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Schweine Dioxin Massentierhaltung Panorama, dapd 2011.0111
  Foto: dapd, dapd
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Suche nach belastetem Schweinefleisch: Dioxin-Fleisch landete bereits auf dem Teller

zuletzt aktualisiert: 13.01.2011 - 18:23

Weißenfels (RPO). Das Fleisch von 180 Schweinen, die im niedersächsischen Kreis Verden mit dioxinhaltigem Futter gemästet wurden, ist wahrscheinlich größtenteils schon auf Tellern der Verbraucher gelandet. Nach Angaben von TönniesFleisch wurden die 180 Tiere im Dezember in fünf Lieferungen in einen Schlachthof des Unternehmens in Weißenfels in Sachsen-Anhalt gebracht.

Dort seien sie geschlachtet, zerlegt und an weiterverarbeitende Betriebe ausgeliefert worden, sagte Tönnies-Sprecher Markus Eicher am Donnerstag in München.

Die letzten 35 Tiere aus dem Landkreis Verden seien am 30. Dezember an den Schlachthof in Weißenfels geliefert worden. Ihr Fleisch sei am 3. Januar an drei weiterverarbeitende Betriebe ausgeliefert worden. Dies habe man auch den Behörden des Landes Sachsen-Anhalt mitgeteilt, die nun versuchten, zumindest Teile des Fleisches noch aufzuspüren und zu sperren.

"Bei der Annahme der Tiere und der Auslieferung des Fleisches wusste der Schlachthof nichts davon, dass die Schweine mit dioxinhaltigen Futter gemästet worden waren", betonte der Unternehmenssprecher. Der Betrieb im Landkreis Verden sei erst nach der letzten Lieferung gesperrt worden.

In dem Betrieb, aus dem die 180 Tiere stammen, war nach einer Probeschlachtung im Fleisch eines Schweines eine Überschreitung des Dioxin-Grenzwertes um 50 Prozent festgestellt worden.

Die niedersächsischen Behörden erklärten daraufhin 160 weitere dort gehaltene Schweine für nicht lebensmitteltauglich. Der Schweinehalter, der selbst Futter herstellt, hatte ab dem 26. November seine Tiere mit dioxinhaltigen Futter gemästet.

Skandal zeitigt Folgen in Wirtschaft und Politik

Unterdessen verdirbt der Dioxin-Skandal den Bürgern den Appetit auf Eier, Schweinefleisch und Geflügel. Nach den Giftfunden im Futter ging der Absatz dieser Lebensmittel um 10 bis 20 Prozent zurück, wie die Ernährungsindustrie am Donnerstag berichtete.

Verbraucherministerin Ilse Aigner will nun mit schärferen Futtermittelkontrollen das Übel an der Wurzel packen. Doch steht die CSU-Politikerin selbst verstärkt unter Druck.

Für Freitag hat Aigner einen Aktionsplan angekündigt, mit dem ähnliche Skandale künftig verhindert werden sollen. "Es wird klar definiert, was in Futtermittel darf", sagte Aigner. "Und das, was reinkommt, muss getestet werden." Die Ergebnisse müssten den Länderbehörden verpflichtend zur Verfügung gestellt werden.

Sie bekräftigte die Forderung, Futterfette und Industriefette nicht mehr auf einem Firmengelände verarbeiten zu lassen. Außerdem will sie "das Dioxin-Monitoring umfassend ausbauen" und den Strafrahmen für kriminelle Machenschaften überprüfen.

Zudem plädiert Aigner für bundeseinheitliche Standards für die Qualitätskontrolle von Futtermitteln, auch wenn die Länder weiter dafür zuständig bleiben sollen. "Der Fall muss spürbare und rasche Konsequenzen haben", sagte Aigner.

"Für sichere Lebensmittel"

SPD, Grüne und Linke äußern allerdings so heftige Kritik an Aigners Krisenmanagement, dass sich CSU-Chef Horst Seehofer und CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe bemüßigt sahen, Aigner in Schutz zu nehmen. Grünen-Bundestagsfraktionschefin Renate Künast forderte die Ministerin auf, eine verbindliche Positivliste für Futtermittelzutaten entwickeln zu lassen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch nannte die schwarz-gelbe Bundesregierung einen "Dienstleister der Futtermittelindustrie". Die SPD-geführten Landesregierungen aus Berlin, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz legten einen eigenen Maßnahmenkatalog "für sichere Futtermittel und damit für Sicherheit in der gesamten Lebensmittelkette" vor.

SPD-Vizefraktionschef Ulrich Kelber erregte sich vor allem darüber, dass bis zu 180 Schweine von einem Dioxin-belasteten Hof in Niedersachsen bereits verarbeitet und wohl auch verspeist sind. "Die Information der Verbraucher über den Dioxin-Skandal ist völlig unzureichend", erklärte Kelber. "Es kann nicht sein, dass die Verbraucher nicht erfahren, wohin die Dioxin-Schweine geliefert wurden. Womöglich liegen noch dioxinverseuchte Eier und Schnitzel in den Kühlschränken."

Zuvor hatte die Firma Tönnies-Fleisch erklärt, 180 Schweine aus einem inzwischen wegen Dioxinfunden gesperrten Hof bei Verden seien im Dezember in fünf Lieferungen in einen Schlachthof des Unternehmens in Weißenfels in Sachsen-Anhalt gebracht worden. Dort seien sie geschlachtet, zerlegt und an weiterverarbeitende Betriebe ausgeliefert worden, sagte Tönnies-Sprecher Markus Eicher.

"Angesichts der Mindesthaltbarkeit muss man davon ausgehen, dass zumindest das Fleisch der 145 Tiere aus den ersten vier Lieferungen bereits verzehrt ist." In dem Herkunftsbetrieb war nach einer Probeschlachtung im Fleisch eines Schweines eine Überschreitung des Dioxin-Grenzwertes um 50 Prozent festgestellt worden.

Pleite wegen Schadenersatzforderung

Schon jetzt reagieren die Verbraucher im Supermarkt auf den Skandal. Der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Jürgen Abraham, sagte: "Nach Bekanntwerden verseuchter Futtermittelbestände ist der Umsatz mit Eiern im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent eingebrochen. Bei Schweinefleisch und Geflügel lagen die Rückgänge bei jeweils zehn Prozent."

Der Futterfetthersteller Harles und Jentzsch, der im Zentrum des Skandals steht, ließ unterdessen wissen, seine Insolvenz gehe auf Schadenersatzforderungen zurück. Man gehe davon aus, dass der Schaden die Leistungsfähigkeit des Unternehmens übersteige, sagte ein Sprecher des Konkursverwalters in Hamburg.

Quelle: apd/dapd

 
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