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Forschungsflug soll Daten liefern
"Die Wolke gibt es wirklich"

Das DLR-Forschungsflugzeug Falcon 20E
Das DLR-Forschungsflugzeug Falcon 20E FOTO: AP
Oberpfaffenhofen (RP/RPO). Ein kleiner, betagter Jet soll endlich Fakten über die Zusammensetzung der Luft über Deutschland liefern. Ziel der Mission war die erste direkte Messung der Vulkanasche-Konzentration. Am Montagabend landete die Maschine nach fast vierstündigem Flug. Bisher halten sich die Wissenschaftler mit Erklärungen zurück. Nur so viel ist klar: Die Wolke ist rot-braun.

Am Morgen bestätigte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen die Existenz der Vulkanwolke über Deutschland. Das allein ist bemerkenswert. Zwar hatte niemand ernsthaft bestritten, dass derzeit Asche-Partikel im deutschen Luftraum zu finden sind, wohl aber, dass daraus eine Gefahr für den Luftverkehr erwächst. Vor allem die wirtschaftlich gebeutelten Airlines hatten die Sinnhaftigkeit der Sperrung des Luftraums scharf kritisiert. Eigene Testflüge seien problemlos absolviert worden, die Sperrung nur aufgrund von Computersimulationen verfügt. Der Vorwurf der vorschnellen Panikmache ohne jede belastbare Grundlage steht im Raum.

Endlich Daten Nun sollen endlich wissenschaftlich erhobene Daten einen klaren Befund liefern, ob die Konzentration der Vulkanasche über Deutschland eine Gefahr für Flüge darstellt oder nicht. Dazu startete am Montag kurz nach 16 Uhr im oberbayerischen Oberpfaffenhofen bei München die Falcon 20E zu einem Rundflug über Deutschland. Die Ergebnisse sollen heute vorliegen und die Daten des Deutschen Wetterdienstes und der weltweiten Beobachtungszentren der internationalen Luftverkehrsorganisation ergänzen. 

Spezielle Ausrüstung An Bord der betagten kleinen Maschine (eine Falcon 20E, Baujahr 1976) waren neben der dreiköpfigen Flugbesatzung Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Seit vergangenem Freitag war das DLR-Forschungsflugzeug für die besondere Aufgabe ausgerüstet worden. Die mit speziellen Lufteinlässen und Fenstern für Messungen ausgestattete Maschine kann Flughöhen von bis zu 12.000 Metern erreichen.

Messungen in allen Höhen Auf ihrem fast vierstündigen Flug hatte die mehr als 900 km/h schnelle Falcon zunächst Kurs auf Leipzig, Hamburg und dann auf die niederländische Grenze genommen. Zum Abschluss flogen die Forscher über Stuttgart zurück nach Oberpfaffenhofen, so dass sie einen Überblick über den gesamten deutschen Luftraum gewinnen konnten. Während des Fluges wurde in Höhen zwischen zwei und zwölf Kilometern gemessen.

Die Wolke ist braun Die Wissenschaftler halten sich bislang mit einer Bewertung zurück. Man wolle die Daten mit aller gebotenen Sorgfalt auswerten, hieß es gestern Abend. Erste genauere Erkenntnisse wollte die DLR am Mittag vorstellen. Nur, dass es die Wolke wirklich gibt, bestätigen die Forscher bislang. "Die Piloten erkannten in den Wolkenstrukturen eine deutliche Braunfärbung, das heißt, es gibt die Wolke wirklich", sagte DLR-Sprecher Andreas Schütz am Dienstag im Bayerischen Rundfunk. Andere Testflieger sprachen von einer rötlichen Braunfärbung.

Die Wolke ist variabel Ulrich Schumann, Leiter des DLR-Instituts für Physik und Atmosphäre, sagte am Abend, die Ergebnisse seien sehr variabel gewesen. "Sie waren über Leipzig anders als über Hamburg und anders als wieder in Stuttgart", so Schumann. Je nach Messort kann die Asche-Konzentration demnach völlig unterschiedlich ausfallen. Laut Angaben auf der Homepage des DLR deuten die Messungen zudem darauf hin, dass die Maschine bereits gealterte Ascheschichten durchflogen hat. Wie am Dienstag die britischen Luftbehörden mitteilten, ist mit frischem Nachschub zu rechnen. Eine neue Aschewolke steuere auf den Kontinent zu.

