweren Operation war Quaas vier Wochen später nicht mehr zu halten und turnte wieder.

"Am liebsten würde ich für die, die faul sind und kein Lust auf Bewegung im Stehen haben, Bettgymnastik erfinden", erzählt sie und demonstriert es sogleich. "Auch unter der Bettdecke kann man Übungen machen, Bauch anspannen, mit den Füßen leichte Bewegungen machen, die Zehen oder auch die Arme strecken."

Turnen wollte sie schon immer. "Turnen verlangt einem alles ab, man muss Kraft haben, geschmeidig sein und Mut haben, manches zu überwinden." Wäre es nach ihrem Vater gegangen, wäre sie Sekretärin geworden. "Für mich kam aber nur Sport infrage", sagt Quaas, die 1925 in Hohenmölsen im Süden Sachsen-Anhalts zur Welt kam. Nach Stationen in Stuttgart und Weißenfels hat es sie nach Halle verschlagen. "Immer in Bewegung bleiben und raus ins Freie", das gibt sie Jüngeren als ihr Patentrezept mit auf den Weg.

Über Nacht zum Medienstar

Weltweit hat die 1,52 Meter kleine Frau mit den funkelnden Augen eine riesige Fangemeinde. Zum Medienstar wurde sie durch ein Internet-Video, in dem sie bei einem Wettkampf, beim "Turnier der Meister" in Cottbus im Herbst durch ihre Professionalität am Barren Menschen aller Altersgruppen faszinierte. Millionfach wurde das Video schon angeklickt. Ob Zeitungen in China, Kamerateams aus Brasilien, der Türkei, Italien, England oder Amerika - die Turnerin wurde über Nacht zum Medienstar. Trotz ihrer Erfolge - mit neun Jahren hatte sie 1934 ihren ersten Wettkampf als Turnerin - ist die studierte Sportlehrerin, Sportlehrerausbilderin und Trainerin bodenständig geblieben.

Ihre Familie: drei Töchter, zwei Enkelkinder und ein Ehemann, der frühere Turntrainer Gerhard Quaas. Den Haushalt macht sie "zwischendurch", erzählt sie, - wenn sie nicht gerade beim Sport, mit dem Fahrrad oder schnellen Schrittes zu Fuß unterwegs ist oder mal eben ihre Bahnen in der Schwimmhalle "ganz entspannt durchzieht".

"Dabei bleiben, nicht aufhören", das ist ihr Erfolgsgeheimnis, sagt die Turnerin. Seit dem Jahr 2000 hat Quaas elfmal die Deutschen Seniorenmeisterschaften gewonnen. Weil sie in Südtirol die Berge hochgekraxelt ist, konnte sie in diesem Jahr allerdings nicht teilnehmen.

 

Quelle: dpa
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