Karneval: Die Narren sind los
zuletzt aktualisiert: 03.02.2005 - 14:02Düsseldorf/Köln (rpo). Das Rheinland ist nun für fast eine Woche in Narrenhand. Pünktlich um 11.11 Uhr an Weiberfastnacht hatten die Narren die Herrschaft in den karnevalistischen Hochburgen übernommen. Tausende maskierte "jecke Wiever" stürmten die Büros und Amtsstuben, um Krawattenträgern mit der Schere zu Leibe zu rücken. Als Entschädigung wurde ausgiebig "gebützt" (geküsst).
Bis Aschermittwoch läuft das öffentliche Leben zwischen Aachen und Bonn allein im Takt der "decken Trum", wie hier das typische Schlagwerkzeug der Jecken heißt.
Schon kurz nach neun Uhr ging am Donnerstag nichts mehr in der Kölner Altstadt. Auf dem Altermarkt warteten 10 000 kostümierte Jecken sehnsüchtig auf das Dreigestirn "Prinz Spassmann" Walter II., Bauer Uli und Jungfrau Claudia. Das karnevalistische "Regierungsviertel" musste wie in jedem Jahr wegen Überfüllung geschlossen werden.
Bei den Kostümen haben die Narren in diesem Jahr offenbar nicht gespart. Trend bei den Männern sind eindeutig Schottenröcke, während weibliche Jecken bevorzugt in Kleingruppen auftraten, wahlweise als verführerische Außerirdische, Großmütter oder Piratenbräute maskiert.
Einige Jecken hatten ganz besonders schnell reagiert und gingen als Bundesliga-Schiedsrichter, denen fotokopierte 100-Euro-Scheine aus den Brusttaschen hingen.
Eigens zur Weiberfastnacht aus Hamburg angereist kam Karin Schultes an den Dom. Die 38-Jährige gebürtige Kölnerin hatte sich mit drei Freundinnen als "Honigbienchen" verkleidet: "Weil wir so süß sind", verriet die kaufmännischen Angestellte, die sichtlich erleichtert war, dass "der Kölner Prinz dieses Jahr so richtig gut aussieht".
In der Landeshauptstadt Düsseldorf musste der Erste Bürgermeister Dirk Elbers (CDU) wie viele seiner Geschlechtsgenossen die Krawatte opfern. Er gab, den erkrankten Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) vertretend, das Regiment an die "Möhnen" ab. "Ich mache das Rathaus frei und Ihr geht rein", zeigte sich Elbers geschlagen.
Prinz Peter V. nebst Venetia Irene marschierten samt Prinzengarde ins Rathaus, nicht ohne zuvor mit einem dreifachen "Düsseldorf Helau" den rund 6000 Jecken einzuheizen: "Hier ist ja mehr los, als in Kölle", begab sich der Prinz in den Wettbewerb mit der Domstadt. Venetia Irene forderte die "Weiber" auf: "Macht die Jungs strubbelig und geht später als sie nach Hause!"
Unter dem Motto "Düsseldorf - Bunt wie die Welt" schunkelten und sangen Hexen, Mönche, Hasen, Clowns und andere zum Teil für die Temperaturen zu leicht bekleidete Karnevalisten. Auf die Kürze der laufenden Session angesprochen, sagte eine wippende Teufelin: "Hauptsache, es wird gefeiert." Zum Glück müssten ja keine Partys ausfallen - so könne sogar "intensiver und komprimierter" gefeiert werden.
Im Bonner Stadtteil Beuel wehrte sich das männliche Bezirksoberhaupt ebenso tapfer wie vergeblich gegen den Ansturm der jecken Weiber. Unter dem Kommando von "Obermöhn" Evi Zwiebler und der "Wäscherprinzessin" Sandra I. fiel schließlich das Rathaus - ein unfairer Kampf, hatten die jecken Waschweiber doch mit Bonns Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) eine mächtige Verbündete.
Auch jenseits der jecken Hochburgen forderte der Karneval sein Recht. So fand in Unna auch in diesem Jahr der "kleinste Karnevalsumzug der Welt" statt. Unterstützt von rund 20 Sympathisanten stürmte der 70-jährige Helmut Scherer das Rathaus.
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