Keine Schäden Im Innern der Falcon wurde angesaugte Luft mit anderen Geräten untersucht, um die Dichte und Größe der Staubpartikel in der Aschewolke näher zu bestimmen. Zu diesem Zweck musste der als besonders robust geltende Jet in die Nähe der Wolke gesteuert werden. Am DLR-Forschungsflugzeug "Falcon" seien keine Schäden festgestellt worden, erläuterte Schütz. Allerdings sei das Flugzeug "nicht in der Wolke, sondern durch die Wolke geflogen". Solch ein Flugverhalten sei für Verkehrsflugzeuge nicht möglich.

Laser misst Asche Weil die Falcon 20E die Aschewolke der Höhe nach durchstoßen hat, kann sie Aufschlüsse über die vertikale Struktur der Schadstoffe liefern. Satelliten-Aufnahmen liefern naturgemäß fast nur Daten über die horizontale Verteilung. Ein Gerät an Bord des zweistrahligen Jets sendet in 10.000 Meter Höhe Laserimpulse aus und empfängt die Lichtsignale, die von der Atmosphäre zurückgestrahlt werden. "Daraus lassen sich beispielsweise Konzentrationsprofile von Aerosolpartikeln ableiten", erläuterte Ulrich Schumann, Leiter des DLR-Instituts für die Physik der Atmosphäre.

Zu wenig Messsysteme? Der Vorsitzende des Bundestagsverkehrsausschusses, Winfried Hermann (Grüne) kritisierte im ZDF, es gebe zu wenig Messsysteme und Datensammelstellen in Deutschland, um die Bewegungen der Vulkanasche in der Luft zu analysieren. Es müsse darüber nachgedacht werden, ob künftig nicht dauerhaft Flugzeuge bereitstehen, die Messungen durchführen könnten. Eine solche Entscheidung könne jedoch nur europaweit getroffen werden.

Andere sind schneller Erst nach fünf Tagen der erste Testflug, nicht einsatzbereite Geräte, fehlendes Know-how, wütende Luftlinienbetreiber - das magere Wissen über die Zusammensetzung der Aschewolke hat in Deutschland jede Menge Kritik an Behörden und Politik hervorgerufen. Zumal das Ausland in einigen Fällen offensichtlich schneller war. Forscher der ETH Zürich messen seit Freitag mit Hilfe von Wetterballons, Lasern und Testflugzeugen kontinuierlich die Entwicklung der Wolke. Ergebnis: Auf einer Höhe von vier bis fünf Kilometern fanden sich besonders viel Aerosolpartikel. Die winzigen Vulkanpartikel können in den Triebwerken von Turbinenflugzeugen schmelzen und sich als Glas ablagern.

Airbus findet nichts Bei zwei langen Testflügen hat der Flugzeugbauer Airbus derweil keine Einflüsse der Vulkanasche auf Maschinen und Flugsysteme festgestellt. "Auf beiden Testflügen zeigten sich keinerlei Auffälligkeiten. Dies ist das Ergebnis der Beobachtungen durch die Piloten während des Fluges sowie der anschließenden Auswertung der Messdaten", erklärte Firmensprecher Tore Prang am Dienstag in Hamburg. Zu den Tests starteten am Montag in Toulouse ein Airbus A380 und ein A340. Beide Großraumjets flogen mehrere Stunden den europäischen Luftraum ab und landeten am Montagabend wieder am Startort.

Auch Lufthansa will forschen Derweil hat auch die Deutsche Lufthansa einen eigenen Testflug angekündigt. In Zusammenarbeit dem Max-Planck-Institut Mainz soll nach Angaben des Unternehmens ein dafür speziell ausgerüsteter Airbus A340-600 am Dienstagnachmittag von Frankfurt aus starten und mehrere Stunden lang Messdaten über Europa sammeln. Die Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes erwarten sich laut Lufthansa erste exakte Werte zur Konzentration und Verteilung der Vulkanasche über Europa.

(RP/AP/ddp)
 
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