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SEK führt mehrere Razzien in der Region durch: Die Spur der Gewalt im Rocker-Milieu

VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012 - 10:35

Düsseldorf (RPO). Eine Razzia mit schwerem Gerät, ein explodierter Sprengsatz, eine Massenschlägerei - die Ereignisse der vergangenen Wochen erinnern an 2009, als der Rockerkrieg zwischen Bandidos und Hells Angels in Duisburg eskalierte. Dazwischen lag ein Friedensschluss zwischen den verfeindeten Gruppen. Übrig geblieben ist davon aber nur wenig. Im Gegenteil: Die Gewalt scheint wieder zuzunehmen.

Ein Bordell in Leverkusen und drei Wohnungen in Köln, Duisburg und Leverkusen durchsuchten die Beamten des SEK in der Nacht. Es wurden Hieb- und Stichwaffen sichergestellt, Verdächtige befragt, Festnahmen erfolgten allerdings nicht.

Grund für den zeitgleichen Einsatz war jene Massenschlägerei am 21. Januar in der Altstadt von Mönchengladbach mit 100 Beteiligten, bei der vier Menschen verletzt wurden. Unter anderem erlitt ein Hells Angel lebensgefährliche Verletzungen. Eine Videoaufzeichnung hatte die Beamten auf die Spur von zwei Verdächtigen gebracht - und die sollen den Bandidos angehören. 

Symbolischer Friedensschluss zwischen Hells Angels und Bandidos im Jahr 2010. Foto: dapd, APN

Ergebnisse zu der Razzia wird es wohl erst in den kommenden Tagen geben, doch schon jetzt ist klar, dass der Rockerkrieg einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Schon nach der Massenschlägerei wurde befürchtet, dass es zu Racheakten kommt. Und kurz darauf explodierte vor einem Lokal der Bandidos in Herten ein Sprengsatz. Auch auf ein Haus in Oberhausen, in dem ein Mitglied der Rocker lebt, wurde geschossen, ein Zusammenhang ist nicht ausgeschlossen. Und in Düsseldorf wurden nach einer Großrazzia Verfahren gegen neun Rocker wegen Verstoßes gegen das Waffenrecht eingeleitet.

Verbote im hohen Norden

Dabei war es in den vergangenen Monaten verhältnismäßig ruhig geworden rund um den Machtkampf der verfeindeten Lager. Gelegentlich gab es Razzien wie etwa im Juni vergangenen Jahres in Duisburg und Moers, wo ebenfalls Waffen sichergestellt wurden. Auch waren im Mai 2011 in Duisburg Hells Angels und Bandidos aufeinander losgegangen. 

Doch das alles war kein Vergleich zu 2009. Damals, im Oktober, starb ein Bandido, nachdem auf ihn Schüsse abgegeben wurden. Der Prozess gegen den Täter erfolgte unter enormen Sicherheitsvorkehrungen. In der Folge gab es Anschläge auf die Vereinslokale beider Rocker-Gruppen und eine Massenschlägerei in Duisburg. Und nicht nur in der Region machten die Rocker von sich reden. Auch im Norden und in der Region Berlin-Brandenburg kam es zu mehreren Gewalttaten.

In der Folge wurde der Ruf nach einem Verbot der Gruppen immer lauter. Schleswig-Holstein jedenfalls zog schnell die Konsequenzen. In Flensburg und in Neumünster wurden zwei Ortsgruppen der Hells Angels und der Bandidos verboten. Der Druck auf die Gruppen wuchs. Und so entschlossen sich Bandidos und Hells Angels zu einem medienwirksamen Schritt.

Friedensschluss im Jahr 2010

Auf ihren Webseiten kündigten die Rocker im Jahr 2010 einen Friedensschluss an. Der sollte konsequent durchgesetzt, Verstöße der Mitglieder gegen die Waffenruhe bestraft werden. Symbolträchtig gab es auch noch ein Foto bei einem Rechtsanwalt zwischen einem Mitglied der Hells Angels namens Lobo und Frank Hanebuth, dem Präsident des Hells Angels Charters.

Dass dieser Frieden wirklich ernsthaft sein würde, daran hatte schon damals kaum ein Experte geglaubt. Spätestens die jetzigen Ereignisse zeigen, dass der Friedensschluss nur eine Farce war angesichts des erhöhten Drucks vonseiten der Politik. Und der lässt auch jetzt nicht nach. Auch wenn beide Rocker-Gruppen gerichtlich noch gegen die Verbote in Schleswig-Holstein vorgehen, das Bundesland bleibt konsequent.

Erst vor wenigen Tagen hatte Innenminister Klaus Schlie das Hells Angels MC Charter Kiel verboten. Er sprach von einem "erneuten Schlag gegen die Rockerkriminalität. Zugleich gab es Razzien. Und die als Treffpunkt dienende "Sansibar" im Hafen der Stadt wurde von der Stadt geschlossen. 

Auch in NRW werden nach den aktuellen Ereignissen die Rufe nach einem Verbot wieder lauter. Eine Sprecherin des Innenministers jedenfalls hatte nach der Massenschlägerei ein "konsequentes" Vorgehen gegen die Rockerkriminalität angekündigt. Die Razzia der Nacht darf wohl als erster Schritt in diese Richtung gelten.

Quelle: das/csi/top

 
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