Sachsen und Brandenburg nach der Windhose: Die Mühlberger räumen auf
zuletzt aktualisiert: 26.05.2010 - 13:50Mühlberg (RPO). Einen Tag nach der verheerenden Windhose im südbrandenburgischen Städtchen Mühlberg bleibt den Menschen nur das Aufräumen. Am Pfingstmontag hatte der Wirbelsturm über 300 Meter eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Die Mühlberger Innenstadt war verwüstet und bei mehr als einhundert Häusern die Ziegeldächer abgedeckt.
Mit einer großen Motorsäge zerkleinert Manfred Jäger den dicken Baumstamm vor seiner Haustür. "Wir hatten Glück, dass die Eiche nicht direkt auf unser Dach gefallen ist", erzählt der Familienvater.
Lothar Junker hat das Unwetter mit am schwersten getroffen. Der Sturm zerstörte den halben Dachstuhl seines Wohnhauses. Die herunterfliegenden Teile landeten direkt auf seinem Auto - Totalschaden. Mit einer Schaufel befreit er den Weg von herumliegenden Dachziegeln und Ästen. "Wir brauchen einen Container", sagt der 53-Jährige. Doch die ansässigen Firmen seien überlastet und wollen erst in ein paar Tagen vorbeischauen.
Ohne Strom mussten die 4500 Mühlberger die Nacht verbringen. "Wir haben uns Kerzen angezündet und sind enger zusammengerückt", erzählt Wolfgang Kühne, dem der Schreck noch immer ins Gesicht geschrieben steht. "Ich habe gedacht, die Welt geht unter", sagt der 63-Jährige. Der Himmel sei auf der einen Seite schwarz, auf der anderen Seite dunkelgrün gewesen. Dann prallten tennisballgroße Hagelkörner auf den Boden, die sich wie Donnerschläge angehört hätten.
- Lage: im südwestlichen Teil Brandenburgs (Landkreis Elbe-Elster), direkt an der Elbe und an der Grenze zu Sachsen.
- Einwohner: 4430
- Historischer Stadtkern mit zahlreichen alten Bürgerhäusern aus dem 17. Und 18. Jahrhundert.
- Eine Sehenswürdiglkeit ist das Zisterzienserkloster "Marienstern" aus dem 13. Jahrhundert - die Klosterkirche mit ihrer prachtvollen Westfassade zählt zu den bedeutendsten Backsteinbauten in Deutschland.
- 690 Meter lange Elbbrücke verbindet seit Dezember 2008 Brandenburg mit Sachsen.
Die Stadt war bis zum Dienstagmorgen von der Außenwelt praktisch abgeschnitten. Zahlreiche Verbindungsstraßen waren von umgestürzten Bäumen blockiert. Die 690 Meter lange Elbbrücke musste bis Dienstagvormittag gesperrt werden. Rund 350 Feuerwehrleute arbeiteten die ganze Nacht, um die Zufahrtsstraßen wieder zugänglich zu machen.
Brigitte Schaller macht einen Rundgang durch die Stadt, um sich die Schäden anzusehen. Sie bleibt am Eingang des historischen Klosterparks stehen und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Fast alle der zahlreichen hundertjährigen Eichen und Kastanien liegen umgeknickt am Boden. "Das ist ja furchtbar und schlimmer als bei Kyrill", sagt sie mit Tränen in den Augen. Den Sturm und die Angst werde sie wohl nie vergessen, als sich am Montag gegen 15.15 Uhr der Himmel plötzlich verdunkelte. "Das ganze Haus hat gewackelt. Die Kinder haben geschrien und draußen flogen Mülltonnen und Dreck umher."
Die ganze Stadt scheint auch einen Tag nach dem schweren Unwetter noch unter Schock zu stehen. Überall laufen Einwohner ungläubig umher, schütteln mit dem Kopf und wirken ratlos. Hunderte umgeknickter Bäume, unzählige Dachziegel, Schutt und Schmutz liegen auf den Wegen. Viele Autos stehen mit zerschlagenen Scheiben demoliert am Straßenrand. "Das gesamte Ausmaß der Schäden wird erst in ein paar Tagen abzuschätzen sein", sagt Bürgermeisterin Hannelore Brendel, die mit dem Landkreis und der Landesregierung einen Krisenstab gebildet hat.
Die Windhose habe fast ausschließlich in Mühlberg gewütet. Dabei sei es außerhalb der Stadt und Umgebung kaum zu größeren Schäden gekommen, sagte Polizeisprecher Lutz Miersch. Menschen wurden den Angaben zufolge nicht verletzt.
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