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Riesige Ölpest vor der US-Küste
Die Tiere sterben, die Menschen weinen

Die Tiere sterben, die Menschen weinen
Die Tiere sterben, die Menschen weinen FOTO: AFP
Fort Jackson (RPO). Seit mehr als zwei Wochen schießt jeden Tag tonneweise Öl aus der gesunkenen BP-Plattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko. An den Küsten der USA zeigt sich jetzt das ganze Außmaß der Katastrophe. Verklebte Pelikane verenden elendig. Tote Fische treiben auf der braunen Brühe. Während Helfer rund um die Uhr gegen die Ölpest kämpfen, stehen andere weinend am Strand – und beten zu Gott für ein Wunder.

Charlie Green bricht in Tränen aus. Der junge Mann, der wie ein Surfer aus dem Katalog aussieht, steht mit einer Gruppe Gläubiger am Strand von Pensacola (Florida) und betet. Mit der Hand fährt er sich verzweifelt durchs Gesicht. Die Augen schließt er. Die Menschen bitten Gott, das größte Unheil doch noch abzuwenden. In Florida wurden bereits erste Ölklumpen an den Strand gespült. Die Menschen befürchten, dass es bald noch viel, viel schlimmer wird.

Braunpelikane vom Öl verschmiert

Im US-Bundesstaat Louisiana ist die Lage noch dramatischer. Seit Freitag werden tote Braunpelikane am Strand angespült. Das Öl hat den bis 1,30 Meter großen Vögeln das Gefieder verschmiert. Ohne Hilfe der Menschen haben die Tiere keine Chance zu überleben. Für Tierschützer gleich eine doppelte Katastophe. Bei den Pelikanen ist in diesen Wochen Brutzeit. Die Schäden für Tier und Natur sind unabsehbar. 

Helfer veruschen verzweifelt, die Tiere von dem Ölfilm zu befreien. Im Vogel-Rettungszentrum von Fort Jackson am Mississippi-Delta herrscht Hochbetrieb. In den vergangenen Tagen wurden mehr als 200 Tiere eingeliefert. Einen der rund einen Meter großen Braunpelikane vom Öl zu befreien, dauert etwa eine Stunde. Zuerst wird das meiste Öl mit einem Handtuch abgerubbelt, erklärt eine Tierärztin.

Viele Tiere sterben vor Schreck und Angst

Dann wird das restliche Öl mit einem Reinigungsmittel und warmen Wasser entfernt. Um festzustellen, ob der Vogel krank ist, wiegen die Helfer ihn und messen seine Temperatur. Zum Abschluss wird ein Röhrchen mit Wasser in dem großen Schnabel des Pelikans platziert, das ihm in den kommenden zwei Tagen bei der Rehydrierung helfen soll. Bis das Federkleid trocken und wieder wasserabweisend ist, müssen die Braunpelikane noch vier bis sieben Tage im Schutzzentrum bleiben.

Weil das Öl so klebrig ist, müssen die Helfer stark rubbeln. Immer wieder sterben Pelikane an Angst und Stress. Aber immerhin haben die Tiere in Fort Jackson eine Überlebenschance. In freier Wildbahn sterben ölverschmierte Braunpelikane an Unterkühlung oder Vergiftung, andere ertrinken. Braunpelikane sind besonders oft und stark mit einer gefährlichen Ölschicht überzogen, weil sie als einzige Pelikanart im Wasser nach Fischen tauchen.

BP erzielt zumindest einen Teilerfolg

Seit dem Wochenende gibt es indes Grund für verhaltenen Optimismus in der Region. Die Bemühungen, das Öl zu stoppen, hatten zumindest einen Teilerfolg.  Ein neuer Trichter über dem lecken Bohrloch saugte nach Angaben der US-Küstenwache innerhalb der ersten 24 Stunden rund eine Million Liter Öl ab. Wie BP-Chef Tony Hayward berichtete, befördert der über dem Leck platzierte Trichter täglich etwa 10.000 Barrel Öl (1,59 Millionen Liter) an die Meeresoberfläche.

Bis zum kommenden Wochenende will BP ein weiteres Absaugsystem errichten und die Menge so erhöhen. Wissenschaftler der US-Regierung schätzen, dass pro Tag zwischen 12.000 und 19.000 Barrel ausströmen. Insgesamt sind seit dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April schon bis zu 182 Millionen Liter Öl ausgelaufen.

(AFP/csi)
 
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