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Amoklauf von Winnenden: Diskussion um Waffengesetz entbrannt

zuletzt aktualisiert: 12.03.2009 - 07:54

Berlin (RPO). Nach dem Amoklauf eines 17-Jährigen im baden-württembergischen Winnenden ist eine Diskussion um die Konsequenzen aus der Tat entbrannt. Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Konrad Freiberg, sagte, es gebe keinerlei Veranlassung, das Waffenrecht in Deutschland zu verschärfen.

"Ich glaube nicht, dass wir weitere Änderungen benötigen. Die letzten Verschärfungen sind gerade am 1. April 2008 in Kraft getreten", sagte er. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), brachte den Einsatz von Metalldetektoren an Schulen ins Gespräch.

Genauer geprüft werden sollte allerdings, wie Waffen gelagert und untergebracht würden, sagte Freiberg. "Natürlich müssen sie vor Kindern weggeschlossen werden. Das liegt in der Verantwortung eines jeden privaten Waffenbesitzers", forderte er. Leider werde das häufig nur sehr halbherzig gehandhabt, "so dass Kinder doch an die notwendigen Schlüssel oder Sicherheitscodes kommen".

Der Forderung nach Sicherheitsbeamten vor Deutschlands Schulen erteilte Freiberg ebenfalls eine Absage: "Ich halte nichts von Waffenkontrollen oder Polizeibeamten am Schultor. Wir sollten uns konkret an dem Fall orientieren. Da geht es schon darum, wie verhindert werden kann, dass Unbefugte das Schulgelände oder das Gebäude selbst betreten", sagte er. Man sollte über automatische Zugangssicherungssysteme nachdenken, gestützt auf Chipkarten oder Schülerausweise, sagte Freiberg weiter.

Auch Edathy sprach sich gegen eine weitere Verschärfung des Waffengesetzes aus. "Wir sind auf der Höhe der Zeit", sagte Edathy. Den Einsatz von Metalldetektoren an Schulen hält er aber in Einzelfällen für vorstellbar. "In den Schulen, in denen bereits festgestellt wurde, dass Waffen im Umlauf sind", sagte Edathy. Einen flächendeckenden Einsatz von Metalldetektoren lehnt er aber als unverhältnismäßig ab.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, forderte mehr psychologisches Personal an Schulen. Zwar seien auch Verschärfungen im Waffenrecht erforderlich, doch werde auch "mehr psychologisch geschultes Personal" gebraucht, sagte Kraus. Die Hemmschwelle für Gewalt sei deutlich gesunken. Gute Antworten darauf seien auch das Entwickeln und Erproben von Evakuierungsplänen, aber auch die Ausbildung von Streitschlichtern unter Schülern sowie Deeskalationstrainings.

Der Psychologe und Trauma-Spezialist Christian Lüdke forderte die Schließung der betroffenen Schule. "Diese Schule ist zum Tatort geworden. Dort darf kein Unterricht mehr stattfinden", sagte er. Schlimmstenfalls könnte das zu einer Retraumatisierung der Kinder führen - auch Wochen nach der Tat. "Da hilft es auch nicht, wenn man die Wände streicht", sagte der Experte weiter. Lüdke hatte 2002 nach dem Amoklauf am Erfurter Guttenberg-Gymnasium die Schüler betreut.

Der Präsident der Deutschen Stiftung für Verbrechensbekämpfung, Hans-Dieter Schwind, forderte ein totales Verbot von Computer-Gewaltspielen sowie eine weitere Verschärfung des Waffenrechts. "Dass der 17-Jährige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie Counter Strike oder Crysis lernen können", sagte der Professor für Kriminologie.

Medieneinflüsse seien zwar keine vorrangigen Einflussfaktoren, sie begünstigten aber solche Gewalttaten. Zu den Ursachen der Eskalation zählt Schwind eine "über längere Zeit aufgestaute Wut beziehungsweise Frustration und das Fehlen von Bezugspersonen, die eine Ventilfunktion wahrnehmen können".

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt forderte nach dem Amoklauf eine "Allianz gegen Gewalt und Verrohung". Alle relevanten gesellschaftlichen Kräfte müssten sich daran beteiligen, sagte er. "Wir müssen endlich auf breiter Front gegen die Tendenzen der Verrohung antreten."

Alles zum Amoklauf in Winnenden

Quelle: DDP

 
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